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Geithain Andreas Rätsch überrascht mit Zeichnungen von alten Geithainer Bauwerken
Region Geithain Andreas Rätsch überrascht mit Zeichnungen von alten Geithainer Bauwerken
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00:21 11.09.2017
Andreas Rätsch mit einer von ihm gezeichneten Ansicht des Geithainer Rathauses. Das Bild zeigt das Gebäude um etwa 1630 aus demselben Blickwinkel. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Er zeigt Geithain, wie es war und längst nicht mehr zu erleben ist: In seinen Bleistift-Zeichnungen lässt Andreas Rätsch Gebäude und Ensembles wiedererstehen, von den sich selbst Alteingesessene bisher kein Bild machen konnten – weil es zumeist keines gab. Trefflicherweise am Tag des offenen Denkmals am 10. September eröffnet die Stadtbibliothek eine Ausstellung mit jenen Blättern, auf denen der diplomierte Bauingenieur historische Stadtansichten – gestützt auf Akten, Ansichten und vor allem auf Recherchen des Stadtgeschichtlers Dr. Wolfgang Reuter – neu erfindet.

Selbst wer mit der Geithainer Ge­schichte nicht allzu intensiv vertraut ist, weiß wohl, dass sich an der Stelle des Katharinenplatzes, heute Freifläche für Pkws, einst eine Kirche dieses Namens befand. 1818 wurde das Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert abgetragen. Andreas Rätsch zeigt, wie die Kirche zur Zeit ihrer Erbauung aller Wahrscheinlichkeit nach aussah. Anstoß dafür gab die Lektüre der Chronik der Stadt Geithain, in die sich der 42-Jährige vor zweieinhalb Jahren vertieft hat. „Ich fand darin eine Strichzeichnung. Doch anhand der kann sich keiner das Bauwerk richtig vorstellen“, sagt er. Sein Interesse war geweckt; er begann zu recherchieren. Und dann zu zeichnen. Ein Metier, das ihm, dem in Geithain Aufgewachsenen, vertraut ist seit seinem Studium an der Fachhochschule Dessau. „Ich habe in der Tradition des Bauhauses studiert.“ Was hieß, ganz bewusst auch Architektur-Fächer besetzt zu haben, Darstellende Geometrie etwa. „Ein Gebäude darzustellen, ist für mich kein Problem. Da habe ich Vorstellungskraft. Schwieriger wird es bei Figuren“, sagt er. Dass ihm beides gelingt, zeigt ein Blatt mit der Ansicht des alten Brauhauses dort, wo sich jetzt der Veitshöchheimer Platz befindet. Hier stellte er dem Gebäude, die Nikolaikirche im Hintergrund, ein Pferdefuhrwerk bei.

Zehn Blätter entstanden bisher. Das mag nicht viel klingen, meint Rätsch, der im Bauamt der Stadt arbeitet. Die kleine Sammlung umfasse aber die wichtigsten öffentlichen Bauten, die es längst nicht mehr gibt. Zu ergänzen seien allenfalls das Baderhaus in der gleichnamigen Gasse und die einstige Mädchenschule, die sich in der Chemnitzer Straße befand. Ganz abgesehen davon, dass jede Zeichnung ihre Zeit benötige: 25 bis 40 Stunden. Für die des Oberen Stadttors samt Häuserreihen, Mauerwerk und Gärten seien es sogar 80 gewesen. Konzentriert sich Rätsch auch auf das Historisch-Architektonische, belässt er es doch nicht allein dabei: „Man kann eine Weile vor den Bildern verweilen und wird immer neue Details finden.“

Eine wichtige Quelle für ihn sind Schilderungen des Historikers Reuter und historische Ansichten, die aufgrund ihrer Entstehungszeit und der Bauhütten Vergleiche zulassen. Rätsch betrachtet seine Zeichnungen als eine grafische, in Bilder übertragene Fortsetzung jenes aufwendigen Aktenstudiums, das der Historiker seit Jahren und Jahrzehnten intensiv betreibt und in dessen Folge er ein entscheidendes Stück Stadtgeschichte überhaupt erst einmal geschrieben hat. Rätsch, verheiratet und seit zweieinhalb Monaten Vater eines Sohnes, beschränkt das Zeichnen auf den Winter, „auf die Monate mit R“. Das hat zum einen mit dem knappen Zeitbudget zu tun, zum anderen damit, dass er neben einer ruhigen Hand eine partout schweißfreie hat. Anderenfalls würden die filigranen Linien und Schraffuren verwischen. Um dem entgegenzuwirken, arbeitet er sich zudem auf jedem Blatt von links oben nach rechts unten durch; ein Zurück gebe es im Grunde nicht. Ein Fixierspray hilft, die Bilder haltbarer zu machen.

Dass sie jetzt erstmals öffentlich zu sehen sind, freut Andreas Rätsch. Das Sitzungszimmer der Stadtverwaltung schmücken bereits mehrere Abdrucke; zudem wurden einige der Partnergemeinde Veitshöchheim geschenkt. Bestärkung erfährt Rätsch von Hildegard Höhle aus dem Geithainer Heimatverein. Ein nächstes Projekt nimmt in seinem Kopf schon Gestalt an: Eine Stadtsilhouette, wie sie Wilhelm Dilich um 1629 schuf, möchte er um ein Pendant der Jetztzeit ergänzen, aus derselben Perspektive von jener Erhebung her, auf der am Ossaer Weg damals eine Windmühle stand. Ein großes Vorhaben schon des Formates wegen: A 1 soll es werden. „Ich muss noch mehr ins Detail gehen, denn jeder will darauf ja sein Haus finden.“

Die Ausstellung „(Un-)Bekanntes Geithain“ wird am 10. September, 11 Uhr, eröffnet. Dann ist Andreas Rätsch im Gespräch mit Kuratorin Ramona Kratz. Zu sehen ist die Schau in der Stadtbibliothek bis zum 15. November.

Von Ekkehard Schulreich

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