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Archäologen untersuchen 7300 Jahre alte Siedlung bei Frohburg

Fenster zur Jungsteinzeit Archäologen untersuchen 7300 Jahre alte Siedlung bei Frohburg

Verzierte Scherben von Gefäßen, Reste von Klingen aus Feuerstein, aber auch ein Klopfstein, um Klingen zu schlagen und Gesteine, die für einen Austausch über weite Strecken sprechen: Das ist die gegenständliche Ausbeute einer Grabung, die das Landesamt für Archäologie in den vergangenen Wochen am südlichen Frohburger Stadtrand durchführte.

Grabungsleiter Robert Ansorg mit Fundstücken aus Frohburg.

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg. Ist die Zahl der Artefakte überschaubar, nennt Referatsleiter Harald Stäuble den Fund selbst einen, der die Fachleute begeistere: "In dieser Region konnten wir den Fund einer bandkeramischen Siedlung kaum erwarten. Zudem ist die Lage ungewöhnlich auf dem höchsten Punkt über der Wyhra und weit vom Fluss entfernt."

Bei Voruntersuchungen auf dem Korridor für eine Gas-Hochdruckleitung hatten Archäologen in den zurückliegenden Monaten einen mehrere Kilometer langen Streifen genauer ins Auge gefasst - ohne etwas Verwertbares zu finden. "Erst als wir fast fertig waren, kam der Hauptgewinn", sagt Grabungsleiter Robert Ansorg, der mit bis zu einem Dutzend Mitarbeitern seit Mitte August intensiv am Arbeiten war - unter Zeitdruck: "Vor dem Dreieck-Rennen mussten wir fertig sein." Denn der Fundort einer Siedlung, die geschätzte 7300 Jahre alt sein dürfte, liegt unmittelbar an der Rennstrecke nahe der Kartoffelhalle.Dass die Reste von drei Wohnhäusern und mit Siedlungsschutt gefüllten Gruben Jahrtausende überdauerten und in den vergangenen Jahrzehnten durch tief in den Boden greifende Landwirtschaft oder Verkehrsbauten nicht zerstört wurden, überrascht. Als der Motorsport-Kurs ausgebaut wurde, wurde das Siedlungsgebiet aber nicht ausgehoben, sondern im Gegenteil überdeckt.

In den Gruben fanden sich neben Scherben und Resten jungsteinzeitlichen Werkzeugs Besonderheiten wie die Tülle eines Sauggefäßes - "einer Schnabeltasse oder einer Art Nuckelflasche, das gibt es ganz selten", so Ansorg. Bemerkenswert auch der Fund von Bandjaspis, eines Halbedelsteins, der im nahen Stöckigt vorkommt. Aufgrund seiner dem Feuerstein vergleichbaren Eigenschaften nutzten ihn die Siedler gern zum Herstellen von Klingen und Pfeilspitzen. Werkzeuge aus Bandjaspis habe man ebenfalls bei Grabungen in Groitzsch und Eythra gefunden, erläutert Stäuble: "Die Siedlung hier könnte mit dem Abbau dieses Steins etwas zu tun haben." Dass ein Austausch über weite Strecken hinweg gepflegt worden sei, belege ein in Frohburg entdeckter, zum Keil geformter besonderer Schiefer; der kommt nur im Riesengebirge in Tschechien vor. Was die Gruben an Samen und Getreideresten bargen, wird noch genauer untersucht. Deutlich jünger als ist ein zweiter Siedlungsplatz auf dem Acker östlich der Streitwalder Straße. Hier werden die Grabungen bis Ende Oktober abgeschlossen, um den Bau der Gastrasse nicht zu verzögern. Grabungsleiter Ansorg verortet die Funde hier in der Eisenzeit, also 800 bis 500 vor Christus.

Mit dem Abschluss der Grabungen ist die Arbeit der Archäologen nicht beendet. Im Landesamt in Dresden und in der Leipziger Außenstelle werden die Funde ausgewertet, katalogisiert, beschriftet. Ein Abschlussbericht entsteht, ein Vortrag ist 2016 in der Region geplant. Was die Fachleute in Frohburg durchführten, war ein klassische Rettungsgrabung. "Hier wird im Vorfeld von Baumaßnahmen etwas dokumentiert, ehe es durch den Bau zwangsläufig zerstört wird", erläutert Christoph Heiermann, Sprecher des Landesamtes. Die Erkundung beschränke sich auf jene Fläche, auf der gebaut werde. Im Schnitt gebe es 130 solcher Grabungen Jahr für Jahr im Freistaat.

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