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Baufirmen sollen mehr Müll sortieren – und kritisieren: „Das ist nicht durchführbar“

Neue Verordnung Baufirmen sollen mehr Müll sortieren – und kritisieren: „Das ist nicht durchführbar“

Deutschland ist Weltmeister bei der Müllproduktion – aber auch bei der Mülltrennung. Die neue Gewerbeabfallverordnung macht dies deutlich: Vor allem Baufirmen sollen noch stärker ihren Abfall sortieren. Das stößt auf Kritik.

Berge von Bauschutt und diverser Materialien fallen beim Abriss alter Häuser an. Der Müll soll von den Baufirmen jetzt noch mehr sortiert werden: Zehn Container sollen dafür auf der Baustelle stehen.

Quelle: dpa-Zentralbild

Landkreis Leipzig. Eine neue Verordnung sorgt für Diskussion und Kritik: Seit Anfang dieses Monats sollen Gewerbetreibende ihren Müll noch strenger trennen. Neu für Baufirmen ist zum Beispiel, dass sie jetzt Beton, Ziegel sowie Fliesen und Keramik in drei „mineralische Abfallfraktionen“ sortieren müssen. Neu ist außerdem für alle Unternehmen, dass direkt an der „Anfallstelle“, also oft vor Ort an der Baustelle, der Abfall zu trennen ist – in zehn verschiedenen Containern. Eine wesentliche Änderung für die Praxis ist jedoch bürokratischer Natur: Die Unternehmen müssen eine umfassende Dokumentation erstellen, wie viel Müll sie wann und in welcher Form entsorgen. Der Gesetzgeber will damit erreichen, dass mehr recycelt und weniger Abfall verbrannt oder deponiert wird.

„Das ist doch alles nicht durchführbar! Wie viele Container sollen denn noch auf den Hof oder auf die Baustelle?!“, schimpft Wolfgang Hahn und kann bei der ganzen Sache nur den Kopf schütteln. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Baugeschäftes aus Grimma mit neun Mitarbeitern ist stellvertretender Obermeister der Bauinnung Muldentalkreis und kritisiert die Verordnung: „Das wurde nicht bis zu Ende durchdacht.“ Seiner Meinung nach ist die bisherige Vorgehensweise „völlig ausreichend, wir trennen doch schon Dachpappe, Teer, Beton, Bauschutt und, und, und“. Das sei logistisch aufwendig, solch ein Container werde ja auch nicht an einem Tag voll. Die geforderte Dokumentation bringt ihn richtig auf die Palme. „Das ist so aufwendig! Da muss ich ja noch jemanden einstellen.“

Das koste eine Menge Geld, was letztlich wieder auf den Kunden umgelegt werden müsse. Alles in allem findet der Unternehmer die Verordnung „völlig überzogen“.

Damit steht er nicht allein. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) spricht von einem „bürokratischen Monster“. Vom Badumbau bis hin zum Großbauvorhaben würden Unternehmen verpflichtet, den Umgang mit den Bau- und Abbruchabfällen zu dokumentieren. So sollen Lagepläne, eine Fotodokumentation und Lieferscheine den Behörden auf Verlangen vorgelegt werden. Dadurch würden laut ZDB Kosten von mehr als 100 Millionen Euro jährlich entstehen. Auch seien zehn verschiedene Abfalltonnen auf Baustellen unverhältnismäßig. Kritik kommt ebenfalls vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, vor allem was die Dokumentationspflichten betrifft.

„Den bürokratischen Aufwand hätte man vermeiden können“, meint auch der hiesige Kreishandwerksmeister Jens Hennig, Geschäftsführer des gleichnamigen Backhauses in Zwenkau. Nicht nur was diese Verordnung betrifft, generell würde die Bürokratie in Firmen immer mehr zunehmen – und Geld kosten. Dieses würde er lieber seinen Bäckern, Verkäuferinnen und Fahrern in die Lohntüte stecken.

Den eigentlichen Ansatz der neuen Verordnung – nämlich Müll stärker zu recyceln – hält er für gut und sinnvoll. Eine aufwendige Trennung werde in seinem großen Unternehmen mit vielen Filialen in Leipzig, im Landkreis und darüber hinaus schon lange realisiert. „Das ist in unserem ureigensten Interesse, da kriegen wir Geld dafür“, so der Chef. Er sei generell ein großer Verfechter der Mülltrennung. Es würden davon solche Mengen produziert, „irgendwann wissen wir gar nicht mehr, wohin damit“. Deshalb gehe es darum, Müll zu vermeiden, indem Rohstoffe recycelt werden. „Es gibt hier noch viel Potenzial für Einsparungen.“

Allerdings – und auch das sieht der Kreishandwerksmeister kritisch – sei es vor allem für kleinere Firmen durchaus schwierig, sich so viele Container hinzustellen, um den Anforderungen der neuen Verordnung gerecht zu werden. Nur die Unternehmen, die „geringe Mengen“, das heißt weniger als 50 Kilogramm pro „Abfallfraktion“ produzieren, müssen dies nicht extra sortieren.

Hintergrund: Müll in Deutschland

produziert Deutschland jährlich:

Bau- und Abbruchabfällen kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu, so das Umweltbundesamt. Dieser Müll macht etwa die Hälfte des Abfallaufkommens aus. Hintergrund der neuen Gewerbeabfallordnung ist, noch mehr Müll zu trennen und anschließend zu recyceln. Beim Kreislaufwirtschaftsgesetz gehe es um eine fünfstufige Abfallhierarchie: Danach sind erstens Abfälle vorrangig zu vermeiden, in zweiter Stufe möglichst wiederzuverwenden oder drittens zu recyceln. Wenn dies nicht möglich ist, geht es darum, sie wenigstens einer energetischen Verwertung zuzuführen und erst letztlich zu entsorgen.

Gewerbeabfäl le

: Nach den Bauabfällen ist diese Kategorie die bedeutendste Abfallgruppe.

Bergbauabfälle machen rund acht Prozent des Abfallaufkommens aus. Sie stammen überwiegend aus dem Steinkohlebergbau. Lediglich zwei Prozent davon können verwertet werden.

Haushaltstypische Siedlungsabfälle – pro Einwohner sind das jährlich über 500 Kilogramm, bei steigender Tendenz. Gleichzeitig steigt der verwertete Anteil. Wurden im Jahr 2000 nur etwa 51 Prozent verwertet, waren es 2015 bereits 91 Prozent.

Die öffentliche Müllabfuhr sammelt Restabfälle und Sperrmüll ein – jährlich rund 188 Kilogramm pro Einwohner. Die übrigen getrennt eingesammelten Abfälle – aus der Biotonne, Garten- und Parkabfälle sowie Wertstoffe und andere getrennt gesammelte Fraktionen – machen jährlich 265 Kilogramm pro Einwohner aus. Diese Abfälle werden zu nahezu 100 Prozent verwertet.

Von Claudia Carell

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