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Briefe von Geithain nach Kanada und zurück – zweiter Teil ist erschienen

Büchergespräch Briefe von Geithain nach Kanada und zurück – zweiter Teil ist erschienen

Diese Woche ist der zweite Teil des Briefwechsel zwischen dem Geithainer Gottfried Senf (79) und dem in Kanada lebenden Ulrich W. Sommer (89) erschienen. Beim Büchergespräch am 9. Dezember stellt Autor Senf den neuen Band in der Geithainer Stadtbibliothek vor.

Gottfried Senf erläutert am Sommerhof in Geithain die Geschichte der Familie Sommer.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Diese Woche ist der zweite Teil des Briefwechsels zwischen dem Geithainer Gottfried Senf (79) und dem in Kanada lebenden Ulrich W. Sommer erschienen. Der 89-Jährige ist in Geithain aufgewachsen und verließ Deutschland, nachdem der Hof seiner Familie enteignet wurde. Die Gegend am Geithainer Kalkweg, wo das Gut einst lag, trägt heute noch den Namen Sommerhof. Beim Büchergespräch am Mittwoch, 9. Dezember stellt Gottfried Senf den neuen Band in der Geithainer Stadtbibliothek vor. Die LVZ sprach mit dem langjährigen Vorsitzenden des Geithainer Heimatvereins.

Als Teil 1 mit Briefen aus den Jahren 1990 bis 1998 erschien, stand noch nicht fest, ob es eine Fortsetzung geben würde. Was gab den Ausschlag?

Hauptsächlich die Reaktion vieler Leserinnen und Leser auf den ersten Teil. In Briefen, E-Mails, Telefonaten und vielen spontanen Gesprächen in der Stadt erfuhr ich fast durchweg Zustimmung. Offenbar war es so, wie auch bei meinen anderen Geithain-Büchern, dass der Briefwechsel oft an Freunde, Verwandte und Bekannte, die einstmals in Geithain lebten, verschickt wurde.

Interessieren sich die Geithainer selbst auch für Stadtgeschichte?

Erfreulich ist das zunehmende Interesse an stadtgeschichtlichen Dingen bei der mittleren Altersgeneration. Die zwei Jahrzehnte von 1990 bis 2010 waren mit Ereignissen, Erlebnissen und neuen Erfahrungen mehr als dicht besetzt. Wer heute 55 und älter ist, findet offenbar jetzt Zeit zum Rückschauen auf diese bewegten Jahre, auf die Zeit, als der berufliche Alltag sie noch voll in Anspruch nahm.

Worum dreht sich dieser zweite Teil?

Er stellt wiederum in großen Teilen einen Austausch von Meinungen der Briefpartner zum Zeitpunkt des Schreibens dar. Darin spiegeln sich wichtige Ereignisse, Prozesse und Geschehnisse aus Geithain und Umgebung in den Jahren 1998 bis 2012 wider – beispielsweise Bürgermeisterwahlen oder den Abriss eines Teils des Emaillierwerkes.  Diese Briefe stellen aber auch eine Art Zeitdokument dar, der Meinungsaustausch berührt aktuelle weltpolitische Themen.

Was wäre das?

Beim Lesen unserer damaligen Meinungen und Kommentare zu Ereignissen wie den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder dem dritten Golfkrieg 2003, zur Entwicklung der Verhältnisse zwischen dem „reichen Norden“ und dem „armen Süden“ zwängen sich Parallelen zur Gegenwart geradezu auf. Das Ursachenspektrum für die gegenwärtigen Weltprobleme ob Flucht so vieler Menschen oder Umweltprobleme enthält mit Sicherheit auch weit zurückliegende Fakten. Das Ausmaß und die Härte gegenwärtiger Vorgänge waren so nicht vorhersehbar, die Grundproblematik kommt aber keineswegs „aus heiterem Himmel“.

Aber sicher geht es auch um ganz Persönliches?

Das im ersten Band gewählte Maß der Veröffentlichung rein persönlicher Dinge ist beibehalten worden. Eine Namensnennung erfolgt nur bei Personen des öffentlichen Lebens wie Bürgermeister, Schulleiter oder Pfarrer. In allen anderen Fällen werden Kürzel angegeben. Übrigens erhalte ich immer wieder Anfragen zu möglichen verwandtschaftlichen Beziehungen zur Familie Sommer. Dieser Nachname wie übrigens auch Guenther (oder Günter) kommt in Deutschland sehr häufig vor. Es gab und gibt keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Familien Ulrich J. Sommer oder von Schulstifter Paul Guenther und Familien gleichen Namens in Geithain einschließlich der eingemeindeten Ortschaften.

Gehen weiterhin Briefe zwischen Geithain und Kananda hin und her? Ist ein Teil drei denkbar?

Mit dem Brief vom 30. November 2012 endet dieser zweite Teil. Wir setzen unsere Korrespondenz bis zur Gegenwart fort, eine Veröffentlichung dieser Briefe ist aber nicht vorgesehen. Alter und gesundheitliche Befindlichkeiten trugen zu diesem Entschluss bei. Schließlich sind seit Beginn des Briefwechsels nun schon 25 Jahre vergangen.

Interview: Inge Engelhardt

Die Veranstaltung am Mittwoch in der Stadtbibliothek beginnt 19.30 Uhr. „Briefgeschichte(n)“, Briefwechsel zwischen John U. Sommer, Kanada und Gottfried Senf, Geithainer Heimatverein 1990 bis 2012, Teil 2 ist für 11 Euro in der Geithainer Buchhandlung „Bücher, Bilder & Musik“ erhältlich.

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