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Geithain Computer-Kurse für Senioren sind gefragt und beliebt
Region Geithain Computer-Kurse für Senioren sind gefragt und beliebt
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10:40 15.05.2018
Senioren werden fit am Laptop bei einem Lehrgang der Volkshochschule. Einige besuchen solche Kurse schon seit vielen Jahren und wissen auch, dass Instagram kein Gewicht ist. Quelle: Andreas Döring
Geithain

Freitagfrüh in Geithain, Ossaer Weg 24, dem Domizil der Volkshochschule in der Kleinstadt. Neun Frauen und Männer lernen im Computer-Anfängerkurs Textverarbeitung. Eine ältere Dame schaut suchend auf die Tastatur ihres Laptops. „Cursor-Tasten, ähm, wo sind die noch mal?“ – „Das sind die mit den Pfeilen“, antwortet Dozentin Esther Drath.

Die 55-jährige Betriebswirtin ist seit 18 Jahren Dozentin bei der VHS. Vor allem Senioren schult sie im Umgang mit Smartphone, Tablet und Laptop in Geithain, Borna, Markkleeberg und Markranstädt.

Die Kursteilnehmer, vorwiegend älteres Semester, hören aufmerksam zu und probieren es sofort an ihren Geräten aus. Einige machen sich Notizen, damit sie sich an all das Neue später erinnern können. Die Taste, die das Löschen rückgängig machen kann, löst Begeisterung aus: „Das ist ja klasse“, ruft jemand.

Frauen sind aktiver und neugieriger als Männer

Ruhig, freundlich und gern auch wiederholt, erklärt Esther Drath, wie Texte entstehen, verändert, gespeichert und wiedergefunden werden können. Diese Kurse würden vielerorts auf Interesse stoßen, „allerdings ist der Trend, dass Frauen hier aktiver und neugieriger sind als Männer“, sagt sie. Wer damit einmal begonnen hat, würde häufig Angebote für Fortgeschrittene besuchen.

Ein Beispiel dafür ist der folgende Geithainer Freitagskurs, der 10 Uhr beginnt. Er heißt „Fit mit dem eigenen Laptop“ und dauert schon „ganz lange“, sagt sie lächelnd. Viele Teilnehmer würden sich gut kennen.

Emails, Bildbearbeitung, Excel und Online-Banking kein Problem

Gudrun Mühlbach bekam vor zehn Jahren von ihrer Tochter einen gebrauchten Computer plus VHS-Gutschein geschenkt. „Da hab’ ich mich hier angemeldet“, erzählt die 71-Jährige. Zunächst musste sie erst mal lernen, wo der Computer eingeschaltet wird, meint sie lachend. Heute kann sie Texte und Bilder bearbeiten, ein eigenes Foto-Buch gestalten, sie beherrscht Emails, Excel, Online-Recherche und auch Online-Banking, „eben alles, was aktuell ist und was man gebrauchen kann“. Schön sei die „dufte Truppe, da war schnell klar, dass ich dabei bleibe“.

Regina Biesanz ist sogar schon seit 2005 in diesem Kurs. „Es geht vor allem darum, dass der Kopf gefordert wird und wir im aktiven Leben dabei sind. Da merken wir unser Alter gar nicht mehr“, sagt die 72-Jährige. Weil man sich untereinander so lange kennt, sei es nicht peinlich, „mal ’ne doofe Frage zu stellen“.

Bei komischen Mails im Kurs einfach nachfragen

Auch wenn Unsicherheiten aufkommen, nutzt sie den Kurs. „Ich habe hier eine eigenartige Mail bekommen, schauen Sie mal bitte“, fragt sie nun Esther Drath. Die Dozentin sagt sofort: „Ja, das sieht komisch aus, das ist bestimmt ein Fake.“ Also eine Schwindel-Mail. Sie empfiehlt: „Niemals auf den Link in der Mail klicken.“ Sie erklärt, dass die Alarmglocken schrillen sollten, wenn nach dem @ der Email-Adresse nicht der Firmenname des angeblichen Absenders erscheint. Die Senioren haben wieder etwas dazu gelernt.

Gern können im Kurs solche Dinge angesprochen werden – Thema des Tages ist jedoch die Briefgestaltung. Für Briefvorlagen werden Extra-Ordner angelegt. Damit hat so mancher sein Problemchen: „Ich finde keinen neuen Ordner.“ – „Bei mir ist das nicht richtig sortiert.“ – „Wie schiebe ich die Datei jetzt in den Ordner?“ – „Jetzt ist mein Ordner weg.“ – „Ich bekomme die PDF nicht mehr auf.“ Alle Schwierigkeiten werden geklärt, am Ende hat jeder seine Vorlagen in dem dafür vorgesehenen Ordner und ist zufrieden.

Aktive Senioren treffen sich nicht nur beim Computer-Lehrgang

Hier sitzen die aktiven Senioren. „Wir sehen uns nicht nur beim Computer-Lehrgang, sondern auch beim Klöppeln, Stricken und Sport“, erzählt Regina Biesanz. Manchmal müsse sie sogar aufpassen, dass es nicht zuviel wird bei den zahlreichen Terminen. Wichtig ist, „dass es uns so viel Spaß macht und die grauen Zellen fit hält“.

Sie kenne allerdings auch Ältere, die sich nicht zu solchen Freizeitaktivitäten aufraffen können und weiß: „Wenn man einmal den Anschluss verpasst hat, gibt es oft Ängste einzusteigen, weil man denkt, die anderen können schon viel mehr. Aber unsere Frau Drath bringt das jedem bei.“ Man solle sich etwas trauen und wollen, „dann freuen wir uns, wenn wir es kapiert haben“. Ihr Tipp: „Einfach kommen!“ Gerade im Alter seien viele Menschen einsam, diese Treffen würden helfen, damit besser fertig zu werden.

Auch mit Social Media haben sich einige langjährige Teilnehmer des Freitagskurses schon ein bisschen beschäftigt. Doch mit Facebook seien sie vorsichtig. Instagram und Snapchat ist nicht so ihr Ding, „nee, das wollen wir dann doch nicht“. Sie wissen aber, was es ist. Den Kurznachrichtendienst Whatsapp dagegen nutzen sie gern auf ihrem Smartphone – auch schnell mal heimlich unterm Tisch während des VHS-Unterrichts. Wie die 15-Jährigen.

Von Claudia Carell

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