Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Ausflugsziel: Burg Gnandstein lockt Besucher aus ganz Sachsen
Region Geithain Ausflugsziel: Burg Gnandstein lockt Besucher aus ganz Sachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 01.08.2017
Mit ihren beiden Enkeln Fynn und Myra hat Annegret Müller im Innenhof der Burg einen besondern Platz auf einem historischen Stuhl gefunden. Quelle: Anton Zirk
Anzeige
Kohren-Sahlis/Gnandstein

Es regnet Bindfäden an diesem Juli-Nachmittag in den Sommerferien. Auf halber Strecke zwischen dem Bahnhof Frohburg und dem Zielort Gnandstein beginnt es zu tröpfeln. Kein Verlass auf den Regenradar! Die Bedingungen für einen Ausflug auf dem Rad könnten an diesem Freitagnachmittag besser sein, das Auf und Ab auf dem Waldweg tut sein Übriges. Zum Glück entschädigt schon der erste Blick auf die Burg. Da ist sie also: „Sachsens besterhaltene romanische Wehranlage“, wie es auf der Homepage heißt. Bei der Ankunft zeigt sich auch Petrus endlich gnädig.

Gnandsteins Burg gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region. Sie wurde nach der Wende Schritt für Schritt restauriert. Im Mittelpunkt steht das Museum: Über 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, bis zur Wiedereröffnung 2012 geschmackvoll modernisiert inklusive Ausblick vom Burgturm und moderaten Eintrittspreisen. Historische Waffen und Möbel, Keramik sowie die Geschichte der Burg und ihrer Bewohner gibt es zu bestaunen.

Die Besucherzahlen haben in den Neunzigern trotzdem stark nachgelassen. Erst seit einigen Jahren bleiben sie stabil: „Wir halten uns bei 20 000 Besuchern im Jahr“, sagt Museologe Falk Schulze. Auch Reiner Gotthardt, seit 1990 Betreiber des als Eis-Café aus der Taufe gehobenen Restaurants am Ende von Gnadstein, weiß, dass es für den Ort, der untrennbar mit der Burg verbunden ist, schon bessere Zeiten gab: „Der Ausbau des Leipziger Südraums macht uns hier zu schaffen. Es kommen einfach weniger Touristen vorbei, weil Belantis und die Seen locken.“ Im Sommer sei seine Terrasse trotzdem bestens besucht, vor allem seit ein anderes Restaurant in Gnandstein vor eineinhalb Jahren schließen musste.

Restaurant-Chef Reiner Gotthardt sitzt auf seiner Terrasse am liebsten auf dem Platz mit Blick auf die Burg Quelle: Anton Zirk

150 Meter weiter Richtung Ortsmitte auf dem Platz vor der Burg fahren immer wieder Autos mit Besuchern vor. Christiane Fischer ist mit ihren beiden Söhnen Raphael und Nathan beim Großvater zu Besuch. Der wohnt in Schkeuditz und hat das heutige Ausflugsziel auserkoren. „Die beiden Jungs lieben Burgen und Ritter“, sagt die Mutter und schwärmt vom guten Zustand der Burg. Es gebe einfach etwas zu erleben: „Die Kinder dürfen auch mal etwas anfassen und auf der alten Kutsche spielen.“ Das sei nicht überall so.

Christiane Fischers Söhne Raphael (l.) und Nathan lieben Ritter. Die Burg ist für sie besonders spannend. Quelle: Anton Zirk

So sieht es auch Annegret Müller, die mit ihren Enkeln Myra und Fynn eher zufällig über die historischen Pflastersteine zum großzügig bepflanzten Innenhof aufgestiegen ist. Eigentlich wollten sie nur den Märchengarten am Fuß der Burg besuchen. „Der Hunger hat uns hergebracht“, gesteht sie mit einem Lachen im Gesicht, „aber ich bin positiv überrascht. Es ist sehr gemütlich gestaltet und das Essen im Restaurant war wirklich gut.“

Mit ihren beiden Enkeln Fynn und Myra wollte Annegret Müller eigentlich nur in den Märchengarten. Am Ende haben sie sich auch noch die Burg angeschaut. Quelle: Anton Zirk

Claudia Woldt und ihr Mann haben in Sachsen schon so manche Sehenswürdigkeit besucht. Im Urlaub unternehmen die beiden Dresdener häufig Tagesausflüge. „Da gibt es kein spezielles Interesse, vielmehr geht es uns darum, die Region kennenzulernen, in der wir leben.“ Von dem Angebot auf der Burg ist die 43-Jährige überzeugt: „Hier wird mit den alten Burgräumen, den Sonderausstellungen oder auch den Briefwechseln nicht nur viel gezeigt, sondern alles auch in einen kultur-historischen Hintergrund eingeordnet.“

Claudia Woldt aus Dresden unternimmt mit ihrem Mann regelmäßig Tagesausflüge in Sachsen. Quelle: Anton Zirk

Schon häufiger auf der Burg zu Gast war Veit Polowy, diesmal ist er mit seiner Familie und einem Freund aus Lübeck da. „Der Besuch hat gut in unsere Radtour gepasst“, sagt Polowy. Für ihn laufen in Gnandstein viele Fäden aus der Geschichte der Region zusammen. Die detaillierte Ausstellung über das Adelsleben liefere sogar Informationen zum alten Pfarrhaus in Rüdigsdorf, das der Universitäts-Dozent mit dem Verein Grüne Liga Kohrener Land in Stand hält. Seine beiden Söhne entdecken auf der Burg auch immer etwas. „Die alten Möbel sind total spannend“, sagt der achtjährige Milan. Nur allzu gern wolle er wissen, was da drin versteckt liegt. Aber anfassen ist hier verboten.

Stammgäste auf der Burg: Veit Polowy und seine Söhne Milan (l.) und Jakob Quelle: Anton Zirk

Was außer diesen kleinen Geheimnissen nach diesem Tag bleibt, ist die Erkenntnis, dass die alte Burg nichts von ihrem Charme verloren, sondern im Umland schlicht mehr touristische Konkurrenz bekommen hat. Wer dennoch den Weg nach Gnadstein findet, wird nicht enttäuscht.

Burg Gnandstein finden Sie in der Burgstraße 3 in 04655 Kohren-Sahlis. Weitere Informationen unter: www.burg-museum-gnandstein.de/

Von Anton Zirk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ferienkinder der Bad Lausicker „Riff-Piraten“ griffen gemeinsam mit ihren Erziehern zu Spaten und Maurerkelle und machten sich im grünen Außengelände zu schaffen. Vier Wochen Programm gab es im Bad Lausicker Kinder- und Jugendhaus der Arbeiterwohlfahrt Mulde/Collm. Höhe- und Schlusspunkt war am Freitag eine Poolparty.

31.07.2017

Ansichtskarten erzählen viel über die Stadtgeschichte: Das Heimatmuseum Geithain lädt ab Sonnabendnachmittag alle Besucher zu genauem Hinschauen ein. Dann eröffnet eine Doppel-Ausstellung, die Postkarten aus vielen Jahrzehnten zeigt – nicht nur solche von Geithain, sondern ab September auch vom Umland der Stadt.

28.07.2017

2013 wurden im Sana Klinikum Borna erstmals über 1000 Kinder pro Jahr geboren. Seither steigt die Kurve stetig nach oben. Hält der Trend des aktuellen Jahres an, werden in Borna etwa 1200 Kinder das Licht der Welt erblicken. Und: Der Trend hat Gründe.

31.07.2017
Anzeige