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Bad Lausicker Zulieferer arbeitet für die Großen der Autobranche

Bad Lausicker Zulieferer arbeitet für die Großen der Autobranche

Drei Schichten, rollende Woche: Die MWK Kunze GmbH hat gut zu tun. Die deutsche Automobil-Industrie, die durch das Bad Lausicker Unternehmen beliefert wird, ist längst heraus aus dem Tal, in das sie 2008 geraten war.

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Blick in die Fahrzeugteil-Produktion in Bad Lausick.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick. Wolfgang Kunze hat allen Grund, zuversichtlich zu sein. Doch er weiß, der globale Markt ist anfällig: „Die Krise steckt allen noch in den Knochen."

„Dass wir uns vor vier Jahren in Bad Lausick niederließen, war die richtige Entscheidung. Sonst gäbe es uns nicht mehr", sagt Wolfgang Kunze. Der Abschied aus Otterwisch sei dem Familienbetrieb mit ein Jahrhundert zurückreichenden Wurzeln nicht leicht gefallen, doch er habe Raum gebraucht, um sich zu entwickeln. Den fand er gegenüber des Bad Lausicker Bahnhofs auf einem Areal, das nicht lange zuvor ein Energieversorger mit modernen Hallen und Lagerkapazitäten ausgestattet hatte. Seit 2007 wuchs der Mitarbeiterstamm von 25 auf aktuell 41 Köpfe. Im Jahr darauf, als die Fahrzeugbauer weltweit in einen Strudel gerieten, konnte sich das Unternehmen, das sich auf die Zulieferung von Komponenten für PKW und schwere Laster spezialisiert hat, behaupten, wenn auch mit Einschnitten. Doch die seien längst ausgeglichen, sagt Kunze: Weil einige Wettbewerber das nicht schafften, sei das Feld für die Bad Lausicker sogar gewachsen.

Der 60-jährige Firmenchef, der den blauen Arbeitskittel trägt, auch wenn er in seinem Büro hinter dem Schreibtisch sitzt, stellt das fest ohne Genugtuung. Er weiß, dass diese Krise, die vielmehr ein Absturz war, die letzte nicht gewesen sein wird. „Im Moment haben wir sehr gut zu tun. Aber wir haben es ja erfahren müssen: In wenigen Wochen kann das ganz anders aussehen." Kann sich der Mittelstand wappnen gegen eine einbrechende Konjunktur? Kunze stellt nüchtern fest: „Niemand kann das. Das ist das unternehmerische Risiko."

MWK ist ein Rädchen in einer ausgeklügelten, länderübergreifenden Produktionskette der großen deutschen Autobauer. Vom Abgaskrümmer für Audi bis zum Turboladergehäuse werden Komponenten in Bad Lausick gefertigt. Von hier aus gehen sie auf direktem Weg in das Audi-Werk im ungarischen Györ, werden, in Übersee-Kisten verpackt, nach Großbritannien und Brasilien verschifft. Zum Stamm der Abnehmer zählen seit Jahren auch Lastwagen-Bauer wie MAN und Daimler-Benz. „Die großen Auftraggeber bestimmen mit ihrem Auftragsvolumen unsere Produktion", sagt Wolfgang Kunze. Das erfordere nicht nur ein hohes Maß an Flexibilität, sondern vor allem auch an Qualität, denn der Betrieb sei eingebunden in ein detailreiches Managementsystem, regelmäßige Zertifizierungen inklusive. Neben dem Fahrzeugteilen produziert das Unternehmen Maschinenteile vor allem für die polygrafische Industrie. Das erweitere das Profil, sagt Kunze, sei aber ein Projektgeschäft: Habe man eine neue Druckerei ausgerüstet, schließe sich meist nicht gleich ein zweiter solcher Auftrag an.

Den produzierenden deutschen Mittelstand, der ja das Gros der Arbeitsplätze im Land erhalte, sieht Wolfgang Kunze von der Politik nur unzureichend vertreten. Statt einen verlässlichen Rahmen für wirtschaftliches und etwas krisengeschützteres Wachstum zu schaffen, bürde sie den Firmen immer Neues auf. „Wir müssen den Kopf für vieles hinhalten, was wir nicht zu verantworten haben", sagt Kunze und folgert: „Irgendwann ist die Schraube überdreht." Das werde in den nächsten Jahren gerade im Osten deutlich, wenn viele jener Unternehmer, die, damals um die 40, in der Nachwende-Zeit durchstarteten, sich nun zur Ruhe setzen. Und zweifeln, ob sie Junge finden, die bereit sind, in ihre Fußstapfen zu treten. Für sein Unternehmen stelle sich die Frage nicht, sagt Kunze: Seine Tochter Ina Kunze, Maschinenbaumeisterin, ist längst im Unternehmen integriert, leitet heute Einkauf und Personalplanung wird später übernehmen. In vier, fünf Jahren vielleicht, sagt Wolfgang Kunze: „Bis dahin mache ich auf jeden Fall."

Ekkehard Schulreich

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