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Geithain Debatte in Geithain: Kritiker fordern Festhalten an staatlicher Schule
Region Geithain Debatte in Geithain: Kritiker fordern Festhalten an staatlicher Schule
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20:03 18.04.2018
Pauli in vollem Licht Foto: Jens Paul Taubert MTL BOG LVZ Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Sorgen um die Zukunft von Schule in öffentlicher Regie brachen sich auf der Sitzung des Geithainer Stadtrates am Dienstagabend Bahn. Den seit Jahren rückläufigen Schülerzahlen in der staatlichen Paul-Guenther-Schule steht das Wachstum des privaten Trägers zweier Gymnasien gegenüber. Um Lösungsansätze und Chancen für ein Miteinander aller Schultypen und Bildungskonzepte im Sinne einer für Geithain attraktiven Schullandschaft ging es in der vergangenen Woche in einer nicht öffentlichen Sitzung des Stadtparlaments.

Bereits Ende Januar hatte Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) die Spitzen beider Schulen und der Stadtverwaltung zu einer internen Unterredung eingeladen. Zu der begehrten Elternvertreter und Lehrer Zutritt, den Rudolph ihnen verwehrte. Nicht aus Gründen der „Geheimniskrämerei“ und mangelnder Bürgernähe, wie ihm Dr. Sabine Paul, Bürgerin und Lehrerin an der Paul-Guenther-Schule, am Dienstag vorwarf: „Wir waren zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage, das schon in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Dass die Paul-Guenther-Schule dieser Runde erweitern wollte, sei entgegen aller Absprachen erfolgt.

Bildung ohne finanzielle Schranken

Geithain brauche Bildung, die der breiten Masse – ohne finanzielle Schranke – zugänglich sei, mahnte Paul in der Einwohner-Fragestunde. Es treffe aus Sicht der Paul-Guenther-Schule nicht zu, dass man sich einer Zusammenarbeit mit den privaten Gymnasien verschließe. „Ist die Gründung einer freien Oberschule Grund für die Platzprobleme des privaten Trägers?“, wollte Paul wissen. Sie forderte Stadtrat und Bürgermeister auf, sich wie die Schulkonferenz der Paul-Guenther-Schule zu einer künftigen Einzügigkeit der staatlichen Schule zu bekennen: „Das sichert deren Weiterexistenz.“ Er hoffe, entgegnete Rudolph, im neuen Schuljahr auf endlich wieder zwei 5. Klassen: „Wir warten deshalb nach Rücksprache mit der Schulbehörde die endgültigen Anmeldezahlen ab.“

Die kostenfreie staatliche Schule zu erhalten, forderte Stadtrat und Pädagoge Udo Berger (UWG) in einer Erklärung, die er am Sitzungsende verlas. Der jetzt eingeschlagene Weg werde dazu führen, dass die öffentliche Schule in Geithain insgesamt ins Hintertreffen gerate. „Sie ist gegenüber dem freien Träger nicht konkurrenzfähig. Dies ist von staatlicher Seite so gewollt.“

Zu wenig Schüler für konkurrierende Einrichtungen

Die in Geithain proklamierte Vielfalt der Konzepte und Träger funktioniere auf dem Lande nicht, da es schlicht zu wenige Schüler gebe. Zudem sei es unredlich, Geld zum Maßstab für Bildungschancen zu machen. Die Paul-Guenther-Schule leiste eine gute Arbeit. Sie müsse gestärkt werden.

Eine Zusammenarbeit beider Träger brauche eine Vertrauensbasis. Die aber gebe es nicht, denn: „Zur Eröffnung des Wirtschaftsgymnasiums habe der Träger zugesichert, der Paul-Guenther-Schule keine Konkurrenz machen zu wollen. Das Versprechen wurde nicht gehalten.“ Es könne nicht sein, dass die Stadt jetzt den Schwarzen Peter zugeschoben bekomme. Berger formulierte mit Blick auf das Gedankenspiel, beide Schulen könnten, um das Platzproblem zu lösen, die Gebäude tauschen: „Ich bin Gegner der privaten Bezahlschule. Ich möchte sie nicht in Geithain und schon gar nicht in den Räumen der Paul-Guenther-Schule.“

Die Debatte wird fortgeführt

Eine „öffentliche Schule, für alle gleich, steht für mich vornan“, sagte Lutz Hiller (Freie Wähler Narsdorf). Das war unter anderem Gesprächsthema des Forums „Familie und Kinder in Geithain“, das sich am Montag mit dem Bürgermeister zu einer ersten Aussprache traf. Allerdings sei der Handlungsspielraum für die Stadt sehr begrenzt, da die Bildungspolitik vor allem Ländersache sei. Die Kommune sei aber nicht in der Pflicht, Platzprobleme des privaten Anbieters zu lösen. Gabriele Sporbert (CDU) wollte wissen, ob es zwischen der Paul-Guenther-Schule und dem Internationalen Wirtschaftsgymnasium eine Kooperationsvereinbarung gebe, beziehungsweise welche Vereinbarungen mit anderen Schulen bestehen.

Die Verwaltung werde bis zur nächsten Ratssitzung diese Informationen in der Schule erfragen und den Räten mitteilen, sagte der Bürgermeister. Er zeigte sich nach der Debatte sehr verwundert darüber, „dass interne Themen des Sonderstadtrates öffentlich debattiert werden“.

Von Ekkehard Schulreich

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