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Geithain Bahn ignoriert Feuerbrand in Geithainer Hecke
Region Geithain Bahn ignoriert Feuerbrand in Geithainer Hecke
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15:05 25.10.2018
An dieser Hecke, die die Eisenbahnstraße in Geithain vom Bahngelände abgrenzt, wurde vor Monaten Feuerbrand festgestellt. Quelle: Ekkehard Schulreich
Geithain

Ein Brandherd im übertragenen Sinne lodert über Monate mitten in Geithain – doch die Verantwortlichen scheren sich offenbar nicht darum: Um eine Weißdorn-Hecke geht es, die parallel zur Eisenbahnstraße das Bahngelände abgrenzt. Bereits im Juni wurde festgestellt, dass das Gehölz von Feuerbrand befallen ist. Der Feuerbrand, hervorgerufen durch das Bakterium Erwinia amylovora, gilt als eine der gefährlichsten Krankheiten nicht nur des Weißdorns, sondern vor allem des Apfels, der Birne und der Quitte. Die Krankheit ist meldepflichtig. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wurde deshalb prompt informiert. Doch der Sommer verging, und es geschah – nichts.

Ein befallener Weißdornstrauch. Blätter und Äste sterben ab. Quelle: dpa-Zentralbild

Große Gefahr: Bakterium wird in Geithain verbreitet

„Vom Feuerbrand geht eine hohe Gefährdung aus“, sagt Christian Helldrich, der im nahen Niedergräfenhain eine Baumschule betreibt. Durch Insekten und Vögel, aber auch durch vorüberfahrende Autos und Züge werde das Bakterium weitergetragen und könne enorme Schäden in Kleingärten, Landschaft und Landwirtschaft verursachen. „Wenn befallene Pflanzen nicht sofort entfernt werden, breitet sich die Krankheit immer weiter aus“, so Helldrich. In den Sommermonaten, als die Ausbreitungsgefahr akut war, habe die Bahn, auf derem Boden die Hecke wächst, nichts unternommen: „Sie hat das Problem über Monate ignoriert. Das ist für mich unbegreiflich.“ Als 2013 nahe des großen Obstanbaugebietes Süßer See in Sachsen-Anhalt Feuerbrand ausbrach, habe man ganz anders reagiert: sofort und umfassend.

Feuerbrand

Der Feuerbrand, hervorgerufen durch das Bakterium Erwinia amylovora, ist eine der gefährlichsten Krankheiten des Apfels, der Birne und der Quitte.

Auch landschaftsprägende Ziergehölze, vor allem Weißdorn (Crataegus monogyna) und Rotdorn (Crataegus laevigata) sowie einige Sorten und Hybriden der großblättrigen Zwergmispelarten (Cotoneaster) gehören zu den hoch anfälligen Wirtspflanzen des Feuerbrandes.

Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Rodung der Hecke angeordnet

„Die Problematik der befallenen Weißdornhecke ist unserem zuständigen Referat Pflanzengesundheit bekannt. Der Fall wurde im Juni 2018 angezeigt“, bestätigt Karin Bernhardt, Sprecherin der Landesbehörde, der LVZ. Mitarbeiter hätten Proben entnommen und im Labor untersuchen lassen. „Dabei wurde festgestellt, dass es sich um den Quarantäne-Schaderreger Feuerbrand handelt. Dem Eigentümer wurde daraufhin ein Bescheid erteilt, in dem die Rodung der Hecke angeordnet wurde.“

Bernhardt nennt die Deutsche Bahn AG nicht direkt, spricht von einem Großunternehmen: „Dort ist der Bescheid leider lange Zeit unbearbeitet geblieben.“ Warum, wisse sie nicht. Inzwischen habe man nachgestoßen: „Der vom Unternehmen beauftragte Entsorger hat sich mit unserem Referat Pflanzengesundheit zu den Entsorgungsmodalitäten abgestimmt. Der Vollzug der Rodung steht kurz bevor.“

Zögern stößt auf Unverständnis in Geithain

Dass die Verantwortlichen so lange untätig blieben, kann auch der Geithainer Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) nicht nachvollziehen. Die Stadt habe ihrerseits auch auf eine schnelle Beseitigung der Hecke gedrängt. „Wenn andere Bäume und Sträucher befallen werden, kann das für viele zu einem ersten Problem werden.“

Ein Fall für den Katastrophenschutz war besagter Feuerbrand-Ausbruch im Sommer vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt. Sogar ein Katastrophenstab war gebildet worden, wobei die Fläche des befallenen Weißdorn-Gesträuchs um ein zig-Faches höher war. Bei der Rodung vieler Hektar Weißdornverhau leisteten sogar 100 Forstleute Unterstützung, um eine Ausbreitung der Infektion auf die nahen Obstplantagen zu verhindern. Feuerbrand trat in jenem Sommer auch nahe Grimma, auf dem einstigen Truppenübungsgelände am Rumberg, auf.

Gestern Vormittag war in der Geithainer Eisenbahnstraße von einer Rodung der Hecke noch nichts zu sehen. Die Deutsche Bahn äußerte sich auf LVZ-Anfrage bislang nicht zu dem Fall.

Von Ekkehard Schulreich

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