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Geithain Das Läute-Seil hat ausgedient in Thierbaum
Region Geithain Das Läute-Seil hat ausgedient in Thierbaum
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17:46 19.05.2015
Michael Klose beim läuten der Thierbaumer Kirchenglocken. Noch bedarf es wie seit Jahrhunderten eines Seils. Quelle: Jens Paul Taubert

Doch wohl nicht mehr lange: Das kleine Dorf setzt auf eine elektrische Läuteanlage. Die würde auch ein tägliches Abendläuten ermöglichen.

Vor dem Läuten steht das Treppensteigen hinauf in den Turm der kleinen Thierbaumer Kirche: Friedrich Klose, dem 17-Jährigen, macht das nichts aus. Aller zwei Wochen muss er sonntags früh aufstehen, um das Dorf und um zum Gottesdienst zu rufen. Übernommen hat er dieses Amt von seinem großen Bruder Heinrich (20), und wenn Not am Mann ist, springt sein Vater Michael Klose gerne ein. "Früher haben sich meist ältere Frauen um das Läuten gekümmert", erzählt der. Inzwischen trägt Familie Klose, von der Kirche nur durch die Dorfstraße getrennt, Sorge dafür. "Mit einem Abendläuten aber ist es schwierig. Wir können nicht gewährleisten, dass immer 18 Uhr einer von uns da ist. Das ist eigentlich schade", sagt Michael Klose, der zugleich Kirchvorsteher ist. Im Kirchenvorstand sei man deshalb übereingekommen, das Läutewerk zu modernisieren. Vorher muss das Landeskirchenamt ein Gutachten erstellen. Das klärt die Machbarkeit und legt die Kosten offen. "Gesammelt haben wir dafür seit mehreren Jahren, vor allem zu unseren Erntedank-Festen."

Eine Initiative, die Pfarrer Andreas Illgen, der von Schwarzbach aus zahlreiche Kirchgemeinden betreut, begrüßt. "Thierbaum ist eine kleine, feine Kirchgemeinde mit einem guten inneren Zusammenhalt", sagt er. Das sei deutlich geworden bei der Feier 150 Jahre nach der 1861 erfolgten grundlegenden Sanierung der Kirche. Das zeige sich bei der baulichen Erhaltung, beim Engagement für das Läutewerk - aber auch in Veranstaltungen, die maßgeblich der Kultur- und Heimatverein Thierbaum und Joachim Friedel anstoßen. Ein Höhepunkt des vergangenen Jahres sei das Konzert des renommierten Organisten Matthias Eisenberg gewesen, sagt Illgen: "Dafür sind wir sehr dankbar." Auch Joachim Friedel persönlich, der zu den Gottesdiensten ehrenhalber als Organist für die Musik sorge.

Neben Thierbaum wird in Illgens Verantwortungsbereich nur noch in Erlbach per Hand geläutet. Aber auch dort wird die moderne Zeit bald Einzug halten. Eine Entwicklung, die Anja Klose begrüßt wie bedauert. Ein regelmäßiges Abendläuten sei schön, gehöre einfach zu einem Dorf. Andererseits habe sie es genossen, die beiden aus den zwanziger Jahren stammenden Glocken per Hand in Schwingung setzen zu können. Die erste Viertelstunde eines neuen Jahres hoch oben im Turm zu stehen und zu läuten, wie es in Thierbaum Tradition sei, sei immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis - nun aber bald Geschichte: "Denn beides, das lässt sich leider nicht machen." Auch in der jüngsten Neujahrsnacht hatte sich eine kleine Gruppe von Thierbaumern und Auswärtigen eingefunden, um der Orgel zu lauschen, gemeinsam zu singen und zu musizieren - und dann zu läuten.

Baulich befinde sich die Kirche in einem akzeptablen Zustand, sagt Gerhard Köpping, Ortsvorsteher und Bauingenieur. "In den vergangenen Jahren haben wir ein bisschen Farbe aufgebracht, den Giebel gestrichen." Innen sei das Bauwerk komplett saniert nur am Dach, da müssen wir perspektivisch mal wieder was machen".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.03.2013

Ekkehard Schulreich

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