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Geithain Bad Lausicker Pfarrer geht, um Superintendent zu werden
Region Geithain Bad Lausicker Pfarrer geht, um Superintendent zu werden
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11:31 21.05.2010
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Bad Lausick

Im LVZ-Gespräch versucht der 55-Jährige eine Bilanz seiner Bad Lausicker Jahre.

Frage: In der Einladung zum Abschiedsgottesdienst wird der Schriftsteller Arthur Schnitzler zitiert: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn er mit einem Neuanfang verbunden ist.“ Trifft das Ihre Stimmung?

Arnold Liebers: In der Tat. Ich alter Spötter hätte gedacht, dass mir der Abschied leichterfällt. Es ist schon ein Schritt, mit 55 noch einmal neu zu beginnen.

Was nehmen Sie mit, wenn Sie gehen? Was bleibt?

Meine Frau kommt mit, das ist mir sehr wichtig. Die schöne Kilianskirche bleibt. Im Ernst: Ich habe, wir haben in den neun Bad Lausicker Jahren eine erhebliche Reihe von ausgesprochen angenehmen Menschen kennengelernt. Mit ihnen zusammenzuleben und zusammenzuarbeiten tat gut. Ein Umzug ist schon deshalb schwer, weil ich so viele Bücher habe...

... obwohl Sie weniger zum Bücherlesen kommen, seit Sie online sind.

Bis vor drei Jahren hab ich mich dem Computer verweigert, habe mir immer gute Füller gekauft. Doch dann habe ich mich mit der Technik und dem Internet angefreundet. Das geht leider ein bisschen zu Lasten der Fachbücher.

Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Erfahrungen, das klingt so pathetisch. 28 Jahre bin ich jetzt Pfarrer, ein Drittel dieser Zeit in Bad Lausick. Eine wertvolle Zeit, in der vieles gelang, in der ich selbst insgesamt etwas ruhiger wurde. Das sind Jahre, die mich keinesfalls hoffnungslos, in manchen Dingen aber illusionslos gemacht haben. Ich halte es da mit Helmut Schmidt, der Leuten mit Visionen einen Arztbesuch empfahl.

Weisheit des Alterns oder bloße Ernüchterung?

Es ist für mich keine Frage, dass christlicher Glaube nötiger denn je ist. Das wird mir immer klarer: Er ist ein Angebot für einen Halt im Leben, den man sich nicht selber geben kann. Die Kirche als Institution ist für mich der beste Gottesbeweis. Man tut gut daran, Inhalte des christlichen Glaubens nicht mit Strukturen gleichzusetzen. Aber um auf Bad Lausick zurückzukommen: Die Restaurierung unserer Kilianskirche und das 900-jährige Jubiläum haben bei mir tiefen Eindruck hinterlassen.

Die Foyergespräche, die längst ein Stammpublikum haben, versuchten Kirche, Kultur und Gesellschaft zu verbinden. Mit Erfolg?

Es gibt viele redliche Menschen, die differenzieren können, die trotz Singens aus unterschiedlichen Gesangsbüchern einen toleranten und niveauvollen Umgang mit anderen pflegen. Und die als Multiplikatoren in die Gesellschaft wirken. Manche von ihnen haben wir mit diesen Gesprächen erreicht.

Werden sie fortgesetzt?

Im Oktober beginnt die nächste Staffel. Sie ist überschrieben mit Nachdenken über Grundfragen des Lebens. Federführend betreut wird sie von meinem katholischen Amtsbruder und Freund Gregor Hansel.

Kurstadt und Kirche, welche Schnittstellen gibt es?

Gemessen an dem relativ säkularisierten Bad Lausicker Umfeld haben wir einen guten Gottesdienst-Besuch. Partiell kommen Kurgäste hinzu. Seelsorgerisch ist hier mehr möglich.

Landesbischof Jochen Bohl führt sie am 20. Juni in Leisnig als Superintendent ein. Was macht Sie für dieses Amt geeignet?

So richtig weiß ich das auch nicht. Vertreter des Kirchenbezirkes und das Regionalkirchenamt haben mich angesprochen. Sie werden ihre Gründe haben. Gewiss spielen meine Berufsjahre eine Rolle, eine Zeitlang war ich Stellvertreter von Superintendent Matthias Weißmann. Zehn Jahre hatte ich den Vorsitz inne im Kuratorium Ländlicher Raum. Und nicht zuletzt wird mir nicht eben Schüchternheit nachgesagt samt allerhand Humor. Das ist, wie ich aus Bad Lausick weiß, nicht von Nachteil.

Ekkehard Schulreich

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