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Geithain Berührender Film in zauberhafter Kulisse
Region Geithain Berührender Film in zauberhafter Kulisse
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15:41 19.05.2015
"Drei auf einer Bank" sorgten für Lacher im Saal: Manfred Häuser, Gerda Fließbach und Ralf Niemann (von links). Quelle: Jens Paul Taubert

600 Besucher werden es mindestens gewesen sein, die vorgestern Nachmittag "ihren" Film sahen, jene 15-Minuten-Produktion, für die die Geithainer Innenstadt reizvolle Kulisse war und in dem 40 bis 50 Menschen aus Geithain und dem unmittelbaren Umland in größeren und kleineren Rollen agierten.

Einer der Ältesten war Manfred Häusel. "Ich bin ganz gespannt, wie es geworden ist", sagte der 85-Jährige unmittelbar vor der Premiere im Geithainer Bürgerhaus. Immerhin hatte er da schon gesehen, dass es jene Sequenz, die ihn gemeinsam mit Gerda Fließbach und Ralf Niemann unbewegt und ungerührt auf einer Bank zeigte, auf das Titelbild der DVD-Hülle geschafft hatte.

"Mal sehen, wie sich die Hauptdarsteller schlagen", frozzelte Nachbar Rudolf Beßert, der mit seiner Frau Lisa gekommen war, wie er "ganz gespannt, was draus geworden ist". Im Getümmel beinahe unter ging Maria Thieme, und aufgeregt war sie auch nicht. "Ganz normal" fühle es sich an Augenblicke vor der Premiere, sagte die achtjährige Hauptdarstellerin. Das Mädchen aus Leipzig hatte lediglich ihre Freundin zu jenem Casting begleitet, zu dem Regisseurin Theresa Braun eingeladen hatte. Braun ließ sie trotzdem vorsprechen und wusste sofort: "Sie hat Talent!" Maria, ein Kuscheltier an die Brust gedrückt, möchte - wen wundert's - Schauspielerin werden. In Hollywood, vertraute sie der Assistentin im Auto auf der Fahrt nach Geithain an.

"Das ist ja Wahnsinn. Es ist richtig voll geworden", sagte sich Theresa Braun. Die Filmenmacherin verzichtete auf eine große Rede. Nur wenige Sätze. "Mit dem Drehort und mit den Hauptdarstellern habe ich wahnsinnig Glück gehabt. Als ich nach Geithain kam, hatte ich das Gefühl, ich lauf' durch die Kulissen von meinem Film. Für eine Woche waren wir eine riesengroße Familie. Es ist unser gemeinsames Projekt!" Beifall, während endlich das Licht im Saal verlöschte und Geithain und Geithainer auf der Leinwand Raum nahmen.

"Däumelinchen", eine Produktion, die inzwischen auf acht Festivals in sechs Ländern zu sehen war, mehrere Preise erhielt und in Los Angeles als bester Kurzfilm siegte, erzählt in einer knappen Viertelstunde die Geschichte einer Verwandlung. Die Geschichte eines Mädchens, das nicht vom Daumenlutschen lassen kann, das deshalb von allen Seiten Druck erfährt. Sie träumt, sich als Weltverbesserer einen Namen zu machen, sinnt eine Welt herbei, die ohne Verbote auskommt, die aufblüht, strahlt - und dann so doch nicht lebensfähig scheint. Eine liebevoll erzählte Geschichte, die ohne viele Worte auskommt, die schlüssig ist, charmant.

"Der Film ist wirklich schön", sagte Pauline (10) aus Leipzig und konnte sich schwer aus dem Sog der Bilder lösen. Ihre Mutter Anja Radon, gebürtige Geithainerin, fand es "total lustig, Menschen und Orte wiederzuerkennen. Ich bin stolz, was man aus Geithain rausholen kann."

Vor allem stolz auch seine Nichten Sarah und Sofie war Björn Rietzschel aus Borna: "Das haben sie wunderbar gemacht. Ein schöner Film." Sofie (11) aus Regis-Breitingen, das Filmmädchen mit der gelben Schleife, sagte: "Die Geschichte gefällt mir." Und für Sarah (11) war das Gefühl, sich selbst auf der Leinwand zu sehen, einfach nur schön". Auch ihre Großeltern Bärbel und Peter Rietzschel aus Borna waren sich einig: "Der Film ist große Klasse!"

"Ich freue mich, dass unser Geithain mal so groß rauskommt", sagte Gerda Fließbach (79). "Zwei Tage habe ich mit den beiden auf der Bank gesessen, und das in der prallen Sonne." Für die Filmemacher habe sie sogar ihren Besuch ein bisschen vernachlässigen müssen, doch das Ergebnis rechtfertige das im Nachhinein auf jeden Fall.

Mit seinem blauen Framo, Baujahr 1957, steuerte Jens Sela eine rollende Requisite bei. Für den Geithainer, der jetzt in Ebersbach lebt, ein wichtiger Moment: "Ein Framo war das Auto, das wir damals hatten. Auf dem habe ich fahren geübt." Für den Vorläufer des Barkas' war es schon die zweite Film-Rolle; er wurde schon einmal für den "Roten Kakadu" engagiert.

Aus der Fülle an Geithainer Filmmaterial, das binnen einer Woche vergangenes Jahr entstand, "ist manches dem Schnitt zum Opfer gefallen", bat Theresa Braun alle Mitwirkenden um Verständnis. Den Film endlich an seinem Ursprung zu zeigen, war ihr ein Bedürfnis: "Ein sehr schönes Gefühl. Ein bisschen ist es wie Nachhausekommen." Ekkehard Schulreich

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.09.2013

Schulreich, Ekkehard

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