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Brandschutz: Bad Lausick auf dem Weg aus dem Investitionsstau

Brandschutzbedarfsplan Brandschutz: Bad Lausick auf dem Weg aus dem Investitionsstau

Der Begriff Brandschutzbedarfsplan geht nicht leicht über die Lippen. Und komplex wie das Wortgebilde ist, wofür das Dokument steht: für all die Dinge, die Bad Lausick in den nächsten Jahren tun muss, um den Schutz von Leben und Sachwerten sicherzustellen. Da liegt es auf der Hand, dass nicht alle im Stadtrat einer Meinung sein müssen.

Die Stadt Bad Lausick muss weiter in die Feuerwehr investieren (Symbolfoto).

Quelle: dpa

Bad Lausick. Alarmstimmung herrschte bei den Bad Lausicker Feuerwehren und im Rathaus vor einem halben Jahrzehnt: Die Wehrleiter machten damals im Stadtrat nachdrücklich auf einen Investitionsstau aufmerksam, den sie auf 2,7 Millionen Euro bezifferten. Jetzt, fünf Jahre später, legten die Stadtwehrleitung und sie einen überarbeiteten Brandschutz-Bedarfsplan vor, ein Dokument, das die Situation heute umreißt und die Investitionen bis 2022 beschreibt. Ein Dokument, das bei der Abstimmung im Stadtrat im April auf Kritik aus der CDU-Fraktion stieß. Sie betrachtete manche aufgelistete Investition als unzulässigen Eingriff in die Finanzhoheit des Parlaments, fand damit aber keine Mehrheit.

Durch die Beschaffung von Ausrüstungen und neuer oder gebrauchter besserer Fahrzeuge habe Bad Lausick die Ausstattung seiner acht Wehren „in den letzten Jahren verbessern“ können. So steht es im Bedarfsplan: „Dies darf aber über das Alter und den Zustand der verbleibenden Fahrzeuge nicht hinweg täuschen.“ Der Reparaturaufwand sei immens, die Erneuerung des Fuhrparks deshalb immanente Notwendigkeit. Immerhin sei es gelungen, die 1996 in Dienst gestellte Drehleiter – unverzichtbar für Einsätze etwa im Bad Lausicker Neubaugebiet, an den Kurkliniken, im Freizeitbad „Riff“ – dank einer Generalinstandsetzung noch einmal für 15 oder 20 Jahre fit zu machen.

Dass Ausstattung und Zuschnitt der meisten Gerätehäuser – nimmt man die Neubauten in Steinbach und Ebersbach einmal aus – oft nicht den Erfordernissen und den Vorschriften entsprechen, ist kein Geheimnis. Dieses Problem teilt Bad Lausick mit vielen anderen Kommunen. Ganz vorn auf der Prioritätenliste setzt der neue Plan die Depots in Glasten und in Ballendorf. In Glasten soll der Umbau in diesem Jahr erfolgen; das Projekt wurde den Einwohnern bereits vorgestellt.

Als mangelhaft, weil Heizung, Sanitärräume, eine Absauganlage für Abgase fehlen, gelten auch die Gerätehäuser in Etzoldshain und Ballendorf. Erweiterungen sind für die stark wachsende Buchheimer Wehr vorgesehen, ebenso für Thierbaum und den zweiten Standort der Wehr Bad Lausick in Lauterbach. Wobei letztere Wehr aufgrund eines fehlenden Leiters und einer zu geringen Personalstärke seit Jahren als Abteilung den Bad Lausickern zugeschlagen wurde. Die Sanierung eines Fahrzeugstellplatzes am Dorfgemeinschaftshaus wird dennoch als notwendig erachtet.

Um spätestens neun Minuten nach Auslösung eines Alarms erste Rettungskräfte vor Ort zu haben, „sind alle bisherigen Standorte zur Sicherung des Grundschutzes zu erhalten“. Heißt im Klartext: Keine einzige der Wehren wird in Frage gestellt. Um schlagkräftiger zu sein und vor allem tagsüber die Einsatzbereitschaft sichern zu können, werden seit Jahren schon Wehren parallel alarmiert. Das, sagt Stadtwehrleiter Tim Barczynski, habe sich eingespielt. Es ändere aber nichts daran, dass die Sicherung des Personals und vor allem die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher eine entscheidende Aufgabe der kommenden Jahre sei.

Die aktive Truppe zähle aktuell insgesamt 160 Kameradinnen und Kameraden, doch bewege man sich in der Kernstadt und in Steinbach nur knapp über dem Soll. Die Gespräche mit Unternehmen, bevorzugt feuerwehr-affine Mitarbeiter einzustellen, sollten fortgesetzt werden, ebenso die Praxis des Rathauses, bei Neueinstellungen auf ein Engagement in der Feuerwehr hinzuwirken. Nicht zuletzt komme der Förderung der Jugendwehren Bedeutung zu.

Im Vergleich der Jahre 2011 bis 2015 zeigt sich, dass die Zahl der Einsätze der Kernstadt-Wehr erheblich stieg, sich auf 77 beinahe vervierfachte. Deutlich stärker gefragt waren in diesem Zeitraum auch Buchheim, Ebersbach und Etzoldshain. Mit ein, zwei Alarmierungen im Jahr mussten die Ehrenamtlichen des kleinsten Ortsteils Thierbaum – die personell nicht die kleinste Wehr stellen! - am seltensten ausrücken. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Dorfes und der Nähe zum Colditzer Forst ist die Wehr aber unverzichtbar.

„Ich wünsche mir, dass in den nächsten fünf Jahren weitere Investitionen und Beschaffungen erfolgen“, sagt der Stadtwehrleiter. Systematisch in jedem Jahr ein bis zwei Maßnahmen konzentriert auf einen Standort , das sei die richtige Strategie. „Wir haben einen guten Anfang geschaffen, dürfen aber nicht wieder stehen bleiben. Sonst erleben wir die gleiche Situation wie vor fünf Jahren, als die Zustände einfach nicht mehr tragbar waren.“ Der Brandschutzbedarfsplan sei die Grundlage für jegliche Förderung. Das gehe auch in Ordnung, denn nicht immer habe der, der am lautesten rufe, auch den größten Bedarf. Den Plan umzusetzen, bedeute oft eine Bündelung von Kompromissen: „Auch wenn wir wissen , dass nicht alle Pläne Realität werden, sollte dieser Plan kein Papiertiger sein.“

Von Ekkehard Schulreich

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