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Geithain Blasorchester vor 60 Jahren gegründet
Region Geithain Blasorchester vor 60 Jahren gegründet
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06:02 26.05.2018
Musik machen und Feuerwehr gehören für Erwin Röhr (87, Klarinette) und Anton Fetzer (73, Trompete) seit Jahrzehnten zusammen. Kürzlich gastierten sie mit dem Frohburger Blasorchester in Prießnitz, wo dieses Foto entstand. Quelle: Andreas Döring
Frohburg

150 Jahre alt ist die Frohburger Feuerwehr. Dass sich Erwin Röhr (87) und Anton Fetzer (73) an das 90-Jährige intensiv und gern erinnern, hat einen klangvollen Grund: Das Blasorchester der Feuerwehr, 1958 aus Anlass des Jubiläums gegründet, hatte seinen allerersten Auftritt. Im großen Festumzug liefen die Musiker ganz weit vorn.

Frohburg feiert Doppel-Jubiläum

„Vor uns waren nur noch die Fahnenträger und das Polizeiorchester. Das waren die Profis, die haben uns gezeigt, wie’s geht“, sagt Fetzer. Dass die Jungen von damals und ihre Mitstreiter das selbst längst begriffen haben, führen die 60 Jahre seither eindrücklich vor Augen und vor allem Ohren.

Das Doppel-Jubiläum der Frohburger Feuerwehr und ihres Orchesters wird vom 1. bis 3. Juni groß gefeiert – mit musikalischer Unterstützung aus Tschechien, denn zum Orchester in Holice gibt es seit fast einem halben Jahrhundert engen Kontakt.

„Waren bunter Haufen von Enthusiasten“

In die Feuerwehr eingetreten war Erwin Röhr 1947, „am ersten Weihnachtsfeiertag“. Ein Jahrzehnt später gehörte der junge Mann, der als Kind Akkordeon zu spielen lernte, zu jenen, die Wehrleiter Fritz Kupfer und Bruno Köhler, Leiter der städtischen Musikschule, um sich scharten, um daraus ein Ensemble zu schmieden.

Bei Heinz Sauermann vom jungen Rundfunk-Blasorchester nahm Röhr Klarinetten-Unterricht. „Wir waren ein bunter Haufen von Enthusiasten, fast alles Laien.“ Später habe das neue Orchester Unterstützung erfahren durch Frohburger Musiker, die beim Staatlichen Orchester Borna angestellt waren: „Die haben nie Nein gesagt.“

Erstmals vor großem Publikum gespielt

Für Anton Fetzer war das Feuerwehr-Jubiläum 1958 eine Premiere: „Ich hab mit 13 angefangen und damals zum ersten Mal vor großem Publikum gespielt.“ Er habe das Glück gehabt, mit dem Berufsmusiker Herbert Heinze unter einem Dach zu wohnen; der gab dem Posaunenchor-Erfahrenen Unterricht: „Er sagte zu mir: Mein Guter, du hast doch einen guten Ton.“ Fortan war das Flügelhorn sein Instrument; heute spielt er Trompete.

Bald war Terminkalender voll

Nach der großen Schaffe 1958 blieb das Ensemble zusammen, auch wenn es erst einmal ruhiger wurde. „Das musste sich erst rumsprechen“, sagt Röhr: „Spätestens ab den Siebzigerjahren hatten wir immer volles Programm.“ Ob Dorffeste, Jubiläen oder Platzkonzerte: Die Frohburger waren gefragt, absolvierten drei Dutzend Auftritte und mehr im Jahr. Beim Leistungsvergleich der Ensembles auf Bezirksebene wussten sie sich gut zu platzieren: „Aller zwei Jahre wurden wir neu eingestuft. Wir waren meist unter den ersten Drei.“

Kontakt nach Holice riss nicht ab

Im Campingurlaub 1971 in der Tschechei knüpften Anton Fetzer und Horst Schulz Kontakte – „um Noten zu tauschen. Dass da eine so lange Freundschaft draus würde, ahnte niemand.“ Eine Verbindung zwischen Frohburg und Holice gab es vordem bereits auf der Motorsport-Ebene; die Holicer, die eine eigene Moto-Cross-Strecke hatten, waren bei den Frohburger Dreieck-Rennen regelmäßige Gäste. Die Kontakte nach Holice rissen nach der Wende nicht ab, und auch das Orchester selbst blieb über alle Umbrüche hinweg zusammen.

Nachwuchs für Orchester fehlt

Eine Vereinsgründung wurde verworfen; statt dessen blieb man eine Abteilung der Feuerwehr. Unter dem Namen Blasorchester der Feuerwehr ist das Ensemble weithin ein Begriff. Allein am verlängerten Wochenende um den 1. Mai waren vier Konzerte zu absolvieren: in Espenhain, Streitwald, Fockendorf, Frohburg.

Ein Problem teilt das Orchester indes mit vielen Vereinen: Der Nachwuchs fehlt. Bei den tschechischen Freunden ist das etwas anders; dafür fehlt es denen ein bisschen an Auftrittsmöglichkeiten. Umso mehr genießen sie es, erneut in Frohburg zu musizieren – etwa am 2. Juni, 10 Uhr, gemeinsam mit den Frohburgern auf dem Markt.

Erwin Röhr und Anton Fetzer genießen das ebenso: „Das werden wieder schöne Tage. Manche, die kennt man schon als Kind, und jetzt spielen sie längst mit. An den Abschied wollen wir noch gar nicht denken – da gibt es wieder Tränen.“

Von Ekkehard Schulreich

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