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Geithain Dutzendweise Eier auf der Fahrbahn: Bad Lausicker rätseln über nächtliche Attacken
Region Geithain Dutzendweise Eier auf der Fahrbahn: Bad Lausicker rätseln über nächtliche Attacken
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12:00 25.03.2017
Eierschalen auf der Bad Lausicker Straße im Neubaugebiet. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Bad Lausick

Ei verbibbsch, was ist denn im Bad Lausicker Neubaugebiet los? Eier werden nächtens auf dem Asphalt zu pyramidenähnlichen Gebilden getürmt. Großpackungen mit Hühnerfrüchten zu ganz früher Stunde auf die Fahrbahn geworfen. Verfrühte, verrückte Ostergrüße eines Unbekannten? Mitnichten. Die rätselhafte Eiervernichtung beobachten Anwohner bereits seit Ende vergangenen Jahres. Meist sind, wenn der Tag graut, nur noch zerfahrene Schalen und schleimige Pfützen zu sehen. Zig Dutzende Eier, so eine vorsichtige Hochrechnung, wurden so in den vergangenen Wochen und Monaten zweckentfremdet. Im Wohngebiet ist das ein Gesprächsthema, das höchst spekulativ diskutiert wird. Alles gipfelt in Fragen: Wer tut so etwas? Und vor allem: Warum?

„Zu Wochenbeginn war da ein frisch zermanschter Haufen ganz nahe meines Geschäftes“, erzählt Andreas Brauer, der im Bad Lausicker Neubaugebiet ein Laden für Sicherheitstechnik betreibt. Seit vielen Wochen schon gehe das so, dass auf der Erich-Weinert-Straße, der Lessingstraße, der Schillerstraße immer wieder Eier abgeladen würden: „Das ist schon kurios.“

Bestimmt zweimal in der Woche gebe es Vorfälle dieser Art, nicht nur in der Kurve, wo sich die alte Kaufhalle befindet, bestätigt Andreas Kahl: „Das geht ständig so. Die Eier fliegen mit der Verpackung auf die Straße. Beobachtet hat das allerdings noch keiner, das ist das Komische.“ Der erhebliche Autoverkehr sorgt dafür, dass die Überreste schnell verschwinden. Darüber hinaus haben offenbar Krähen den besonderen Nährwert der Eier erkannt und kümmern sich gern um die Entsorgung der Überbleibsel.

„Ich dachte erst, die haben ein Huhn breit gefahren“, sagt ein Mann, auf die Eierwürfe angesprochen. Der Fleck auf der Fahrbahnmitte sei groß gewesen wie ein Suppenteller. Seine Frau erzählt, ihr sei das Geschehen schon mehrfach aufgefallen, „früh, wenn ich zur Arbeit gehe“. Unerklärlich sei das und bewege viele: „Irgend eine Bewandtnis muss es doch haben.“

„Meine Frau ist ganz zeitig unterwegs. Sie trägt die Zeitung aus und hat schon oft Eier auf der Straße gesehen, manchmal gestapelt zu einer Art Pyramide“, sagt Rolf Miersch. Demnach muss der Unbekannte schon weit vor 4 Uhr in der Frühe sein Unwesen treiben, und das bis zu zwei-, dreimal in der Woche. „Wir haben noch nie einen erwischt. Das ist alles sehr rätselhaft.“

Eindeutiger sind da politische Eier-Bekenntnisse wie jener Wurf, der den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1991 in Halle buchstäblich (be-)traf und ihn für Augenblicke seine gute Kinderstube vergessen ließ. Wie klar die Werbebotschaft aus jenen DDR-Jahren, da die Eierproduktion industrielles Ausmaß annahm: Nimm ein Ei mehr! Was und wer auch immer hinter der aktuellen Bad Lausicker Eierei steckt: Sie muss erheblich ins Geld gehen, sofern der Verursacher nicht selbst drei Dutzend Hühner hat und die in einer Überproduktionskrise sieht.

Dass angesichts dieser Gemengelage die Gerüchte ins Kraut schießen, kann nicht verwundern. Und dass manche der Erklärungsversuche ebenso abenteuerlich sind wie die Eierattacken selbst: Ein (Fruchtbarkeits-)Kult wird von manchem erwogen, Hinweise auf gerade eingetroffene Drogenlieferungen vermutet, Verbindungen zu seit ein paar Monaten in der Nachbarschaft untergekommene Flüchtlinge unterstellt. Im Rathaus winkt Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos) ab: „Wir wissen noch nicht, wer das ist.“ Ansätze für Ermittlungen sieht Ordnungsamtschef Christian Weinert kaum, an den Anwohner die Sache ebenso herantrugen, zumal die Verunreinigungen nicht von Dauer seien: „Es ist ein Rätsel. Keine Ahnung, wer das macht und was er bezwecken will.“

Von Ekkehard Schulreich

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