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Geithain Benndorfs 500 Jahre alter Marienaltar steht ab Ostern wieder im Mittelpunkt
Region Geithain Benndorfs 500 Jahre alter Marienaltar steht ab Ostern wieder im Mittelpunkt
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00:19 03.04.2018
Die Kirchenvorstände Rudolf Müller (li.) und Lothar Franke vor der Benndorfer Kirche. Quelle: Jens Paul Taubert
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Frohburg/Benndorf

Wenn sich die Benndorfer am Ostermontag erstmals seit Neujahr nicht im Raum der kleinen Winterkirche, sondern im Kirchenschiff selbst versammeln, ist der Blick frei auf den prachtvollen, mehr als ein halbes Jahrtausend alten Marienaltar. Geschaffen wurde der Flügelaltar mit seinen 16 farbigen Figuren 1506 von einer Altenburger Schnitzerwerkstatt.

Engagement für die Restaurierung

Im Vorfeld der 800-Jahr-Feier, die Benndorf 2016 beging, hatte sich die Gemeinde nicht nur für die Restaurierung dieses spätmittelalterlichen Kunstwerkes engagiert. Ergänzt wurde zugleich eine Leerstelle, die Kirchendiebe dreieinhalb Jahrzehnte zuvor hinterlassen hatten und die die Gemeinde schmerzte: 1979 wurden die geschnitzten Figuren der Predella, des Altarsockels, gestohlen. Aufgeklärt wurde der Fall nicht. Ein erzgebirgischer Schnitzer schuf die Figuren neu. Eine historische Fotografie, die sich im Landesamt für Denkmalpflege in Dresden fand, half ihm dabei.

Die Benndorfer Kirche. Quelle: Jens Paul Taubert

Wenn am Ostermontag, 9 Uhr, der Gottesdienst beginnt, sind Altarraum, Altar und Kirche frühlingshaft geschmückt. „Wir haben sehr rührige Frauen, die unsere Kirche säubern und sich darum kümmern“, sagt Rudolf Müller vom Benndorfer Kirchenvorstand. Seit Jahrzehnten kümmert sich der Mann, der 1963 ins Dorf kam, um die Kirche. Eingefasst von barockem Mauerwerk, liegen ihre Ursprünge im 12. Jahrhundert.

Turm neigt sich nicht mehr

Um 1500 wurde das Schiff verlängert, der Turm aufgesetzt – der heute zu den schiefsten in der Umgebung zählt. Allerdings neigt er sich nicht mehr, denn bei einer Kirchenrenovierung, die die Benndorfer 1979/80 stemmten, wurden die für die erhebliche Neigung verantwortlichen verfaulten Balken ersetzt. Zu dieser Zeit wurde der Turm mit Kupferblech eingedeckt: „Das war ein Kunststück zu Zeiten, wo kaum Material da war, und für Kirchen gleich gar nicht.“

In die über Jahrzehnte Stück für Stück betriebene bauliche Erhaltung der Kirche brachte und bringt sich maßgeblich Lothar Franke ein. Er betreibt ein Baugeschäft im Dorf, übernahm 1980 die Bauabteilung des Kirchenbezirkes Borna. „Wir haben immer wieder gebaut: den Turm, das Dach, die Decke, haben das Gemäuer trockengelegt.“ Als Breunsdorf vor der Abbaggerung stand, wurden die Kirchenbänke nach Benndorf geholt.

Kunstraub ist nie aufgeklärt worden

„Der Kunstraub damals ist nie aufgeklärt worden. Aber der Kirchenvorstand hat sich frühzeitig Gedanken gemacht, was zu tun ist“, sagt Franke. Mehrfach wurde Anlauf genommen, die Figuren zu kopieren, doch historische Bilder, die Grundlage sein sollen, verschwanden. Schließlich machte Hartmut Rademann aus Schwarzenberg sich trotzdem an die Arbeit; der Foto-Fund im Dresdner Archiv half ihm bei der Vollendung. Die Benndorfer trugen mit Spenden dazu bei, die neben einer Förderung nötigen Eigenmittel für die Altarrestaurierung aufzubringen.

Wenn in diesem Jahr die 1700 erbaute Orgel durchgesehen und gesäubert wird, ist das deutlich weniger aufwendig als die Generalreparatur, um die sich der Kohren-Sahliser Orgelbaumeister Gerd-Christian Bochmann eingangs des Jahrtausends gekümmert hatte. Weil Staub der Königin der Instrumente keinesfalls zuträglich ist, wischten Mitglieder der Gemeinde Mitte März nicht nur Staub; sie setzten auf dem Oberboden sogar einen Industriesauger ein.

Aktive Kirchgemeinde

Mit knapp 130 Mitgliedern bei 437 Einwohnern zählt die Benndorfer Kirchgemeinde zu den agilen im Kirchspiel Frohburg. Aller zwei Wochen finden Gottesdienste statt. Es gibt einen Posaunenchor, Christenlehre, Frauendienst; zu Kirchspielfest, Sommerfest, Erntedank, Musik im Kerzenschein und Krippenspiel kommen Gäste auch von außerhalb.

„Für unsere Kirche interessieren sich auch die Pilger. Vereine melden sich an, die führe ich gern“, sagt Rudolf Müller. Dass die Kirche üblicherweise verschlossen ist, aufgrund der Benndorfer Erfahrungen leuchtet das ein. Doch wer sie besichtigen möchte, hat meist eine Chance: Die Telefonnummern derer, die den Schlüssel haben, sind an der Kirche vermerkt.

Von Ekkehard Schulreich

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