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Bad Lausick in den Dreißigern und Vierzigern: Günter Wagner hat es aufgeschrieben

Bad Lausick in den Dreißigern und Vierzigern: Günter Wagner hat es aufgeschrieben

Wer erinnert sich an den Billigen Willi auf dem Bad Lausicker Jahrmarkt der dreißiger Jahre? Wer an die Filme in den „Drei Rosen"? Wer an das Kartoffeln stoppeln in den ersten Nachkriegsjahren? Günter Wagner tut es.

Bad Lausick. Der in Bad Lausick Großgewordene hat viele Episoden aufgeschrieben. Der Engelsdorfer Verlag hat zwei Bücher daraus gemacht. Sie sind Zeitzeugnis und unterhaltsam zugleich.

„Das Meiste wird so schnell vergessen. Kommende Generationen wissen gar nicht mehr, wie es war zu unserer Kinderzeit", sagt Günter Wagner. Der 82-Jährige hat ein probates Mittel dagegen: seine Erinnerungen und seine Notizen. Auf beides konnte er zurückgreifen, als er in den vergangenen Jahren manch Begebenheit aus dem Bad Lausick der dreißiger und vierziger Jahre aufschrieb. Texte, die auf der Heimatgeschichtsseite der LVZ zurückkehrten in die Stadt seiner Kindheit und Jugend. Texte, die zusammen mit anderen die Grundlage bildeten für zwei schmale Bändchen, herausgebracht vom Engelsdorfer Verlag: „Damals!" und „Ich war Junkers-Lehrling", eine Schilderung seiner Lehrzeit als Metallbauer bei den Flugzeugwerkern 1943 bis 1945.

Vom Billigen Willi, einem fliegenden Händler, der mit dem Zug aus Leipzig zum Bad Lausicker Jahrmarkt kam und dessen Ladentafel ein auf zwei Wäscheböcken ruhendes Brett war, hat Wagner schon in der LVZ erzählt. „Als Stifte waren wir begeistert vom Taifun-Rad und von den Steilwand-Fahrern", erinnert er sich. Eher Enttäuschungen hatte der Lotteriemann „Beinah" parat, der immer rief: „Beinah ein Hauptgewinn!" In seinem gut 100 Seiten starken Bändchen „Damals!" berichtet er von Wandertagen, gefragten Organisationstalenten in den kargen Jahren des Nachkriegs und wie er sich als Balljunge beim Tennisclub ein paar Groschen verdiente. Geboren wurde Günter Wagner nahe des Schützenhauses in der Schützenstraße, die heute Käthe-Kollwitz-Straße heißt: „In der Straße gab es so viele Kinder. Da war immer was los." Später zog die Familie nach Reichersdorf in eine Wohnung neben dem Gasthof „Sonne": „Wenn wir aus dem Fenster guckten, sahen wir die Tankstelle. Und vor dem Gasthof stand die Gemeindeplumpe."

1950 verließ Wagner die angestammte Heimat, ließ sich nieder im Dresdner Raum, arbeitete vier Jahrzehnte in der Elektrowärme Sörnewitz. Nach ad Lausick ist er in all den Jahren immer wieder und gern gekommen. „Mein Bruder Heinz wohnt hier noch, er ist 84", sagt er. Von seinen Klassenkameraden sind in der Stadt nur noch zwei am Leben. Umso mehr freut er sich, wenn seine kleinen Geschichten Resonanz finden. Als er in der LVZ über das Lazarett berichtete, das in den Kriegsjahren im Kurbad eingerichtet war, erhielt er Post aus Borna: „Eine Frau schrieb mir, ihrem Mann hätten die Amerikaner, als sie im Sommer 1945 abzogen, das Kommando über das Haus übergeben, bis die Russen kamen."

Aufgeschrieben hat er seine Erlebnisse ganz bewusst auch für die eigene Familie, zu der zwei Söhne, eine Tochter und sieben Enkel zählen. Gerade auch deshalb, weil, wie er schmunzelnd rückblickt, seine Kinder gern zu sagen pflegten: Ach, Vater, ich weiß schon, damals habt ihr das so und so gemacht... Seine Frau Käte starb vor zwei Jahren. Günter Wagner füllte die Leere, in dem er seine Manuskripte ordnete für eine Buchveröffentlichung. Das Ergebnis macht ihn schon ein bisschen stolz. Und er könnte sich vorstellen, einmal daraus in Bad Lausick zu lesen, etwa in der Veranstaltungsreihe, zu der der Geschichtsverein an den Museumskamin einlädt. „Das Museum habe ich mir schon angesehen. Es ist sehr schön", sagt Wagner. Und kommt auf das Schreibwarengeschäft zu sprechen, das sich einst in diesem Haus befand. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Ekkehard Schulreich

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