Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Detlef Lieffertz führt ins Hintersinnige
Region Geithain Detlef Lieffertz führt ins Hintersinnige
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:01 04.06.2018
Zu den Arbeiten, die Detlef Lieffertz in der Geithainer Stadtbibliothek zeigt, gehört dieses Triptychon, zugeeignet Til Lindemann, Dichter und Sänger der Band „Rammstein“. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain

An dem Mann, dem im Stürzen der Lorbeerkranz entgleitet, müssen Kabarett-Besucher seit Jahrzehnten vorbei, wenn sie in Leipzig hinabsteigen zu den „academixern“. Die hier installierten „Mitmenschen“ gehen auf Detlef Lieffertz ebenso zurück wie die blattvergoldete Bücherwand im Haus des Buches, Ausstellungsgestaltungen im Grassimuseum oder die Gedenktafel an Martin Drucker, einst Präsident des Deutschen Anwaltsvereins.

Künstler zeigt Digigrafien

Ganz andere Seiten zieht der Maler, Grafiker und Designer jetzt in der Geithainer Stadtbibliothek auf: Er zeigt Digigrafien, Blätter, die zwar in letzter Konsequenz Druck(er)-Werke sind, ungeachtet dessen aber archaische Kunst aus sich überlagernden Bildern, collagiert, verfremdet, traditierte Horizonte zu neuen weitend.

„Serien sind das nicht. Das meiste gibt es nur einmal“, sagt Detlef Lieffertz, die Möglichkeit der im digitalen Zeitalter möglichen erschöpfenden Wiederholung meidend: Selbst wenn er ein Blatt schließlich dem Rechner einverleibt, um es auf Leinwand oder Büttenpapiere zu drucken, reißt der Prozess des Schaffens nicht ab, ist kein Schlusspunkt gesetzt, der bloßes Duplizieren rechtfertigte.

Lieffertz sucht das Grenzüberschreitende

Digitaler Chancen und Risiken zum Trotz schätzt er das Archaische, das Geerdete – was nicht überrascht, lernte der in Leipzig Geborene doch Dekorationsmaler, wurde Handwerksmeister, ehe er von 1978 bis 1983 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei und Grafik studierte. Hartwig Ebersbach und Heinz Wagner hießen seine Lehrer.

Seit dreieinhalb Jahrzehnten freischaffend tätig, sucht Lieffertz das Grenzüberschreitende, das Mehrdimensionale. Letztlich ist ihm die Digigrafie wie anderes solch ein Mittel zum Zweck. „Aus oppositionellen Gründen heraus habe ich damals an der Hochschule mal mit der Spritzpistole gearbeitet. Das missfiel manchem. Heisig aber hat das akzeptiert: Hauptsache, es kommt was raus!“, erinnert er sich.

Vierseithof wurde zum Kunst-Ort

Herausgekommen ist er längst aus der sich in den Nachwende-Jahren rasant verändernden Stadt. Als Mitbegründer des Vereins Neue Ufer war er in den Neunzigern Anreger und Mitgestalter vieler Kunst-, stadtgestalterischer und bürgerschaftlicher Projekte („Pleiße ans Licht“), arbeitete eng mit Heinz-Jürgen Böhme zusammen.

Nach der Jahrtausendwende aber entzog er sich Betrieb, Getriebe, Getriebensein aufs Land, baute in Beedeln zwischen Rochlitz und Wechselburg einen Vierseithof zum Kunst-Ort um. Die Leipziger Studenten, etwa die Fachklasse von Annette Schröter, sind gern zu Gast. Hier arbeitet Lieffertz. Bilder entstehen, Plastiken, (Lebens-)Räume („Für die ganz feine Malerei ist Triegel zuständig!“).

Schau läuft bis zum 5. September

Nach Geithain holte ihn Bibliothekarin Ramona Kratz, die in der Leipziger Galerie Könitz vor Jahren auf Detlef Lieffertz aufmerksam wurde. Ihm kommt das zupass: „Die Leute fragen mich häufig: Was machst du eigentlich auf deinem Hof?“

Die Ausstellung „Vielgeschichtiges“ lässt es bis zum 5. September zumindest ahnen: Schichten, Gesichte, Geschichte dringen auf den Betrachter ein, der sich vertiefen muss, um zu Grunde zu kommen – und dort fündig wird. Lakonisch und allenfalls Fingerzeige die Titel wie „Alle Vögel warn schon da“, „Afrika“ oder „Immer bereit“. Freundlich-warme Farben laden ein, das Morbide, Bedrohte, Bedrohliche erst auf den zweiten Blick wahrzunehmen. Von Verklärung spricht Lieffertz. Eine Verführung in vielerlei Sinn.

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rochlitz ist weitab vom Netz – der Bahn: Oberbürgermeister Frank Dehne möchte das ändern. Er schlägt eine direkte Route Richtung Leipzig vor. Geithain begrüßt das, Dresden ist reserviert.

07.06.2018

Wohl ein technischer Defekt hat am Sonntag auf der A72 kurz nach der Abfahrt Geithain zu einem Brand eines Autos geführt. Die beiden Insassen kamen mit dem Schrecken davon und konnten das Fahrzeug unverletzt verlassen.

04.06.2018

Mit 37 Mannschaften aus 16 Jugendfeuerwehren war der Kreispokallauf in Frohburg stark besetzt. Am erfolgreichsten schnitten die Teams aus Westsachsen ab, die aus Mädchen und Jungen der Geithainer Dörfer Ossa, Rathendorf und Narsdorf bestanden.

04.06.2018