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Der tägliche Wahnsinn -Schüler warten 55 Minuten auf den Bus

Der tägliche Wahnsinn -Schüler warten 55 Minuten auf den Bus

14.40 Uhr, Unterrichtsschluss, die Schultür geht auf, der Schulbus biegt um die Ecke - nachdem er Augenblicke zuvor die Haltestelle am Geithainer Gymnasium passiert hat und niemand zustieg, weil niemand da war.

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Der Schulbus wird 14.35 Uhr an der Geithainer Paul-Guenther-Schule gut frequentiert, kurz zuvor am Gymnasium bleibt die Haltestelle verwaist.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Ganze drei Minuten liegen zwischen der Busabfahrt und dem Schulschluss. Sie bescheren den Heranwachsenden 55 Minuten Wartezeit auf die nächste Heimfahrmöglichkeit. Seit Jahren ist das so - und eine Lösung nicht greifbar.

"Das ist doch Wahnsinn, dass unsere Kinder nach einem anstrengenden Schultag so lange warten müssen", sagt Anja Hentke-Stets. Die 42-jährige Frankenhainerin weiß sich eins mit zahlreichen anderen Eltern, die diese Situation als nicht hinnehmbar betrachten. Und sie bislang doch hinnehmen müssen, da Interventionen beim Landkreis und dem Busunternehmen ThüSac nichts brachten und das seit 2013 beschriebene Papier geduldig ist.

In Summe geht es um die Abfahrtszeit von vier Buslinien: Linie 279 steuert 14.37 Uhr vom Gymnasium aus die Paul-Guenther-Schule an und rollt dann über die Dörfer gen Borna. Würde der Bus zuerst an der Paul-Guenther-Schule halten und danach am Gymnasium, wäre er für die Gymnasiasten gerade zu schaffen, so die Argumentation. Der nächste Bus fährt erst 15.32 Uhr. Linie 264 Richtung Kohren-Sahlis fährt 14.34 Uhr ab; der nächste Bus folgt 15.24 Uhr. Der Bus nach Ebersbach fährt 14.32 Uhr ab, der nächste erst 15.27 Uhr. Auch der Bus Richtung Narsdorf und Jahnshain ist nicht zu schaffen. Nach der neunten Stunde ist die Situation kaum besser. "Unsere Kinder müssen 45 Minuten und länger warten, während die Busse leer abfahren", kritisiert Kerstin Rauner, die frühere Vorsitzende des Elternrates des Geithainer Gymnasiums nicht verstehen. Die Busse würden mit unser aller Steuergelder subventioniert. Die seit mehreren Jahren gepflegte Praxis, an den Bedürfnissen der Schüler förmlich vorbeizufahren, sei widersinnig.

Und nicht nur widersinnig, ist sich Anja Hentke-Stets sicher: auch gesetzeswidrig. Schließlich regele die Schülerbeförderungssatzung des Landkreises in Paragraf 8 die "zumutbare Wartezeit": "Von maximal 45 Minuten ist dort die Rede. Kann die nicht gehalten werden, muss der Kreis einen zusätzlichen Bus einsetzen", so ihre Forderung. Oder Eltern, die dann gezwungenermaßen ihre Sprösslinge mit dem Auto holten, diese Kosten ersetzen.

"Aus unserer Sicht wäre es zweckmäßig, die Unterrichts- und Pausenzeiten so zu gestalten, dass das Warten auf den Bus minimiert wird", sagt ThüSac-Geschäftsführer Stephan Bog auf Nachfrage der LVZ. Die Schülerbeförderung am Schulstandort Geithain sei sehr komplex. Änderungen von Abfahrtszeiten hätten eine größere Auswirkung auf das Gesamtsystem. Bog weist dem Gymnasium die Schuld an den Problemen zu: "Bis zur einseitigen, nicht mit uns abgestimmten Änderung der Unterrichtszeiten am Gymnasium in Geithain bestanden weitestgehend stimmige Abfahrtszeiten."

Diesen Vorwurf kann Ingeburg Schmuck, Leiterin des Internationalen Gymnasiums, so nicht stehen lassen: "Bei uns gibt es mehr Unterricht als in anderen Einrichtungen. Und ich kann nicht die letzten Stunden kürzen, damit die Busse erreicht werden." Inzwischen sei das Gymnasium auf mehr als 200 Schüler angewachsen; dem müsse bei der Beförderung deutlicher Rechnung getragen werden. "Gemeinsam muss es doch gelingen, das Problem aus der Welt zu schaffen", sagt sie. Spätestens bis zum Beginn des neuen Schuljahrs.

"Dass sich Busabfahrtzeiten mit Unterrichtsschluss um wenige Minuten überschneiden, ist seit Jahren ein ungeklärtes Problem", bestätigt Geithains Bürgermeisterin Romy Bauer (parteilos). Eine vor einem Jahr vom Landratsamt angekündigte Studie dazu habe nach ihrer Kenntnis keine Ergebnisse gezeitigt. Alle Verantwortungsträger sollten noch einmal mit Blick auf das kommende Schuljahr an einen Tisch: "Ich bin sicher, es gibt eine vernünftige Lösung."

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen bleibt Anja Hentke-Stets skeptisch. "Wir werden das Gefühl nicht los, dass seitens des Landkreises und der Thüsac kein ernsthaftes Interesse besteht, die Situation für unsere Kinder zu verbessern, weil sie eine freie Schule besuchen." Dass es kompliziert sei, einen Fahrplan zu erstellen, der allen möglichst gerecht werde, verstehe sich von selbst. "Doch würde man dort dem Problem den gleichen Stellenwert beimessen, wie wir Eltern, müssten doch zwischenzeitlich Ergebnisse vorliegen. Stattdessen wird in jedem Schuljahr wieder der alte Fahrplan präsentiert."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.06.2015
Ekkehard Schulreich

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