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"Dammbruch an der Hegemühle in Ossa"

"Dammbruch an der Hegemühle in Ossa"

Narsdorf. Gefordert wie nie zuvor waren die drei Feuerwehren im Gemeindegebiet von Narsdorf in den Tagen des Hochwassers im Juni.

Rein rechnerisch sind Kameraden hier über 55 Tage lang rund um die Uhr im Einsatz gewesen, denn 1327 Stunden leisteten die drei Wehren insgesamt. Davon waren die Narsdorfer Feuerwehrleute 435 Stunden im Einsatz und die Rathendorfer 286. Hier ein Rückblick auf das Geschehen aus Ossaer Perspektive.

 

 

Selbst die ältesten Einwohner von Ossa können sich an kein Ereignis ähnlich wie die Flut vom 8. und 9. Juni erinnern. "Von der Stundenzahl her war es der größte Einsatz, den unsere Wehr bislang je geleistet hat", sagt Sören Petzold von der Ossaer Wehrleitung. Insgesamt 606 Stunden lang haben 18 Ossaer Feuerwehrleute zwischen dem 1. und 9. Juni Menschen aus ihren Häusern geholt, Sandsäcke verteilt, Autos vor der Flut gerettet...

Erst diese Woche ist der Ossaer dazu gekommen, die Statistik aufzumachen. Jede freie Minute nutzen die Kameraden nach wie vor zum Säubern und wieder Bestücken ihrer Ausrüstung. Am ersten Hochwasserwochenende, dem 1. und 2. Juni waren sie in Niederpickenhain und Narsdorf im Einsatz gewesen, in der Nacht zum 3. Juni schon sehr intensiv beispielsweise in Ossa und im Hegeholz.

 

 

Als am 8. Juni die große Flut über das Gemeindegebiet hereinbrach, führte sie die erste Alarmierung nach Narsdorf, wo Feuerwehrleute Bürger aus ihren Eigenheimen im Unterdorf rausholten. Gegen 18 Uhr dann kam per Funk die Meldung "Dammbruch an der Hegemühle". Eine Flutwelle durch Ossa war zu befürchten. Immerhin habe der komplett gefüllte Hegeteich ein Volumen von 220 000 Kubikmeter, erklärt Sören Petzold. So schnell es ging, haben die Feuerwehrleute Menschen in Ossa evakuiert, die letzten mit dem Traktor aus ihren Häusern geholt. Im modernen Gerätehaus des Dorfes, wo die Leitstelle für das Gemeindegebiet eingerichtet war, fanden alle erste Zuflucht, bevor sie bei Verwandten und Freuden unterkamen. Sieben Kameraden vom Technischen Hilfswerk Berlin-Neukölln waren gerade auf der Heimreise von Pegau, sie kehrten um und halfen in Ossa mit schwerer Technik. Auch vier Bornaer THW-Helfer wirkten mit. "Gott sei Dank hat der Damm gehalten", sagt der Feuerwehrmann mit großer Erleichterung, die damalige Horrormeldung stimmte nicht. Doch die Hegemühle mit ihren beiden Wohnungen und der Pension wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, das Wasser kam von allen Seiten, floss auch über die Dammkrone, die aber standhielt.

 

 

Krisenschwerpunkte waren neben der Hegemühle das Gemeindegebiet Ossa sowie Niederpickenhain, diesen Ort übernahm später die Rathendorfer Wehr. Menschen zu retten, hatte Priorität. Doch auch einige Autos konnte die Feuerwehr noch in Sicherheit bringen, einen aufgeschwemmten Gastank sichern. Sie verteilten Sandsäcke und pumpten Keller leer. Sonnabendabend ging das Wasser zurück, doch die Ossaer fuhren auch die anderen Ortsteile noch ab, sprachen mit den Leuten, halfen, wo nötig. "In so einer Extremsituation kann die Feuerwehr nicht überall gleichzeitig sein, da müssen wir die Bürger einfach um Verständnis bitten", betont Sören Petzold.

 

 

Gut fand er, dass Landrat Gerhard Gey sich am Sonntag vor Ort ein Bild machte, auch die kleine Kommune nicht vergaß. Gegen 13 Uhr spitzte sich die Lage am Hegeteich erneut zu. Ein relativ großer Baum im Bereich der völlig aufgeweichten Dammkrone drohte umzustürzen und hätte ein Loch in den Damm reißen können. Der Krisenstab der Gemeinde mit Bürgermeister und Gemeindewehrleitung beriet sich. Vorsorglich füllten Rathendorfer Kameraden 500 Sandsäcke. Sören Petzold zog eine Fachgruppe des THW in Borna zu Rate, bat sie um ihre Einschätzung der Lage. Vor Ort schaute sich Timo Heller, Zugführer des 1. Technischen Zuges beim Bornaer THW, mit einem weiteren Mitstreiter den Damm an. Schließlich fiel die Entscheidung, die Lage weiter zu beobachten und einen Teil des Wassers im Hegeteich kontrolliert in die Bach abfließen zu lassen. Schon wieder standen dunkle Wolken am Himmel, war starker Niederschlag angesagt. Der Damm hielt, die Gesamtlage blieb bis Montagabend aber noch sehr angespannt. Alle Ossaer Feuerwehrleute waren in erhöhter Einsatzbereitschaft, regelmäßig fanden Kontrollfahrten im Gemeindegebiet statt.

 

 

Dankbar ist die Wehrleitung den Arbeitgebern, die ihre Angestellten für diese Feuerwehreinsätze freistellten oder den Tausch von Diensten ermöglichten. Am 8. und 9. Juni seien die Kameraden fast rund um die Uhr in Schichten im Einsatz gewesen. "Da ging es nur schnell nach Hause, trockene Sachen anziehen und wieder raus", so Petzold, der im Namen der Ossaer Wehrleitung um Feuerwehrchef Lutz Andrae und Stellvertreter Daniel Harzendorf allen ein große Lob ausspricht. Danken möchte die Ossaer Feuerwehr aber auch allen, die ihr zur Seite standen: den Mitstreitern vom THW, der Narsdorfer Feuerwehr mit ihrem Wehrleiter René Gerhardt und der Rathendorfer Truppe um Thomas Benndorf - ebenso dem Landwirtschaftsbetrieb Steffen Lohmann aus Wenigossa, der Agrargenossenschaft Rathendorf sowie der Geithainer Landwirtschafts GmbH Bruchheim, die schwere Technik zur Verfügung gestellt haben. Gut angekommen ist bei allen Einsatzkräften die gute und schnelle Versorgung am 8. Juni durch den Rathendorfer Partyservice Volker Heft. "Vielen Dank auch allen anderen Helfern, die tatkräftige Unterstützung gegeben haben", betont Petzold.

 

 

Damit das Leben möglichst bald wieder in normalen Bahnen laufen konnte, hatten die Gemeindearbeiter bereits am 9. Juni mit ersten Aufräumungs- und Säuberungsarbeiten begonnen. Auch Angehörige der drei Feuerwehren haben an diesem Sonntag von 10 bis 17 Uhr im Gemeindegebiet aufgeräumt und mit dem Säubern begonnen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2013

Inge Engelhardt

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