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Bad Lausickerin besteht in Männer-Domäne, Kohrenerin sorgt für seelische Balance

Gründerinnen Bad Lausickerin besteht in Männer-Domäne, Kohrenerin sorgt für seelische Balance

Sandy Lehmann aus Bad Lausick leitet ein Unternehmen des Handwerks mit 185 Mitarbeitern. Grit Kuhnitzsch aus Kohren-Sahlis bringt in ihrem Balancehaus Menschen zurück ins Gleichgewicht. Beide Frauen gehören zu jenen 47 aus ganz Sachsen, die für den Gründerinnen-Preis nominiert waren. Sandy Lehmann erhielt den zweiten Preis.

Sandy Lehmann in einem großen Notstromaggregate-Wagen. Die Notstromversorgung ist ein Geschäftsfeld, das das Bad Lausicker Unternehmen weit über Deutschland hinaus beackert.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick/Kohren-Sahlis. Der plötzliche Tod ihres Vaters Gerd Lehmann, Unternehmer-Urgestein und als Inhaber eines Elektrounternehmens einer der großen Arbeitgeber in Bad Lausick, mit 61 stellte Sandy Lehmann 2012 vor eine schwere Entscheidung: Soll sie die Firma von einem Tag auf den anderen selbst weiterführen? Ein Oder, sagt die 41-Jährige, sei für sie gar nicht in Betracht gekommen: „Wir hatten unseren Platz in der Region, hatten langjährige Erfahrungen, waren Arbeitgeber für 200 Mitarbeiter.“ Sandy Lehmann stellte sich der Verantwortung. Viereinhalb Jahre später zeigt sich vor allem das: Kontinuität. Für Petra Köpping (SPD), Sachsens Ministerin für Gleichstellung und Integration, ein hervorragender Grund, die Unternehmerin auszuzeichnen – mit dem zweiten Preis im Gründerinnen-Wettbewerb, an dem sich mit 47 Bewerberinnen so viele bewarben wie noch nie.

„Den Grundstein hat mein Vater gelegt. Deshalb ist es auch ein Stück sein Preis“, sagt Sandy Lehmann: „Vor allem aber ist er ein ganz großer Dank an alle Mitarbeiter, die ausnahmslos mitgezogen haben.“ Der Gründerinnen-Preis sei die Bestätigung dafür, sich richtig entschieden zu haben. Eine offizielle und öffentliche Anerkennung tue gut; „ich wurde von vielen Seiten darauf angesprochen“. Vorgeschlagen hatte die Unternehmerin mit der Sparkasse Muldental eine der Hausbanken.

Dass die zierliche Frau, Projektleiterin im väterlichen Unternehmen, den Betrieb eines Tages übernehmen würde, sei klar gewesen – allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Eine so große, in der Region verankerte und deutschlandweit tätige Firma zu führen, „war komplettes Neuland für mich“. Doch es gelang ihr, sich einzufuchsen. Mit ihrem Lebensgefährten, dem Betriebsleiter Steffen Richter, hat sie zudem einen versierten Mann zur Seite. „Wir konnten unser Profil wahren und die Qualität. Deshalb gab es wirtschaftlich keinen Abbruch“, sagt Lehmann mit Blick auf die Sparten Energie- und Gebäudetechnik, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Notstromanlagen, mobile Stromversorgung und Maschinen-Mietpark. Vor allem der Bereich Notstrom habe seither sogar zugelegt; 2017 wird für diese Abteilung in Bad Lausick eine neue Halle errichtet.

„Eine ganz große Aufgabe ist es für mich, dass wir Nachwuchs ausbilden“, sagt Lehmann. Damit gelinge es, altersbedingte Abgänge zu kompensieren. Anfang Februar habe man drei junge Leute frisch als Gesellen übernommen. „Sie hatten ihre Ausbildung erfolgreich beendet, einer sogar mit Sehr gut.“ Dass die Handwerkskammer zu Leipzig den Bad Lausicker Mittelständler im vergangenen Herbst auszeichnete als „Bewährten Ausbildungsbetrieb des Handwerks“, passt in dieses Bild. Im nächsten Jahr steht ein Jubiläum ins Haus, hatte Elektromeister Gerd Lehmann den Betrieb doch 1978 gegründet und ihn nach der Wende zu heutiger Größe aufgebaut.

„Großes unternehmerisches Engagement und ihren Mut, eine Existenzgründung zu wagen“, bescheinigte Petra Köpping den Frauen Sachsens bei der Auszeichnungsveranstaltung in Dresden. Beides zu unterstützen und ins Blickfeld zu rücken, sei Anliegen des Gründerinnen-Preises. Sie wolle sich stärker noch als bisher für die Existenzgründung von Frauen einsetzen. Die Ministerin verwies auf eine Förderrichtlinie „Chancengleichheit“, von der vor allem Frauen im ländlichen Raum profitieren sollten. 40 Anträge seien für das laufende Jahr bereits eingegangen.

„In der Mitte des Lebens noch einmal etwas ganz Neues beginnen, völlig neue Wege gehen, die Last eines Kredits aufnehmen“, das, blickt Grit Kuhnitzsch zurück, sei durchaus ambitioniert gewesen. Ein baufälliges Fachwerkhaus in Kohren-Sahlis verwandelte die Frau, die zuvor in den Kindergärten Ossa und Narsdorf als Erzieherin gearbeitet hatte, in ein Balancehaus – „in einen Ort, an dem man die Balance im Leben (wieder-) finden kann, zu sich kommen, Kraft tanken, eine Auszeit nehmen“. Die 47-Jährige qualifizierte sich in puncto Kinesiologie, eine ganzheitliche Methode zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden, machte den Abschluss als staatlich anerkannte Entspannungstherapeutin. Seit 2013 gibt es in dem romantischen Bau - mit Weinspalier an der Fassade und Reben im Hanggarten zur Kohrener Burg hin - Mehrtages-Kuren, Fastenzeiten, Angebote für Menschen verschiedenster Berufe, verschiedensten Alters, verschiedenster Disproportionen.

Häufig kämen zum Beispiel beruflich besonders stark eingespannte Menschen aus ganz Sachsen und aus Thüringen in das Haus mit den kleinen, historisch möblierten Zimmern mit niedriger Balkendecke und mit dem Großmutter-Herd in der Küche, um sich aus der Zeit fallen zu lassen, sagt Kuhnitzsch: „Um offline zu sein – ohne Fernseher, ohne Radio, ohne Handy.“ Dafür mit Gesprächen, mit Ruhe, mit Aktivitäten, die dem Rechnung trügen. Die Auslobung des Gründerinnen-Preises empfindet sie als eine hervorragende Sache: „Dabei zu sein, das ist für mich eine wirkliche Bestätigung.“ Nicht nur für sie, auch für ihre Familie, auf die sie sich nicht nur bei der Sanierung des mehrere hundert Jahre alten Gebäudes stützen konnte.

„Es ist besser, mehr Zeit für den Erhalt der Gesundheit einzusetzen als für die Behandlung von Krankheiten“, sagt Grit Kuhnitzsch, die auch über Kohren-Sahlis hinaus als Referentin aktiv ist, Gesundheitsseminare anbietet. Zu den Events vor Ort gehört seit wenigen Jahren die gemeinsame Lese der Trauben, die hinter dem Haus reifen. 30 Kilogramm habe man im vergangenen Jahr geerntet: „Der Wein ist angesetzt und wartet darauf, abgefüllt zu werden.“

Von Ekkehard Schulreich

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