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Geithain Das Dorf Nemt bei Wurzen ist die Herrentagshochburg
Region Geithain Das Dorf Nemt bei Wurzen ist die Herrentagshochburg
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00:18 28.05.2017
Als Grundlage zum Männertag serviert Wirt Jens Hempel in Nemt seinem Gast Henrik Hoffmann schon am frühen Morgen ein deftiges Eisbein, welches seit Jahren von Mutter Regina Quetschke zünftig zubereitet wird. Quelle: Frank Schmidt
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Landkreis Leipzig.

Der Himmelfahrtstag wurde im Landkreis Leipzig ausgiebig zu Ausflügen genutzt. Vor allem für die Männer floss reichlich Bier. Die Stimmung war, auch angesichts des Wetters prächtig.

Der Himmelfahrtstag wurde im Landkreis Leipzig ausgiebig zu Ausflügen genutzt. Vor allem für die Männer floss reichlich Bier. Die Stimmung war, auch angesichts des Wetters prächtig. Einige Impressionen.

Landläufig sieht ein gesundes Frühstück anders aus. Und so hätte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung – wenn er denn da gewesen wäre – am Donnerstag sicherlich bitterliche Tränen vergossen. Vielleicht hätte ihm aber auch der Zahn getropft. So wie den meisten Frühaufstehern von Nemt. Kein Wunder: Jens Hempel und Mutter Regina tischten wie jeden Morgen am Himmelfahrtstag lecker Eisbein auf. Eisbein zum Frühstück! Eisbein mit Klößen und Sauerkraut. All das Wasser, das den Gästen seit Jahren schon beim Gedanken an den selbst gemachten Meerrettich im Munde zusammenläuft, würde ein Meer ergeben, weshalb der Dorfkrug mitten auf dem platten Land wohl auch „Zum Anker“ heißt.

Den Sud vom Eisbein dickte Mama Regina traditionell mit Mehlschwitze an und gab scharfen Meerrettich hinzu. So gesehen, war alles wie immer am Herrentag. Und doch war es am Donnerstag sehr besonders. Die Hempels feierten ganz nebenbei das 100. Jubiläum des Hauses. 1917 nämlich hatten Hulda und Otto Oehmichen die Gaststätte eröffnet. Später übernahm Tochter Hildegard das Lokal und führte es zusammen mit Bernhard Lorenz weiter. In deren Fußstapfen traten Tochter Regina und ihr damaliger Mann Klaus Hempel.

Seit 2008 ist Sohn Jens Hempel der Chef im Ring. Himmelfahrt gilt als Großkampftag im „Anker“. Dann hält es keinen Hempel weder auf noch unter dem viel beschworenen Sofa. Jede Hand wird gebraucht. Während Jens die Eisbeine (und die Verantwortung) trägt, servieren seine Frau Anke, im wahren Leben arbeitet sie in einer Bank, und Tochter Valentina die Getränke. Bruder Maik, Betonbauer, steht im Garten hinterm Tresen. Reginas Ex-Mann Klaus gibt den Grillmeister.

Die Gäste strömten wieder aus nah – und fern. Einer von ihnen war Ingolf Kaluba. Der einstige Nemter, den es der Arbeit wegen nach Schleswig-Holstein verschlug, würde sich den Himmelfahrtstag in der alten Heimat nie und nimmer entgehen lassen. Er reiste extra 600 Kilometer mit der Bahn an und bezog Quartier in der Dehnitzer Pension Lehne. „Ich freue mich aufs Radfahren. Das Rad gehört zu mir wie das Pferd zum Cowboy.“ Vor allem sah er seine alten Kumpels wieder, Wilfried Fischer und Werner Beyersdorf, beide aus Nitzschka. Einen zünftigen Skat dreschen – das ist für ihn das Größte. Reizen, Null Ouvert, Grand Hand: Seit Jahrzehnten tingeln die drei am Vatertag durch die Lokale und spielen Karten. Ob in Wurzen, Bennewitz, Zschorna, Hohburg oder Nischwitz – mindestens zehn Stationen steuern die Pedalritter an. „Wer verliert, zahlt die Runde.“ Ausgangspunkt von Ingolf Kalubas Rundreise war einmal mehr der „Anker“ in Nemt. Nicht genug damit, dass sein Bruder Uli, leidenschaftlicher Maler, die ganze Kneipe mit Bildern ausstattete, hängen noch viele eigene Kindheitserinnerungen am Haus: „Ich werde nie vergessen, dass ein Zechpreller mal durch das Klofenster türmte. Wie der das bloß geschafft hatte, ein Mensch passte da eigentlich nicht durch.“

Die Hempels gehören zu Nemt wie das Eisbein zum Männertagsfrühstück: Da wäre zunächst Heinz Hempel, der Onkel von Wirt Jens – er ist der Vorsitzende des örtlichen Männerchors. Oder Jens’ Cousin Henry Hempel: Er ist Mitorganisator des Dorffestes. Sein Sohn Martin Hempel ist Pilot von Beruf. Henrys Frau, Silke Hempel, ist Ortschaftsrätin, genauso wie Dana, die Frau von Cousin Holger, der wiederum als Fußballer bei den Alten Herren spielt.

Und schließlich wäre da noch Vetter Harald Hempel. Den legendären Spaßmacher mit Rauschebart kennt in Nemt wirklich jedes Kind, nicht zuletzt, weil er immer den Weihnachtsmann spielt. Der Überlieferung nach sei er es auch gewesen, der sich bei der damaligen Wirtin Regina als Allererster zum Männertagsfrühstück sein Leibgericht wünschte: Eisbein mit Kartoffelklößen, Sauerkraut und Meerrettichsoße. „Eisbein mit Meerrett’ch, schön fett’sch! Die perfekte Grundlage, um tagsüber schön tief ins Glas gucken zu können“, witzelte er und stellte klar, dass er das natürlich nur einmal im Jahr mache.

Von Haig Latchinian

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