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Geithain Bad Lausicker Ordnungsamt: Knöllchen vor Kita und Schulen erregen die Gemüter
Region Geithain Bad Lausicker Ordnungsamt: Knöllchen vor Kita und Schulen erregen die Gemüter
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13:55 11.03.2018
Die Straße des Friedens in Otterwisch ist im kompletten Bereich vor der Kindertagesstätte „Sonnenschein“ mit Parkverbot ausgeschildert. Quelle: Thomas Kube
Bad Lausick/Otterwisch

Kürzlich hat es Grit Pretzsch erwischt: Während sie ihr Kind in die Otterwischer Kindertagesstätte „Sonnenschein“ hineinbrachte, steckten Mitarbeiterinnen des Bad Lausicker Ordnungsamtes ein Knöllchen an ihr Auto. Die junge Mutter hatte es für wenige Minuten im Halteverbot vor der Einrichtung abgestellt. Zahlen zu müssen, empfindet sie als unangemessen. Es fehlten Möglichkeiten für die Eltern, ihre Autos kurz legal abzustellen. Ärger gab es in den Tagen vor den Winterferien ebenso im Bereich der Bad Lausicker Grundschule. Auch hier wurden Falschparker abgestraft. Nach den Winterferien planen die Oberschule Bad Lausick und ihr Schulförderverein, gemeinsam mit dem Ordnungsamt für mehr Sicherheit in der Frohburger Straße zu sorgen. Ganz offenkundig gehen die Meinungen auseinander: Was die einen als angemessene Antwort auf Rücksichtslosigkeit und Verkehrsgefährdung betrachten, empfinden andere als Abzocke und Schikane.

„Wir können unsere beiden Kinder ja nicht einfach an der Tür abgeben. Wir müssen mit rein, helfen beim Ausziehen, bringen sie zu ihren Erzieherinnen. Wir sind eingespielt, doch trotzdem vergehen da einige Minuten“, sagen Grit Pretzsch und ihr Partner Steve Walter, die in Lauterbach zu Hause sind. Das Halteverbot in der Straße des Friedens sei kontraproduktiv, denn es gebe lediglich drei Parkplätze: „Und wenn die Politessen da sind, sind es nur noch zwei.“ 15 Euro kostet die Familie der Regelverstoß vom Monatsbeginn. Es treffe andere Eltern ebenso, die ebenso verärgert reagierten. Auf das Halteverbot zu verzichten, würde die Lage entspannen, so der Tenor.

Das sieht Matthias Kauerauf grundsätzlich anders. „Ich weiß, dass sich Eltern wiederholt beschweren“, sagt der parteilose Otterwischer Bürgermeister. „Wir haben das Verbot bewusst erlassen, damit hier keine Autos stehen. Wir wollen die Gefährdung der Kinder ausschließen.“ 20 Meter weiter sei das Parken erlaubt, in der Bahnhofstraße um die Ecke ohnehin. „Aber es gibt Eltern, die wollen bis in die Einrichtung reinfahren.“

Falk Noack liegt mit der Stadt im Streit, was Knöllchen für Verstöße im Bereich der Bad Lausicker Grundschule betrifft. Da sich sein Sohn im Hort aufgrund eines Unfalls das Bein brach, habe er ihn – den passionierten Schulbus-Nutzer – in den vergangenen Wochen zur Schule bringen und ihn abholen müssen. „Mir wird vorgeworfen, in der Feuerwehreinfahrt geparkt zu haben. Das habe ich aber nicht“, sagt der Beuchaer. Die Politessen hätten nicht nur ihn, sondern auch andere Eltern zur Kasse gebeten. Dass die Zahl der Parkplätze nicht reiche, sei ein Versäumnis der Stadt, meint er: „Die Verkehrssituation ist ein Irrsinn. Das begründet jedoch nicht, Eltern, die keine andere Wahl haben, abzuzocken.“

„Die Spielregeln müssen eingehalten werden. Die Situation ist sicher schwierig, weil sich Autos und Kinder die schmale Straße teilen müssen. Alle sollten eine kühlen Kopf bewahren – im Sinne der Kinder“, sagt Schulleiterin Birgit Geuther. Das unterstreicht Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos): Dass kontrolliert werde, fänden viele in Ordnung. Die Stadt wolle vor den Sommerferien acht, neun zusätzliche Parkplätze gegenüber der Schule kurz vor der Sporthalle bauen. Damit entschärfe man aber nicht das Nadelöhr der Zufahrt. Für Eltern, die ihre Sprösslinge in die benachbarte Kita „Phantasie am Schwanenteich“ brächten, schaffe man im nächsten Jahr im Zuge des Ausbaus von Linden-, Tal- und Auenstraße zusätzliche Parkplätze. An der Schule werde die Stadt nach den Ferien ihre mobile Tempoanzeige aufstellen: „Dann sieht jeder, was im verkehrsberuhigten Bereich erlaubt ist.“

„Die einen sagen zu uns, ihr müsst endlich was machen. Die anderen werfen uns genau das vor“, beschreibt Ordnungsamtschef Christian Weinert den Zwiespalt. Es gebe vor Schulen und Kindereinrichtungen viele Eltern, die sich vernünftig verhielten, „aber auch das krasse Gegenteil“. Man habe für mehr Sicherheit zu sorgen, und das mache man: „Besonderen Spaß macht das nicht, dort zu stehen. Wir haben auch andere Dinge zu tun.“

Von Ekkehard Schulreich

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