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Geithain Auf den Spuren des Romans „Frohburg“ von Guntram Vesper
Region Geithain Auf den Spuren des Romans „Frohburg“ von Guntram Vesper
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07:00 10.10.2016
Die Alte Schmiede, heute ein Autohaus, spielt im Roman „Frohburg“ und in der Kindheit Guntram Vespers eine wesentliche Rolle. Quelle: Gislinde Redepenning
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Frohburg

Ansgar Weber von der Leipziger Buchhandlung SeitenBlick hatte am Sonntag zu einer literarischen Landpartie nach Frohburg eingeladen. Lokalhistoriker Rainer Müller und Sprecher Roland Beer begleiteten ihn und sein Publikum auf dem Weg der Suche nach Analogien zum gleichnamigen Roman von Guntram Vesper. Das Buch bewegt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Unsere frühen Erfahrungen lebten in jedem von uns weiter, davon ist der 1941 in Frohburg geborene und in Göttingen lebende Schriftsteller überzeugt. Sein umfangreiches Werk umfasst Prosa, Gedichte, Essays und Hörspiele und behandelte bereits in unterschiedlichen Genres seine Herkunft. Schon vor 30 Jahren veröffentlichte Vesper einen Gedichtband mit dem Titel „Frohburg“.

„Frohburg“ heißt auch das mehr als 1000 Seiten umfassende Resultat einer Materialsammlung, die so lange währt, wie sein Leben dauert. Sein monumentaler Erinnerungsroman wurde in diesem Jahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet.

„Die Erzählfäden reichen weit zurück“, berichtete Weber als Moderator im Wechsel mit Roland Beer, der Auszüge aus dem Buch vorlas. „Die räumliche Achse reicht von Leipzig bis zum Erzgebirge. Wir wollen die Fährte des literarischen Raums im realen Raum aufnehmen, um zu einer eigenen Vorstellung zu gelangen.“

Ansgar Weber (li.), Roland Beer (M.) und Rainer Müller vor der Frohburger Schule. Quelle: Gislinde Redepenning

Es sei ein von Fakten gesättigtes Buch mit autobiografischen Elementen, jedoch keine Autobiografie, aufwendig recherchiert, jedoch keine Dokumentation, sondern ein Roman. „Dem versuchen wir gerecht zu werden“, versprach Weber.

Kein leichtes Unterfangen für den Großteil der mehr als zwei Dutzend interessierten Teilnehmer der Landpartie, die nicht nur an fünf ausgewählten Stationen Gleichheiten mit Namen und Gegebenheiten suchten, deren Erinnerungen beim Lesen wieder aufkeimten.

Kleine Veränderungen der Realität verwundern auch Werner Jurich aus Neukirchen, der den Roman zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. „Ich bin erst auf Seite 400, er enthält so viele Infos und so viele Eindrücke zwischen Mittelalter und Neuzeit, da kämpfe ich mich durch.“ Dass der Doktor, der ihn als Kind behandelt hat, lediglich mit einem ähnlichen Namen erwähnt wird, kann Rainer Müller erklären: „Das hat rechtliche Gründe, es war schlicht nicht möglich, von allen Betroffenen oder ihren Nachfahren die Erlaubnis der korrekten Nennung einzuholen.“

Die Spurensuche von Hans-Günther und Heidrun Kretzschmann aus Kohren-Sahlis hat sie bereits ins Erzgebirge geführt, auch dort spielen bedeutende Passagen. Da ist es nur folgerichtig, dass sie in Frohburg dabei sind. Im Publikum spazierte auch Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) mit. „Der Roman ist ein literarisches Meisterwerk“, findet er. Was ihn freut: „Noch nie wurde allerorten so häufig über die Stadt gesprochen, das ist auf jeden Fall positiv.“

Der Autor Guntram Vesper bei seiner Lesung aus „Frohburg“ im April dieses Jahres in Frohburg. Quelle: Jens Paul Taubert

„Gestern noch habe ich drei Stunden lang mit Vesper telefoniert“, berichtete Rainer Müller, dessen Exemplar des Romans gespickt ist mit seinen persönlichen Bemerkungen. „Er lässt alle herzlich grüßen, kann aber selber nicht dabei sein, weil er in Marburg seine 37. Lesung nach der Preisverleihung hält.“ Material rund um Frohburg habe Vesper noch zur Genüge, das reiche für mindestens 1000 weitere Seiten.

Von Gislinde Redepenning

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