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Bad Lausicker Unternehmer fordert mehr Wertschätzung für die Feuerwehr

Feuerwehr Bad Lausicker Unternehmer fordert mehr Wertschätzung für die Feuerwehr

Wenn die Feuerwehr bei einem Brand oder Verkehrsunfall helfen soll, müssen die Ehrenamtlichen vor Ort sein. Doch das ist immer seltener der Fall. Unternehmer André Trautner entwickelte deshalb neue Ideen, um die Einsatzbereitschaft besser zu sichern. Was er erreichte, sind kleine Erfolge. Der große Wurf aber steht aus.

Die Feuerwehr ist auf der Suche nach Freiwilligen.

Quelle: dpa

Bad Lausick. „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“ – ein Szenario, ein Slogan, mit dem der Bad Lausicker Unternehmer André Trautner vor mehr als einem halben Jahrzehnt auf einen gravierenden Missstand hinwies. Er wollte Verbündete in der Wirtschaft, in der Bürgerschaft, auf den verschiedenen Ebenen der Politik formieren. Seine Initiative wurde bundesweit aufgegriffen. Sie lenkte den Fokus lenkte auf ein Personalproblem – das zu lösen seither nicht grundsätzlich gelang. „Da hast das Gefühl, du trittst auf der Stelle“, zieht Trautner eine vorläufige Bilanz. Das Potenzial, zusätzliche Feuerwehrfrauen und -männer etwa durch Doppelmitgliedschaften und gezielte Einstellung in Betrieben vor Ort zu gewinnen, sei offenbar ausgeschöpft. Trautner sieht deshalb größere Chancen darin, Kinder und Jugendliche kontinuierlich an die Arbeit der Feuerwehr heranzuführen. Namentlich in Bad Lausick und einigen Ortswehren sei man da gut aufgestellt.

„Diese Initiative hat sich positiv ausgewirkt, auch wenn sie nur Einzelne erreichte“, sagt der Bad Lausicker Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos). Manche Unternehmen hätten bei Einstellungen durchaus das Engagement in der Feuerwehr im Blick; auch die Stadt lege den Fokus darauf, wenn es zum Beispiel um Personal für den Bauhof gehe. „Ich kann das nicht zur Bedingung machen, aber eine Rolle spielt esl, und so werden wir auch in den nächsten Jahren verfahren.“ Die Tagesbereitschaft der Einsatzkräfte zu sichern, sei ein entscheidendes Thema, und es werde weiter an Gewicht gewinnen.

„Die Initiative hat nicht den Effekt gebracht, den wir uns wünschten“, zieht Stadtwehrleiter Tim Barczynski eine eher ernüchternde Bilanz. „Die Anzahl der Kameraden ist nur unmerklich gestiegen. Alle Neueinstellungen aber gingen im Feuerwehr-Sinn positiv aus. Und das hilft schon am Tag.“ Der Wunsch, sich für andere zu engagieren, müsse in die Köpfe. Das zu erreichen, sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, sei das Gegenstück zu Ellenbogen-Gesellschaft und bloßer Ich-Bezogenheit. Die Kinder- und Jugendarbeit zu fördern, sei zweifelsohne unverzichtbar. „Die Zukunft einer Wehr nur an der Jugend festzumachen, halte ich für nicht richtig.“ Nicht nur, weil heute kaum absehbar sei, wo die Heranwachsenden ihren künftigen Lebensmittelpunkt fänden. Vor allem Menschen „im gesunden Mittelalter“, mit Familie und Auskommen in der Stadt und den Ortsteilen, müssten das Rückgrat der Wehren prägen. Daran zu arbeiten, komme man nicht umhin.

„Sensibilisieren, ohne Panik zu machen“, darauf komme es an, sagt André Trautner. Vorschläge der Initiative hätten durchaus Eingang gefunden in politisches Handeln, etwa in das sächsische Landeskonzept Feuerwehr 2020: Doppelmitgliedschaften in Wehren am Wohn- wie am Arbeitsort; die Forderung, die im Beruf stehenden Ehrenamtlichen nach Abschluss eines Einsatzes unverzüglich zurückzuschicken; die Etablierung einer Feuerwehr-Rente, die dieses Engagement zählbar würdigt. „Eine solche Rente ist für einen 30-Jährigen aber nicht der ausschlaggebende Grund, sich aufzuraffen.“ Es müssten darüber hinaus andere Formen der Wertschätzung gefunden werden.

Trautner, dessen Unternehmen rotstahl GmbH unter anderem Spinde für Feuerwehren produziert und der auf diese Weise mit dem Thema enger in Berührung kam, lobt 2018 einen zweiten Innovationswettbewerb für Jugendfeuerwehren aus. Hauptpreis könnte die Ausstattung einer Jugendwehr mit jenen Schränken für die Einsatzbekleidung sein, die das Unternehmen jetzt speziell für den Feuerwehr-Nachwuchs entwickelte. Bei seinem Sohn Tim Lukas (10) habe er beobachtet, dass er und die anderen Heranwachsenden die Fächer der im Bad Lausicker Depot aufgestellten Metallspinde nicht erreichen könne. Fazit: Seit Kurzem wird der Schrank für die Großen eine Nummer kleiner in Serie produziert – im Blau der Uniformen mit orangefarbenem Fach, das der Farbe der Helme entspricht.

Von Ekkehard Schulreich

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