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Geithain "Das waren schon aufregende Zeiten"
Region Geithain "Das waren schon aufregende Zeiten"
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14:02 19.05.2015
Andra und Arno Heibutzki in Buchheim haben heute vor 60 Jahren geheiratet und feiern das Ehejubiläum mit der Familie. Quelle: Jens Paul Taubert

Aber der 85-jährige Buchheimer steht noch heute ein Stück weit in der Öffentlichkeit. Er hat sich nach der Wende eingesetzt für das neue Kraftwerk in Lippendorf - als Betriebsratschef und weit darüber hinaus. "So einen können sie doch nicht gehen lassen", habe Kurt Biedenkopf gesagt, als ihr Mann vor 20 Jahren in Rente ging, erzählt Andra Heibutzki. Die 81-Jährige hat ihrem Mann in all den Kämpfen stets den Rücken freigehalten.

Sie war fünf, als sie mit ihren Eltern nach Buchheim gezogen ist. Sie besuchte das Gymnasium in Borna bis die Bahnlinie Bad Lausick-Borna 1948/49 als Reparationsleistung nach dem verlorenen Krieg demontiert wurde. Weil es dann nur noch mit dem Fahrrad nach Borna ging, wechselte sie nach Leipzig. Nach dem Abitur arbeitete sie als Laborantin in Espenhain, war Büroangestellte in verschiedenen Stellen.

Er kam 1944 als Flüchtling aus Ostpreußen. Der 15-Jährige lernte Gleisbaufacharbeiter bei der Bahnmeisterei Bad Lausick. Die Bahnstrecke zwischen Narsdorf und Großpösna habe er mindestens dreimal komplett mit der Spitzhacke durchgearbeitet, erzählt er.

Kennengelernt haben sie sich 1950 in der Jugendherberge, wo die Buchheimer Jugend sich regelmäßig traf, verschiedene Themen diskutierte. Den 8. 8. hatten sich die beiden 1954 extra als Hochzeitstag ausgesucht. Die Ehe schlossen sie vor dem Standesamt in Buchheim, das es damals noch gab. Dann ging es an jenem schönen Sommertag zur Kirche am Adventshaus in Leipzig zur Trauung, die Buchheimer gehören der freikirchlichen Adventgemeinde an. Sie sind später mehrmals umgezogen, aber immer in Buchheim geblieben.

Im Februar 1967 ging Arno Heibutzki als Leiter der Anschlussbahn zum Aufbaustab für das Kraftwerk Thierbach. Die Kohle kam aus Espenhain, die Asche musste abtransportiert werden. Nebenbei absolvierte er ein Fernstudium an der Eisenbahnfachschule in Dresden. Er arbeitete im Kraftwerk, und die fast 900 Mitarbeiter wählten ihn nach der Wende zu ihrem ersten Betriebsratsvorsitzenden. Mit Stolz schaut der Buchheimer noch heute auf das neue Kraftwerk Lippendorf. Dass es entstand, daran habe er "mit gedreht". Die gesamte Kohle- und Energiegewinnung im Leipziger Südraum sollte damals zugemacht werden. Am 5. Juni 1992 sprach Arno Heibutzki auf dem Leipziger Markt vor 20 000 Berg- und Energiearbeitern. 1993 traf er als Betriebsrat Helmut Schmidt und diskutierte mit ihm.

Vor allem stand er aber in engem Kontakt zu Kurt Biedenkopf, überzeugte ihn, lange ehe dieser Ministerpräsident wurde, vom Potenzial der Region. Termine in Berlin und Bonn gehörten zum Engagement des Buchheimers. "Wir haben in dieser Zeit Sachen gemacht, für die wir gar nicht zuständig waren, weil es keine Autoritäten gab, die das machen wollten oder konnten oder durften", blickt der 85-Jährige zurück.

Als es dann hieß: "Wir bauen Lippendorf", war es geschafft. "Das modernste Kraftwerk Europas - es steht und produziert", sagt Arno Heibutzki. Er sei schon immer unbequem gewesen, so der Ehren-Bergmann, der das Bundesverdienstkreuz hat und den sächsischen Verdienstorden.

"Das waren schon aufregende Zeiten", blickt seine Frau zurück. Immer noch stecken im Briefkasten Einladungen zu Veranstaltungen, die meisten lehnt Arno Heibutzki ab, weil es unterdessen zu anstrengend ist.

Frisch im Ruhestand hatte er noch vier Jahre den Posten des Ortsvorstehers übernommen. Dass die neue Bahnbrücke in Buchheim schon breit genug ist, einen Radweg mit zu überspannen, hat er damals durchgeboxt. Diesen Weg nach Bad Lausick gibt es allerdings noch nicht.

Diese "anstrengenden, herausfordernden, schönen" Jahre haben die beiden zusammen getragen. Sie haben zwei Söhne und eine Tochter, die mit ihren Familien in Buchheim, Thierbaum und Dresden leben. Das jüngste der sieben Enkelkinder, Liliana Ninette, ist acht Jahre alt - die sechs älteren sind alle Jungs. Die beiden Großeltern haben große Freude an den Enkeln, verbringen viel Zeit mit ihnen. Andra Heibutzki macht ansonsten gern Handarbeiten, liest viel, gern zu geschichtlichen Themen. Ihr Mann interessiert sich schon immer für Weltgeschichte. Über die Nachrichten kommen sie oft ins Diskutieren.

Miteinander reden, das sei ganz wichtig, um so lange glücklich zusammenzuleben, sagt die Buchheimerin. "Vertrauen sollte man haben und alles aussprechen bis man auf den Punkt kommt." Eine Beziehung müsse immer wieder neu erarbeitet werden, sagt Arno Heibutzki.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2014
Inge Engelhardt

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