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Bornaer kritisieren See-Standort für Prisma-Projekt

Bornaer kritisieren See-Standort für Prisma-Projekt

Die Informationsveranstaltung des Vereins Prisma am Dienstagabend im Goldenen Stern brachte zwei Erkenntnisse. Zum einen: Die große Mehrheit findet das Konzept, jugendlichen Delinquenten eine alternative Form des Strafvollzuges zu bieten, lobens- und unterstützenswert.

Borna. Und: Die Kritiker halten den Standort am Bockwitzer See wegen der dort erhofften Naherholungsnutzung für ungeeignet.

Der Geschäftsführer des Vereins, Tobias Merckle, stellte die Grundüberzeugung des Projektes an den Anfang eines von etwa 100 Gästen besuchten Abends: „Es gibt negative Subkulturen in deutschen Gefängnissen. Insbesondere im Jugendstrafvollzug sollen Alternativen geschaffen werden. Die freie Form, wie wir sie seit sechseinhalb Jahren in Leonberg praktizieren, ist eine geeignete Form, straffällig gewordene Jugendliche auf die rechte Bahn zurückzuführen."

Das Konzept „ist toll - keine Frage". „Es ist richtig, etwas für diese Jugendlichen zu tun." „Das Programm ist in Ordnung. Da gibt es nichts." Meinungen, denen das große Aber folgte. „Warum ausgerechnet in Borna", fragte ein Zuhörer, der - wie andere Kritiker - die Bedürfnisse der Bornaer am nahen Badestrand durch die mögliche Ansiedlung des Vereins gestört sieht. Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke), Bürgermeister Frank Stengel und anwesende Stadträte gaben die Antworten. „Das eine schließt das andere nicht aus", entgegnete Linken-Stadtrat Gunther Sachse und fand, dass „die Ansiedlung des Vereins auch eine Chance für die Entwicklung des Badestrandes" sein kann.

Andere Bedenken richteten sich gegen die Vereinbarkeit des Naturschutzgebietes am Bockwitzer See mit dem Bau, der Merckle zufolge 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Freistaates, Vereinsgeldern und Spenden kosten würde. „Wegen der klaren Ausrichtung des Areals um den Bockwitzer See für den Naturschutz bin ich kategorisch gegen jede bauliche Maßnahme in dem Gebiet und auch gegen einen Badestrand", argumentierte ein Umweltschützer. Frank Stengel antwortete: „Der Stadtrat hat den Beschluss gefasst, das Gebiet am Bockwitzer See unter naturschutzrelevanter Berücksichtigung zum Erholungsgebiet für die Stadt Borna zu entwickeln. Die Ansiedlung des Vereins steht dazu nicht im Widerspruch. Im Gegenteil - es ist eine Chance, da die Jugendlichen am Bockwitzer See große Teile der Pflege des Gebietes übernehmen könnten." Mit der Ökologischen Station, die weitere Vorschläge zu Einsätzen der Jugendlichen unterbreitete, seien erste Gespräche gelaufen, so Stengel, der glaubt, dass das Projekt einen „Imagegewinn für Borna" bringen kann.

Die Pläne am Bockwitzer See seien darauf ausgerichtet, Natur erlebbar zu machen. „Der Verein unterstützt dieses Vorhaben", betonte Merckle. Von der zu bebauenden Fläche oberhalb des Nordufers würden nur zwei Drittel durch Prisma bebaut. Der Rest steht für die touristische Nutzung nach wie vor zur Verfügung", erklärte Luedtke.

Die Entscheidung, dem Verein das Grundstück anzubieten, sei im Konsens mit allen Stadtratsfraktionen und bereits Ende vergangenen Jahres gefallen, beteuerte die Oberbürgermeisterin. Die übergreifende Zustimmung der Stadträte zum Projekt sei dem Verein in einer Sitzung vor der Informationsveranstaltung nochmals bestätigt worden, erklärte Michael Richter der LVZ.

Im Verlauf der Veranstaltung kristallisierte sich bei den Einwohnern die Frage heraus, welchen Nutzen das Projekt für Stadt Borna haben soll. „Was haben wir davon." Neben der langfristigen Investition in nachhaltige Sozialarbeit an Jugendstrafgefangenen (auch wenn die Zahlen wegen der besonderen Rahmenbedingungen nicht vergleichbar sind - die Rückfallquote liege bei dieser Form des Strafvollzuges zwischen 30 und 40 Prozent - im geschlossenen Vollzug werden 80 Prozent rückfällig), nannte Merckle die Schaffung von erst 20, später 30 Arbeitsplätzen. Praktikumsplätze kämen hinzu. 100 Bewerbungen seien bereits eingegangen. Bestandteil des Prisma-Konzeptes ist es zudem, sich aktiv mit gemeinnütziger und ehrenamtlicher Arbeit in der Kommune einzubringen. Ein Versprechen, das Tobias Merckle gab: „Wir werden bei unserer Arbeit auf die Bedürfnisse der Region eingehen".

Thomas Lieb

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