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Auf Safari durch die artenreiche Landschaft von Otterwisch

Wildgehege Auf Safari durch die artenreiche Landschaft von Otterwisch

Den Begriff Safari verbinden Tierfreunde und Weltreisende mit Gnu-Herden, Elefanten, Löwen und vor allem den Weiten Afrikas. Otterwisch würde in dieser Reihe wohl niemand nennen. Ungerechterweise, wie schon Besucher aus ganz Sachsen im Wildgatter des Kieswerks erfahren durften.

Aussteigen erlaubt vorm Zaun, hinter dem die Bisons dösen. Frank Funk (l.) und Gerhard Riehl auf Rundtour.

Quelle: Thomas Kube

Otterwisch. Den Begriff Safari verbinden Tierfreunde und Weltreisende mit Gnu-Herden, Elefanten, Löwen und vor allem den Weiten Afrikas. Otterwisch würde in dieser Reihe wohl niemand nennen. Ungerechterweise, wie schon Besucher aus ganz Sachsen im Wildgatter des Kieswerks erfahren durften.

Bison, Mufflon und Rothirsch

„In seiner Größe ist das Gehege nahezu einzigartig“, lobt Gerhard Riehl (55) vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Hier herrscht nicht die Enge eines Zoos, auf 70 Hektar streifen die Tiere durch die Landschaft. Zu Fuß für den Beobachter kaum zu erkunden.

So bittet Kieswerksleiter Frank Funk (58) zur Auto-Safari. Er fährt durch ausgedehntes Grünland voller Gräser, Kräuter und Blumen, teilweise durchsetzt von Gräben und anderen Vertiefungen, Baumgruppen, Büschen und Feuchtbiotopen. Stattliches Rot- und kleineres Damwild äst friedlich. Hinter einer Biegung halten scheue Mufflons Abstand zum Menschen. Bisons, die nach einer weiteren Etappe in der Sonne faulenzen, kennen keine Furcht.

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Das Kieswerk Otterwisch, das zum Betonwerk Bad Lausick gehört, betreibt im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes ein Tiergehege, in dem sich Bisons, Mufflons sowie Rot- und Damwild tummeln.

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Interessierte Bauern, Wildgehegehalter und Schäfer aus ganz Sachsen verschafften sich zum diesjährigen Grünlandtag einen Einblick in die extensive Landwirtschaft des Kieswerks. „Es gibt immer wieder neue Gesetzlichkeiten und Ideen“, so Riehl. In der Otterwischer Anlage wurden 45 Pflanzenarten gefunden, davon 19 sogenannte Kennarten, die einen besonderen Reichtum der Natur anzeigen. „Bei wem sie vorkommen, der kann jetzt eine Agrarumweltförderung erhalten, die je zur Hälfte das Land Sachsen und die Europäische Union zahlen“, weiß der Fachmann vom Landesamt. „Das Kieswerk Otterwisch nimmt sie seit diesem Jahr in Anspruch. Mit dem Geld werden finanzielle Nachteile gegenüber der intensiven Flächennutzung ausgeglichen.“

Wo einst die Rote Armee übte

Nicht von ungefähr hat sich der Kiesabbaubetrieb, der zum Betonwerk Bad Lausick gehört, für diese Art der Bewirtschaftung entschieden. „Hier befand sich im Deutschen Reich ein Flugplatz und danach ein Übungsgelände der Roten Armee“, umreißt Funk die Historie. „Nach dem Abzug der Truppen wurden vom Harthwald und Naturschutzgebiet Rohrbacher Teiche Samen eingetragen, die zur natürlichen Sukzession führten.“

Das heißt, die Fläche begann zu verbuschen; ohne den menschlichen Eingriff würden an gleicher Stelle wohl schon Wälder stehen. Der Betrieb, der die Fläche kaufte und 1996 mit dem Kiesabbau begann, muss sie jedoch freihalten. „Wurzeln von Bäumen wären Gift für unsere Schwimmbagger“, erklärt Funk. „Außerdem darf ein Wald, der einmal entstanden ist, nicht mehr abgeholzt werden.“ So wurde die Idee geboren, mittels Wildtieren das Gelände als Grünland zu erhalten. 1997 entstand das Tiergehege. Auf die 150 Damhirsche und -tiere (so heißen die Weibchen), 65 Rothirsche und -tiere, 30 Mufflons und 18 Bisons, die dort heute leben, ist Verlass. Sie vertilgen jedes sprießende Bäumchen. Auf Gifte oder Düngungen kann verzichtet werden.

Europäische Union erteilt Zulassung als Schlachtbetrieb

Nicht der einzige Vorteil aus Sicht des Kieswerks, denn es hat sogar einen von der Europäischen Union zugelassenen Schlachtbetrieb eingerichtet. „Wer möchte, kann bei uns Wildbret kaufen. Wir liefern aber auch an Gaststätten“, sagt Funk. Hauptzeiten seien um Ostern sowie zwischen September und Januar. Im Veranstaltungsraum, den zahlreiche Trophäen schmücken, sind die Goldmedaillen ausgestellt, die das Unternehmen von der Landesfleischerinnung für seine Wildsalamis, -schinken und -knacker verliehen bekam. „Das ist ein Vorzeigebeispiel, wie Naturschutz und Fleischproduktion sinnvoll miteinander verbunden werden können“, urteilt Gerhard Riehl, der beim Landesamt Referent für Grünland und Feldfutterbau ist.

Insgesamt, so schätzt Frank Funk, kann durch seinen Betrieb in Otterwisch 50 Jahre lang Kies gefördert werden. Dieses Jahr will er dem Tiergehege 13 Hektar zuschlagen, dann ließe sich die Bisonherde vergrößern. So wird eine weitere Fläche als Abbaugebiet gesichert.

Von Frank Pfeifer

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