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Geithain Dorftheater holt „Räuber“ in die Gegenwart
Region Geithain Dorftheater holt „Räuber“ in die Gegenwart
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04:51 28.08.2018
Textprobe im Klassenzimmer: Das Dorftheater JaLiMeu nimmt sich Schillers „Räuber“ vor, 2. v. r. der Regisseur Marc Mascheck, 3. v. li. Mitwirkende Simone Plaschtokat. Quelle: Ekkehard Schulreich
Frohburg/Jahnshain

Als Schillers „Räuber“ 1782 in Mannheim uraufgeführt wurden, geriet das zu einem veritablen Skandal: Unerhört war, was da auf der Bühne ausgetragen wurde, kein bloßer Bruderzwist, sondern ein Klassenschranken niederreißendes Ringen um Recht, Gerechtigkeit. Etwas Welterschütterndes. Derart gewaltig wird nicht, was das Dorftheater JaLiMeu am 8. September auf die Bühne bringt.

Plakat zur Aufführung in Jahnshain. Quelle: privat

Die besteht, im nicht eben üppigen Winkel zwischen alter Jahnshainer Schule, Pfarre und Scheune gelegen, auch weniger aus die Welt bedeutenden Brettern als vielmehr Rasen, den zurzeit noch Schafe kurz halten. Seit Mai sind Theaterbegeisterte aus drei Dörfern und drei Generationen am Proben für ein akzentuiert gegenwärtiges Stück „Die Räuber von Schiller oder: Macht ist geil“.

Kaum haben sie ihre grünen Jägermützen übergestülpt, sind sie Räuber: Mit Geheul wuseln die Zehn-, Zwölfjährigen durch den Raum. „Angriff“, ruft Lenny – auf die Soldaten, die die Höhle umstellt haben. In der JaLiMeu-Inszenierung sind die Militärs Banker, Machtausübende anderer Art.

Schiller auf die heutige Zeit übertragen

Szenenwechsel, der Hutwechsel ist: Die Jungs, von entfesselter Spielfreude, tragen jetzt Melonen, sind die plötzlich gejagten Staatstragenden. Schnitt. Regisseur Marc Mascheck unterbricht die Probe, verteilt Textkladden mit dem Stoff, der zwar auf Friedrich Schiller gründet, von den Schauspielern allerdings extrahiert wurde. „Wir haben gemeinsam geschaut, was man auf die heutige Zeit übertragen kann“, sagt Mascheck, der mit seiner Frau Franziska seit drei Jahren in Linda lebt, der Theaterpädagoge ist und vorher schon in Berlin szenisch arbeitete.

Das Ende ist neu erfunden

Das Dorftheater JaLiMeu nimmt bei seiner allerersten Inszenierung den Text als Leitfaden, das Original als Resonanzraum. Seit Mai sitzt man beisammen, überdenkt, hinterfragt, probt. „Das klassische ,Räuber‘-Ende will die Gruppe nicht, kein so dramatisches; wir haben ein neues erfunden“, sagt Mascheck. Welches, wird erfahren, wer die Premiere und bisher einzige Vorstellung am 8. September beim Sommerfest der Dörfer Jahnshain, Linda und Meusdorf – gleich JaLiMeu – besucht.

Proben versetzen in die Schulzeit zurück

„So etwas hält doch die Menschen zusammen, ich finde das gut“, sagt Simone Plaschtokat, die das Bühnengefühl vom Fasching her kennt, „ganz früher“, und die jetzt in die Rolle der Amalia schlüpft, der Frau zwischen den so ungleichen Brüdern Karl (der zum Räuber wird) und Franz (der die Intrige spinnt). Udo Plaschtokat (der alte Moor) sieht sich bei den Proben in seine Schulzeit zurück versetzt: „Hier habe ich Rechnen und Schreiben gelernt, später war es das Arztzimmer.“ Alma, die mit fünf Jahren jüngste Darstellerin, gefällt sich in der Rolle als Räubermädchen, „weil wir Menschen Geld wegnehmen, die zu viel haben“ – und widmet sich in Probenpausen ihrer Barbie.

Viele geben Unterstützung

Neben dem Dutzend Schauspielern, darunter sogar eine komplette Familie, braucht es Unterstützer aus den Dörfern. Sie kümmern sich um Kostüme, um die Bühnenausstattung. Die Jahnshainer Feuerwehr kommt mit ihrem Martinshorn zum Zuge. Ein Stück aus einer Gruppe heraus zu entwickeln, nennt Marc Mascheck einen besonderen Reiz.

Parallel sind Szenen fürs Rochlitzer Schloss entstanden

Parallel zu Schiller in JaLiMeu hat er für das Rochlitzer Schloss Szenen geschrieben, zugeschnitten auf die bemerkenswerte Schwarzküche dort; Premiere am 28. September. Und er arbeitet mit dem Kinderchor des Leipziger Gewandhauses an der Jahresproduktion, die am 27. Oktober dort zu sehen ist.

Alle sind zur Premiere willkommen

Vor dem Dorftheater stehen noch einige Abende, in denen zusammengeführt werden muss, was in Gruppen entsteht, ehe der symbolische Vorhang sich am 8. September, 19 Uhr, öffnet – ausdrücklich nicht nur für die Leute aus JaLiMeu. Gefördert wird die Produktion durch den Landkreis Leipzig und die Lokale Partnerschaft für Demokratie.

Von Ekkehard Schulreich

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