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Geithain Denkmalschutz: Geithain sieht sich ausgebremst
Region Geithain Denkmalschutz: Geithain sieht sich ausgebremst
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09:46 30.04.2018
Magnolien am Ortseingang von Wickershain: In diesem Geithainer Ortsteil sollen 20 Bauplätze entstehen, doch die Stadt Geithain ist unseins mit der Denkmalpflege. Quelle: Andreas Döring
Geithain

Erst einen Bebauungsplan erarbeiten – und dann vielleicht doch ein Nein kassieren? – Der Geithainer Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) bekennt seine Schwierigkeiten, die Auffassung der Denkmalbehörde des Landkreises nachzuvollziehen. Es geht um 20 Eigenheim-Bauplätze, die ein privater Investor in Wickershain erschließen möchte. Um an dieses Baugebiet, auf dem zur Zeit noch marode Stallanlagen stehen, zu gelangen, muss über einen vor langem schon aufgegebenen Hof gefahren werden. Allerdings machen ein Wohnstall und ein altes Wohnhaus mit Fachwerk-Obergeschoss die Zufahrt zu einem Nadelöhr; die einst zum Ensemble gehörende Scheune steht schon längst nicht mehr.

Abbruch ist Voraussetzung für Wohngebiet

„Eigentümer und Stadt haben einen Abbruch-Antrag gestellt. Der Abbruch ist Voraussetzung für dieses Wohngebiet“, sagt Rudolph. Die Behörde habe das zurückgewiesen und fordere statt dessen einen finanziell und zeitlich aufwendigen Bebauungsplan. „Da frage ich mich ernsthaft, warum wir derart in Vorleistung gehen sollen – um dann vielleicht doch nur eine Absage zu bekommen.“

Rudolph: Behinderung der Stadtentwicklung durch die Behörde

Immerhin müsse man für den Plan an die 30 000 Euro veranschlagen. Rudolph spricht deshalb von einer „Behinderung der Stadtentwicklung durch die Behörde“. Das stehe in klarem Gegensatz zu dem, was die Landesregierung seit Monaten propagiere: den ländlichen Raum attraktiver zu machen, um Menschen hier zu halten und Ansiedlungswillige zu gewinnen. Die Nachfrage nach Bauflächen sei ungebrochen hoch. Im neuen Wohngebiet Kirschhöhe, das die Stadt selbst erschließe und in dem Ende des Jahres die ersten Häuser errichtet werden könnten, seien alle zwölf Bauplätze bereits reserviert. Deshalb sei man mit dem Investor der Siedlung Südhang im Gespräch über mögliche Erweiterungen.

Kreis: Genehmigung derzeit nicht möglich

„Wenn der Bebauungsplan zur Erschließung es erfordert, kann eine Abrissgenehmigung für das Seitengebäude in Aussicht gestellt werden, weil dann die öffentlichen Belange in die Abwägung zum Denkmalschutz einfließen“, formuliert Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes, den Standpunkt der Behörde. Aktuell aber gebe es nicht einmal den Entwurf eines solchen Plans. „Es ist außerdem möglich, dass der B-Plan aus anderen Gründen scheitert. Ein Abrissantrag kann deshalb zum jetzigen Verfahrensstand nicht genehmigt werden.“

Werde jetzt ein Abbruch genehmigt, gehe ein bau- und heimatgeschichtlich bedeutsames Gebäude unwiederbringlich verloren. Im Gegenzug gebe es ja noch keine verbindliche Rechtsgrundlage für die Bebauung regelt. „Was spricht dagegen, der Kommune die Zeit für die Planung zu lassen, alle, die notwendig sind, zu beteiligen und dann zu beschließen?“ Das Wohngebäude stehe nicht um Weg und deshalb nicht zur Disposition; es sollte in das geplante Wohngebiet integriert werden. „Wickershain ist fast 900 Jahre alt, es stand immer Altes und Neues nebeneinander – genau das versuchen wir gerade zu erreichen.“

„Wir haben nichts gegen Denkmale. Wir haben im Stadtgebiet viele, freuen und darüber, pflegen sie“, sagt Frank Rudolph. Die Argumentation der Denkmalschützer hinsichtlich des Wohngebietes in Wickershain sei für ihn aber weder nachvollziehbar noch praktikabel: „Wir sollten uns als Kommune das nicht gefallen lassen.“ Er hoffe, dass am 2. Mai eine annehmbare Übereinkunft erzielt werde. Er habe alle Verantwortlichen zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen.

Von Ekkehard Schulreich

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