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Geithain Ritterschlag: Lausicker Firma verglast Frankfurts DomRömer
Region Geithain Ritterschlag: Lausicker Firma verglast Frankfurts DomRömer
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16:56 21.10.2016
Monteur René Mielczarek bei der Zusatzprofilmontage in der Produktionshalle der Bad Lausicker Firma PaX Classic, die Fenster und Türen für historische Bauten (kleines Foto) im Frankfurter DomRömer fertigt. Quelle: Foto: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick

Prachtvolle Patrizierhäuser, stimmungsvolle Plätze, ein Netz schmaler Gassen prägte das Zentrum der Main-Metropole Frankfurt, bis die historische Innenstadt im Zweiten Weltkrieg durch Bomben schwere Zerstörungen erlitt. Bis 2018 soll ein 7000 Quadratmeter großes Quartier zwischen Dom und Römer wiederaufgebaut werden. 20 der 35 Häuser entstehen neu – nicht nur in der architektonischen Anmutung von einst, sondern als Kopien, die den verlorenen Originalen sehr nahe kommen sollen. Mit der Bad Lausicker Firma PaX Classic ist ein Unternehmen involviert, das seit über zwei Jahrzehnten überwiegend für Baudenkmale Fenster und Türen fertigt und über fundierte Erfahrungen verfügt. Am städtebaulichen Projekt DomRömer mitwirken zu können, betrachtet Geschäftsführer Uwe Schneider als Ritterschlag. Zwei Schwerpunkte für die Kurstädter sind die reich verzierten Fachwerkgebäude Goldene Waage und Hof zum Rebstock, deren Baugeschichte in das 16. Jahrhundert zurück reicht. Die Waage unmittelbar neben dem Dom galt mit seinen reichen Schnitzereien einst als das prunkvollste. Der Rebstock seinerseits, etwas jünger, beherbergte eine der bekanntesten Frankfurter Gaststätten.

„Das Außergewöhnliche ist: Die Fenster sollen tatsächlich dem Original entsprechen. Sie müssen aber ebenso der aktuellen Energieeinspar-Verordnung Rechnung tragen, Passivhaus-Qualität besitzen und einbruchhemmend sein“, beschreibt Schneider die Komplexität der Herausforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine präzisen Unterlagen gibt, lediglich alte Pläne, Grundrisse, ein paar Fotografien und Ansichtskarten. Vor dem eigentlichen Fensterbau stand deshalb über Monate das Recherchieren, das Entwerfen, Nachempfinden, Präzisieren. Gemeinsam mit den renommierten Architekturbüro Jourdan, federführend beim Neuaufbau des Quartiers, habe man die Fenster und Türen für einige der zu rekonstruierenden Gebäude entworfen.

Seit dem Frühjahr werden in der Produktionshalle auf dem Gewerbegebiet Angerwiesen neben dem Denkmalschutz-affinen Tagesgeschäft Kastenfenster und Türen aus Eichenholz für Frankfurt geschnitten, zusammengefügt, verglast – zum Teil mit Bleifassungen – mit neohistorischen Beschlägen versehen und nach Hessen transportiert. Der Zuschnitt erfolgt mit computergesteuerter Technik. Die Montage aber erfordert handwerkliches Geschick. Um den Einbau kümmert sich das Unternehmen Kramp & Kramp, das über ein halbes Jahrhundert Berufserfahrungen verfügt. Voraussichtlich im März 2017 liefern die Bad Lausicker die letzten Bauteile aus. Derweil füllt sich das Baugebiet in Frankfurt. 30 Geschäfte und 80 Wohnungen entstehen. Letztere wurden aufgrund der hohen Nachfrage unter den Interessenten verlost.

„Wir haben nach einem Auftrag gesucht, der die hervorragenden Fähigkeiten unserer Mitarbeiter in besonderer Weise fordert“, sagt Uwe Schneider. DomRömer sei da ganz nach dem Geschmack der Bad Lausicker, die unter anderem an der Restaurierung des barocken Gohliser Schlösschens und von Handels- und Bürgerhäusern in Leipzig mitwirkten und die 2014 eine Goldmedaille für ihre herausragenden Leistungen in der Denkmalpflege erhielten. 84 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb, Tendenz kontinuierlich steigend, denn: „Es werden immer mehr Aufträge.“ Aktuell etwa geht es gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege um das Schloss Nossen – das Gros der Fenster und Türen aber wird nach Süd- und Westdeutschland geliefert. PaX Classic ist Teil eines auf Fenster und Türen spezialisierten Firmenverbundes. Produktionsstätten gibt es unter anderem in Franken, Thüringen und Hessen. Neben der Produktion verliert man in Bad Lausick die Ausbildung junger Fachleute nicht aus dem Blick. Zurzeit lernen hier acht Holzmechaniker.

Von Ekkehard Schulreich

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