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Blutroter Bahnhofstunnel: Bundespolizei hat noch keine Spur

Blutroter Bahnhofstunnel: Bundespolizei hat noch keine Spur

Keine Fragen hatte der Bad Lausicker Stadtrat an Jan Müller. Der Leiter des Streifendienstes im Revier Grimma erläuterte den Parlamentariern die Kriminalitätstatistik für die Kurstadt.

Bad Lausick. Ob personelle Besetzung des Bad Lausicker Polizeipostens, Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Polizei oder Randale-Brennpunkt Bahnhofsumfeld - keines dieser Themen wollte einer der Stadträte vertiefen. Dabei hatte der Rat die Polizei extra eingeladen.

„In Bad Lausick lebt es sich sicher und gut." Auf diesen Nenner brachte der Erste Polizeihauptkommissar Jan Müller die Bad Lausicker Kriminalitätslage. Grundlage dieser Einschätzung ist die sogenannte Häufigkeitszahl, die Zahl der - angezeigten - Straftaten pro 100 000 Einwohner. Mit 3909 liege Bad Lausick im Revierbereich Grimma sehr günstig; die Nachbarstadt Colditz komme auf 7611, Grimma gar auf 8872. Das subjektive Sicherheitsempfinden weiche mitunter von diesen Tatsachen ab, räumte Müller ein: „Jeder, der Opfer einer Straftat wird, für den bricht eine Welt zusammen, dessen sind wir uns schon bewusst."

Bei seiner Analyse stützte sich Müller auf die aktuellsten Zahlen, die vorliegen: die von 2009. Aus ihnen gehen unter anderem eine Verfünffachung der Einbrüche in Autos und eine erhebliche Steigerung bei Körperverletzungen hervor. Mit Diebstählen aus PKW habe man im Bereich der Reha-Kliniken und des Freizeitbades in der Tat ein erhebliches Problem gehabt, sagte der Beamte; im laufenden Jahr seien diese Straftaten aber rückläufig. Allerdings: „2010 ist im Revierbereich Grimma und auch in Bad Lausick ein Anstieg der Kriminalität in allen Bereichen zu verzeichnen." Möglicherweise hänge das auch mit einem „veränderten Anzeigeverhalten der Bevölkerung" zusammen.

Die Frage, was gegen kriminelle Aktivitäten getan werde könne, beantwortete Jan Müller mit dieser Botschaft: „Die Polizei kann nicht überall sei." Für den Schutz seines Eigentums trage jeder in bestimmtem Maß selbst Verantwortung. Das beginne damit, dass man auch bei kurzem Verlassen des Autos keine Handtasche liegen lasse, und ende mit der Sicherung von Betriebsgrundstücken gegen Diebesbanden. Mit Letzterem habe man in Bad Lausick in den vergangenen Wochen einige Erfolge erzielt, sagte er mit Blick auf das Unternehmen Elektro-Lehmann, das vordem beinahe regelmäßig im Fokus von Dieben stand.

Nach Müllers Ausführungen ergriff lediglich einer der Stadträte das Wort. Mindere die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung tatsächlich die Sicherheit in der Stadt, wollte Bernd Neitsch (Dorfentwicklung) wissen. Gesicherte Erkenntnisse gebe es dazu nicht, lautete Müllers bündige Antwort.

Damit hatte sich die Debatte erschöpft, bevor sie überhaupt begann. Wer erwartet hatte, die Zukunft und personelle Ausstattung des Bad Lausicker Polizeipostens das Zusammenwirken von städtischem Ordnungsamt und Polizei oder die anhaltenden Beschädigungen im Stadtbild, etwa im Bereich des Bahnhofes, würden thematisiert, wurde enttäuscht.

Dabei beschäftigt gerade die Attacke auf den Bahnhofstunnel in der Nacht zum 29. September viele Bad Lausicker. Unbekannte hatten den Tunnel blutrot ausgemalt, den Umriss eines Körpers gezeichnet und Messer hinterlassen. Zwar sind diese Spuren inzwischen beseitigt, doch halten die Vorfälle manchen seither ab, den Tunnel zu nutzen. „Wir ermitteln in alle Richtungen. Gesicherte Erkenntnisse, aus welchem Kreis die Täter stammen könnten, haben wir bisher nicht", sagte am Dienstag Karin Meyer von der Bundespolizei in Pirna auf LVZ-Nachfrage. Die Bundespolizeiinspektion Leipzig, die mit den Ermittlungen betraut ist, bittet um Hinweise von Zeugen (Telefonnummer 0341/99 79 90).

Ekkehard Schulreich

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