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Geithain Bad Lausick: Familienbetrieb setzt auf Direktverkauf von Milch
Region Geithain Bad Lausick: Familienbetrieb setzt auf Direktverkauf von Milch
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00:28 02.03.2018
Susann und Udo Schönberg in ihrer Tankstelle. Wer eine Flasche in den Automaten aus Edelstahl hineinstellt und Geld einwirft, kann frische Milch zapfen. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Bad Lausick bekommt eine neue Tankstelle: eine für Milch. Susann und Udo Schönberg, die am westlichen Rand der Kurstadt einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb führen, verkaufen die Milch ihrer 30 Kühe bisher ausschließlich an eine große Molkerei. Das „Frisch-Milch-Paradies“, das sie demnächst in Heinersdorf, unmittelbar an der Bundesstraße 176 am Abzweig nach Kitzscher eröffnen, soll sie ein bisschen unabhängiger machen vom globalen Milchmarkt mit seinem Preisdiktat, dem zyklischen Auf und Ab der Erlöse. Die Selbstvermarktung ist zudem ein Versuch, regionale Kreisläufe zu stärken.

„Die Leute wollen sehen, wo ihre Lebensmittel herkommen“, sagt Susann Schönberg, die gemeinsam mit ihrem Bruder Udo 2011 den Bauernhof ihres Vaters Horst übernahm. Schönbergs Kühe sieht jeder; sie stehen auf den Weiden an der Wüstungssteiner Straße. Der Betrieb lebt von der Milch; der Feldbau auf 40 Hektar dient ausschließlich dem Futter für das Milchvieh. „Die letzten drei Jahre waren hart, mehr als zwei davon bekamen wir deutlich weniger als 30 Cent für den Liter“, sagt Udo Schönberg. Dieses Tal durchschritten, nicht aufgegeben zu haben, darauf sind beide stolz. Dass es trotz eines aktuellen Milchpreises von 35 Cent nicht das letzte Tal war, liegt in der Natur eines globalisierten Marktes.

Susann und Udo Schönberg Quelle: Jens Paul Taubert

„Für die Molkerei zählt Menge“, sagt Udo Schönberg. Es werde Masse produziert, obwohl – spätestens seit die EU die Milchquote aufhob – mehr Milch da sei, als gebraucht werde. Das drücke dann erneut auf die Preise. „Wir kriegen drei Cent weniger für den Liter als die großen Erzeuger, müssen für die Abholung sogar extra noch eine Pauschale zahlen.“ Höchste Zeit also, sich nach einer zweiten, örtlichen Vertriebsschiene umzusehen – zumal es anders als im Leipziger Südraum im Bad Lausicker Umfeld noch keine Milchtankstelle gibt. „Gefragt werden wir immer wieder, ob wir ab Hof verkaufen. Jetzt probieren wir es.“

Rund 30 000 Euro investierte der Familienbetrieb in den Milchautomaten, das kleine Gebäude im einstigen Obstgarten, die Zufahrt. Wahrscheinlich kurz vor dem Bad Lausicker Weihnachtsmarkt, der am zweiten Advent stattfindet, kann erstmals Milch gezapft werden. Geöffnet ist dann täglich von 7.30 bis 22.30 Uhr. 150 Liter fasst der Edelstahltank. Die Milch sei nicht behandelt, sagt Susann Schönberg: „Ursprünglich und frischer geht es nicht.“ Flaschen können gekauft, aber auch mitgebrachte saubere Gefäße befüllt werden.

Schönbergs verorten ihren Betrieb zwischen konventioneller und Bio-Landwirtschaft. Die Auflagen und Zertifizierungen für Letztere seien zu hoch, doch nachhaltig wirtschafte man nach Möglichkeit, sagt Susann Schönberg: „Gentechnikfrei füttern wir seit Jahren. Wir verzichten auf die in vielen Ställen übliche Hochleistungsfütterung.“ Spitzenerträge bringe das nicht, doch dadurch spare man deutlich Kosten für Tierarzt und Futtermittel. Die Kühe können viel länger behalten werden, dass sei durchaus wirtschaftlich: „Und es macht in jeder Hinsicht Sinn.“

Von Ekkehard Schulreich

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