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Deutsche Bahn setzt „Geithainer“ aufs Gleis

Premiere mit Prominenz Deutsche Bahn setzt „Geithainer“ aufs Gleis

Gelbe Türen, ein schwarzer Schriftzug „Der Geithainer“: Stadtfarben trägt der Triebwagen, der Geithain und Leipzig in 46 Fahrtminuten miteinander verbindet. Die Deutsche Bahn, die die Linie seit Mitte Juni bedient und sich bei der Neuausschreibung gegen den Konkurrenten MRB durchsetzte, feierte am Dienstag in kleinem Rahmen „Geithainer“-Premiere.

Haben in Geithain den „Geithainer“ präsentiert (v.l.): Landrat Henry Graichen, Geithains Bürgermeister Frank Rudolph, ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch sowie Henriette Hahn und Frank Klingelhöfer von DB Regio.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain.  Punkt 10.33 Uhr stand das Signal am Dienstag für den „Geithainer“ auf Grün: Die reguläre Regionalbahn von Geithain über Bad Lausick, Belgershain und Liebertwolkwitz nach Leipzig erfuhr ungewohnten Zuspruch. Die Deutsche Bahn AG und der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) hatten eingeladen zu einer etwas verspäteten Premiere, denn diese Züge sind bereits seit dem kleinen Fahrplanwechsel Mitte Juni unterwegs. Damals übernahm die DB Regio die Strecke, setzte in den ersten Wochen allerdings rot lackierte Triebwagen ein. Die mit dem Namen „Der Geithainer“ allerdings kommen neu gestaltet in Silber, Gelb und schwarz daher und greifen damit – unbewusst oder nicht – die Geithainer Stadtfarben auf.

„Wir freuen uns, dass unsere Stadt einen eigenen Zug bekommt“, sagte Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) auf Bahnsteig 4 während des kurzen Wende-Stopps, den das Fahrzeug einlegte. Die hervorragende Bahnanbindung Geithains vor allem in Richtung Leipzig sei „für die gesamte Region eine Bereicherung“. In 46 Minuten bringe der Geithainer die Reisenden in die Messemetropole oder zu 13 Stationen unterwegs – eine gute Ergänzung zur S-Bahn in DB-Regie und zum Regionalexpress Leipzig – Chemnitz, den Konkurrent Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) aufs Gleis stellt. „Ein Stück Annäherung an Leipzig macht auch unsere Stadt lebenswerter“, so Rudolph.

Mit 1200 Menschen, die in Geithain täglich ein- oder ausstiegen, sei dieser Bahnhof „ein wichtiger Verknüpfungspunkt im Landkreis“, bestätigte Landrat Henry Graichen (CDU). Dessen Bedeutung wachse, wenn im neuen Jahr der integrale Busfahrplan in Kraft gesetzt werde, der kleineren Orten eine gute Anbindung an die Stadt und an die Züge ermögliche. „Aktuell erleben wir eine sehr rege Nachfrage nach Bauland im Umkreis von Leipzig“, so Graichen. Die Attraktivität der Städte und Dörfer als Wohn- und Lebensorte werde durch eine günstige Verkehrsanbindung erhöht.

„Ein starkes Signal und ein gutes Signal an die Reisenden, aber auch an unsere Mitarbeiter“, nannte Henriette Hahn, Leiterin Mitteldeutschland bei DB Regio Südost, dass die Deutsche Bahn die Linie wieder bediene, nachdem hier zuvor über Jahre die MRB unterwegs war. Der Vertrag gilt für neuneinhalb Jahre. Dank auch der S-Bahn sei Geithain bestens mit dem Umland vernetzt. ZVNL-Geschäftsführer Oliver Mietzsch sagte, „Wettbewerb belebt das Geschäft. Darüber freuen sich die Fahrgäste und auch der Steuerzahler, in dessen Interesse die Ausschreibungen schließlich stattfinden“. Einige rote Züge würden auch in den nächsten Wochen noch auf der Strecke sein, denn die Umrüstung und Umlackierung auf „Geithainer“-Aussehen brauche Zeit. Erfreulich sei, dass die Bauarbeiten auf der Strecke, die im Juli Reisenden einiges zugemutet hätten, abgeschlossen seien.

Gut an das Bahnnetz angebunden sei Geithain zweifellos, sagte Erika Kapper. Die Geithainerin, die die Jungfernfahrt der S-Bahn vor zweieinhalb Jahren miterlebte, reiste am Dienstag wie mehrere Geithainer Stadträte und der Belgershainer Bürgermeister Thomas Hagenow mit dem Premieren-„Geithainer“ nach Leipzig. An ihrer Seite Jens Kapper und Ilona Opitz. „Wir wollen uns das einfach mal anschauen“, sagte Letztere, die den Zug nur gelegentlich nutzt. Kritik gab es an den sich häufenden Verspätungen und Zugausfällen bei der S-Bahn. Und am Fehlen einer Toilette auf dem Geithainer Bahnhof.

Für unbestimmte Zeit aufgeschoben erscheint eine millionenschwere Investition, die die Attraktivität der Schienenwege zwischen den Großstädten Leipzig und Chemnitz via Geithain noch erhöhen würde: die durchgängige Elektrifizierung. Im Referentenentwurf des Bundesverkehrswegeplans bis 2030 ist die Trasse nicht enthalten. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zeigte sich Ende vergangener Woche allerdings optimistisch, dass dieser Entwurf nicht das letzte Wort sein könnte. Dass die Deutsche Bahn diesen Ausbau fordere, liege auf der Hand, sagte am Dienstag Bahnsprecher Jörg Bönisch: „Wir haben die Vorschläge des Freistaates unterstützt, denn über die Sinnhaftigkeit muss man nicht diskutieren.“ Aber angesichts der vielen Begehrlichkeiten bundesweit und überschaubarer Finanzmittel sei zurzeit offen, ob man die Elektrifizierung in diesem Zeitraum werde stemmen können.

Von Ekkehard Schulreich

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