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Geithain Chris Doerk und Frank Schöbel in Geithain: Verflossene Zeit hat drei Stunden lang kein Gewicht
Region Geithain Chris Doerk und Frank Schöbel in Geithain: Verflossene Zeit hat drei Stunden lang kein Gewicht
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17:40 19.05.2015
Plaudernd und singend lassen sie die Jahrzehnte zusammenschnurren: Chris Doerk und Frank Schöbel, die künstlerisch längst getrennte Wege gehen, finden sich für diese letzte gemeinsame Tournee noch einmal zusammen - und haben viel Freude dabei. Quelle: Jens Paul Taubert

Das Wiederhören der Hits aus den Endsechzigern und Siebzigern verführte viele zu einer Wiederbegegnung mit Gefühlen, die der Film "Heißer Sommer" so treffend beschreibt.

"Noch gar nichts gemacht, und schon kriegt er Blumen", flachst Frank Schöbel, der große Junge, als noch vor dem zweiten Lied der erste Strauß auf die Bühne gereicht wird. Ein Ton ist angeschlagen, der diesen Abend trägt, der Saal, Rang und Bühne in Einklang hält. "Hautnah" heißt die Tournee, die Chris Doerk und Frank Schöbel, beide 70, sieben Jahre bis 1974 musikalisch und standesamtlich das Paar in der DDR und heute Freunde, letztmalig gemeinsam durch die Lande führt: 40 Auftritte bis Ende April. Der in Geithain musste verschoben werden. Das Konzert in Pegau sogar ein zweites Mal, nun auf den 24. Mai. Den Grund versucht Chris Doerk nicht zu verstecken: Nach einem Bus-Sturz ist ihr Bein lädiert. Dennoch erleben sie die Geithainer in Bewegung.

Nur einmal werden die Sessel genutzt, um zu plaudern über Vergangenes, das plötzlich gar nicht mehr vergangen ist. Im Bühnen-Hintergrund leuchten Schwarzweiß-Fotografien von damals. Lieder der ersten Jahre scheinen auf, Doerks "Häng' den Mond in die Bäume" (Ein programmatischer Titel, der seinerzeit für einige Verwirrung sorgte: "Ich hab' gesagt, Mensch, das ist doch Poesie!"); dann lodert das Lagerfeuer in der Filmsequenz des "Heißen Sommers" von 1968, singt Schöbel "Schön ist es, dir in die Augen zu sehn". Der Abend gewinnt an Fahrt, Lichter tanzen nicht nur in der ersten Reihe. Zwei Feuerzeuge strahlen hinten links. Das Publikum sitzt, aber es gerät in Wallung. Singend und plaudern werden Leben umrissen, verbinden sich Lebensgeschichten und Alltagsgeschichte zu einem Teppich, der Brüche überdeckt - auch den der Trennung, wenn Frank Schöbel aus der Fanpost die Schüler einer Klasse 8a zitiert: "Wenn ihr euch nicht wieder zusammentut, werden wir an Erich Honecker schreiben!"

"Wir wollen die schönen alten Lieder hören", sagt Anita Heintzig aus Rochlitz. Und ihr Mann Joachim ergänzt: "Aus unsrer Jugend: ,Lieb mich, wie dein Herz es mag'." Aber auch das Lied von 1989 "Wir brauchen keine Lügen mehr" ist ihm gewärtig: "Das passte in die Zeit." Erinnerungen auffrischen, das will auch Jens Müller aus Zedtlitz, der "Wie ein Stern" noch immer im Ohr trägt und im Herzen: "Da waren wir noch jung!" Petra Kohl aus Borna erinnert sich, dass Mitschüler sie aufzogen, "weil ich Frank-Schöbel-Fan war, als die Bee Gees aktuell waren". Doch sie habe damals zu ihrem Idol gestanden, und sie tue es Jahrzehnte später ebenso: "Er ist immer noch so offen." Was auch ihrer Begleiterin Erika Sochor gefällt: "Ich hab' ihn immer gern gehört." Und bis heute besuchten sie gemeinsam seine Konzerte.

Nach Pause das Neue, Schöbels Single "Deine Augen", Doerks CD mit dem "Liebeslied für eine Katze", selbst gemalte Katzenporträts als Kontext. Und die Band, die beide begleitet, tritt kurz ins Licht mit eigenem: Alexander Kirte, Till Paulmann, Stefan Schirrmacher. Ehe der Abend zu zerfasern droht, fangen Medleys, die Erfolgsmelodien, ihn wieder ein: "Jedes Mädchen wird einmal geküßt" und - endlich - "Ich geh vom Nordpol zu Südpol zu Fuß". Dann - kein Gag: Frank Schöbel, auf der Suche nach einem Geburtstagskind, wird im Saal nicht fündig und telefoniert prompt mit einem treuen Fan: mit Herbert Stassig, der 80 wird an diesem Tag, einst selbst sang im Jugendchor Neukieritzsch, der in der Kohle arbeitete. Der Glückwunsch-Jubel aus dem Bürgerhaus muss ihm, neben dem Ständchen von Doerk und Schöbel, in den Ohren geklungen haben. Der Schluss-Titel kommt einem Fazit gleich: "Du bleibst ein Teil meines Lebens." Zu dem die - natürlich! - Zugabe passt: "Du wirst mir fehlen."

"Super. Ich habe es so gar nicht erwartet", ist Gerda Kutzbora aus Geithain überwältigt. Ines Fischer aus Geithain und ihrem Mann Guntram geht es nicht anders, ebenso wenig der Schwester Heike Magnor, die extra aus Berlin angereist ist, und Mutter Christa Bruderik (79): "Ein schönes Konzert. Er ist doch einer von uns." Eine Generation jünger sind Manuela und Sven Hammer aus Frohburg. "Als die beiden zusammenkamen, sind wir geboren", sagt er. Und: aufgewachsen mit dieser Musik. "Es ist, als ob die Zeit stehengeblieben ist", meint sie. Und an die Adresse der Künstler: "Hut ab! In dem Alter!"

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2013

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