Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Bad Lausick gibt es seit 100 Jahren
Region Geithain Bad Lausick gibt es seit 100 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:07 22.01.2013
Bad Lausicker Kurgeschichte(n) hat Jürgen Zschalich (li.) den Besuchern beim Rundgang durch das Kur- und Stadtmuseum erzählt. Die Premiere dieser etwas anderen Führung ist recht gut besucht gewesen. Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick

Und im Oktober wird das einzige Kurmuseum im Kulturraum Leipziger Raum fünf Jahre alt. Dazu soll es eine Ausstellung zu seiner Entwicklung geben. Am Sonnabend lockte die Premiere der „Kurgeschichte(n)" 17 interessierte Besucher an.

„Er macht das ganz hervorragend", lobte Kurgast Gerhard Möbus, der unter den Besuchern war und dem der Rundgang mit Jürgen Zschalich gefiel. Noch bis Ende Januar absolviert der Görlitzer seine Kur in der Medianklinik, mit der er rundum zufrieden sei. Vor reichlich Hundert Jahren beschwerten sich Kurgäste und Geschäftsleute, sie würden verlacht, wenn sie - in bestem Sächsisch von Lausigk - erzählten. Am liebsten wollten die Stadtväter als neuen Namen „Herrmannsbad", berichtete Zschalich, der mit Gottlieb Friedrich Herrmann (1771 - 1847) seinen etwas anderen Museumsrundgang natürlich begann. Denn der Webermeister, Amtsrichter, Tagebaubesitzer und Badeigentümer hat den Grundstein für den Tourismus in der Kurstadt gelegt. Dieser Namenswunsch ging nicht in Erfüllung, doch immerhin darf die Kommune sich seit dem 24. Juni 1913 Bad Lausick nennen. Zu diesem Jubiläum soll es im Sommer einen Vortrag im Museum geben. Die Führung zu den Kurgeschichte(n), bei der die Besucher gemeinsam durch das Museum wandeln, wird es nach der Premiere auch künftig geben und sie soll jedes Mal ein bisschen anders ausfallen. Er habe sich damit beschäftigt, was es Literarisches zum Thema gibt, um die trockene Historie zu untersetzen, erzählte der 60-Jährige. Der Fundus an Quellen sei reich. 1821 wurde das Herrmannsbad gegründet und bereits ein Jahr später beschrieb Uni-Professor und Ökonom Friedrich Pohl es in einem Buch. Von ihm habe sich Herrmann „extern beraten lassen", zog Zschalich verschmitzt Parallelen in die Neuzeit und lobte die sehr ausführliche und gute Schilderung. Eher spärlich seien die Quellen zum Thema jedoch für die Zeit davor.

 Wie die Entdeckung des Heilwassers gewesen sein könnte, das schrieb der Lehrer und Stadthistoriker Franz Bauer 1927 nieder, und interessiert lauschten die Besucher dieser Schilderung. Auch die folgenden Höhen und Tiefen des Kurbetriebes verfolgten sie aufmerksam. Da war zu erfahren, wie das gesellschaftliche Leben in der Kurstadt Honoratioren aus der Umgebung anzog, die teils mehrstündige Hin- und Rückwege in Kauf nahmen, um dabei zu sein. Eine Weltkarte im Museum zeigt, dass Kurgäste bis aus Australien, Neuseeland und Nordamerika kamen und auch berühmte Männer versprachen sich von einer Trink- und/oder Badekur im Herrmannsbad Linderung, ob Max Blüthner, der 1887 hier weilte, Harry Freiherr Speck von Sternburg (1925) oder Erich Kästner, der seinen Kur-Aufenthalt 1937 sogar bedichtet haben soll.

Erinnerungen bei Rundgangsteilnehmern weckte das Foto vom ehemaligen Zandersaal, der darauf äußerlich ein wenig an ein heutiges Fitnessstudio erinnert. Doch dort trieben Maschinen die Geräte an, auf denen wiederum Kurgäste diese Bewegungen jeweils mitmachen mussten. Aus Spaß habe er sich dort ab und zu draufgestellt, erzählte am Sonnabend der 90-jährige Johannes Wagner, der viel für Bad Lausicks Stadtgeschichte getan hat. Als Junge brachte er seinem Vater jeden Tag das Mittagessen - Reinhold Wagner arbeitete als Elektromeister im Herrmannsbad. Auch Rainer Syrbe hat als Junge Bekanntschaft mit den Kur-Geräten im längst abgerissenen Zandersaal gemacht. Der Schulausflug führte gelegentlich dorthin und den Kindern wurde demonstriert, wie Kurgäste dort passiv bewegt wurden. Daran erinnert sich der Bad Lausicker nicht so gern. Über den recht guten Zuspruch auf die Museumsführung hat er sich als Mitglied des Bad Lausicker Geschichtsvereins gefreut. Dieser zählt derzeit knapp 20 Mitglieder, er hat das Museum einst maßgeblich mit aus der Taufe gehoben. 

„Bunte Welt der Mineralien" - so heißt eine Sonderausstellung im Kur- und Stadtmuseum Bad Lausick, die am 26. Januar, 14 Uhr, eröffnet wird.

Inge Engelhardt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Gründung befindet sich eine neue Wandergruppe in Bad Lausick: 30 Interessenten waren einer Einladung von Wilfried Wesener, Vorstand des Wandervereins Leipzig, zu einem ersten Treffen gefolgt.

21.01.2013

Noch in diesem Jahr soll der neue Kindergarten in Niedergräfenhain in Betrieb gehen. Das Kirchspiel Geithainer Land baut das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus dafür um – eine Investition von über 900 000 Euro.

20.01.2013

„Der eine wartet, dass sich die Zeit wandelt, der andere packt sie kräftig mit an und handelt“. Mit diesem Zitat des Philosophen und Dichters Dante Alighieri, der vor 700 lebte, beendete Frohburgs Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) am Donnerstagabend seine eröffnenden Worte zum Neujahrsempfang der Stadt.

18.01.2013