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Ebersbacher Kolbenfresser sorgen dafür, dass Schwalbe, S 51 und MZ wieder rollen

Dorffest Ebersbacher Kolbenfresser sorgen dafür, dass Schwalbe, S 51 und MZ wieder rollen

Sie fahren noch: Simson, MZ, die Vogelschar. Längst hat die Generation jene robuste Zweirad-Technik für sich entdeckt, die mit der DDR schon qua Geburt nichts mehr am Hut haben kann. Beim Ebersbacher Dorffest zeigen die Kolbenfresser, dass diese Technik unverwüstlich schön ist und noch immer zu begeistern vermag.

Janek Merkel, Tobias Beyer, Maximilian Schindler und Leon Keller (von links) auf ihren Zweirädern.

Quelle: Jens Paul Taubert

Bad Lausick/Ebersbach. Sie fahren mit Begeisterung MZ Trophy, Schwalbe und S 51 Enduro, doch ihnen Ostalgie zu unterstellen, ginge an den Realitäten vorbei: Als die Jungs der Kolbenfresser Ebersbach geboren wurden, war das Land, das diese und andere heute (aufs Neue) begehrten Zweiräder herstellte, bereits Geschichte.

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Wenn sie Zeit und Laune haben treffen sich die Ebersbacher Schrauber, um sich ihren Schätzen zu widmen oder mit ihnen eine Runde zu drehen. Am Wochenende, zum Ebersbacher Dorffest zeigen Janek Merkel, Tobias Beyer, Maximilian Schindler und Leon Keller den Besuchern, was das Besondere an DDR-Mopeds ist.

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Dass es sich um eine sehr lebendige, anregende und ansteckende Geschichte handelt, davon gewinnen die Besucher des Ebersbacher Dorffestes eine Ahnung. Denn die Gruppe plant am Sonnabendnachmittag auf dem Festgelände in der Dorfmitte eine kleine Fahrzeugschau, die auch und vor allem Älteren, noch dazu auf dem Land, zweifellos Herzklopfen verursachen wird.

Aus der SIG werden die Kolbenfresser

„Mit 16 wollte man einfach fahren. Motorrad ging noch nicht und konnte man sich nicht leisten, Moped aber schon“, blickt Tobias Beyer auf die Anfänge seiner Zweirad-Leidenschaft zurück. Der 26-Jährige begann auf einer S 51, einem weit verbreiteten und robusten Fahrzeug von Simson Suhl, stieg später um auf eine Zschopauer MZ TS 250. Vor einem Jahrzehnt gab es im benachbarten Thierbaum noch die SIG, die Simson-Interessengemeinschaft. Einige dieser Enthusiasten gingen in den Kolbenfressern Ebersbach auf.

Andere, jüngere aus beiden Dörfern und aus Nauenhain kamen hinzu, sodass der lose Zusammenschluss heute ein Dutzend Köpfe zählt. Leon Keller entdeckte in der Scheune eine grüne Schwalbe für sich, die der Opa einst fuhr, die aber zwei Jahrzehnte schon nicht mehr bewegt wurde. „Sie fuhr noch ohne Probleme. Da waren nur ein paar Kleinigkeiten dran zu machen“, so der 19-Jährige. Kleinigkeiten, die die Kolbenfresser gern beheben in der Werkstatt, die sie im vergangenen Winter im einstigen Werkraum der Ebersbacher Schule einrichten konnten. Hier treffen sie sich, um zu schrauben, um zu reden, um zu starten.

Schrauben als Ausgleich

„Vorher hatte jeder ein bisschen verstreut seine kleine Schrauber-Höhle“, erzählt Maximilian Schindler. Der 22-Jährige gehört zu den Ersten, die nicht mehr in Ebersbach eingeschult wurden. Seine Oma Sieglinde war hier letzte Schulleiterin bis zur Schließung. Aus längst vergangener Zeit, aber passend zu dem, was in der Werkstatt geschieht, ist die fahnenrot grundierte Holztafel mit der handgemalten Losung „Verstärkt die Wachsamkeit! Duldet keine Störung unseres friedlichen Aufbauwerkes!“ Ein Spruch, der im alten Ebersbacher Gasthof schräg gegenüber alle Umbrüche überstand. „Ich bin eher der Schrauber. Das ist mein Ding, das ist mein Ausgleich“, sagt Schindler, der im Beruf mit Holz zu tun hat, denn er ist Tischler. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl könne man die robuste Technik aus DDR-Zeiten ohne große Schwierigkeiten reparieren. Ein Grund für die Renaissance, die diese Zweiräder aktuell vor allem bei jungen Leuten erlebe. Dass auch die Älteren sich freuten, wenn die Jungen Simson oder MZ fahren, bestätigt Tobias Beyer: „Wenn ich an der Tankstelle vorfahre, dann werde ich oft angesprochen. Ein schönes Gefühl.“

Ansteckende Leidenschaft

Erst seit wenigen Tagen ist Lukas Thorand stolzer Besitzer einer S 51. „Ich habe mich von den anderen anstecken lassen“, so der 19-Jährige. Den letzten Anstoß gab das große Simson-Treffen im Juli in Zwickau, zu dem die Kolbenfresser seit Jahren gemeinsam fahren: „Danach musste endlich ein Moped ran.“ Inzwischen ist der Fahrzeug-Park der Gruppe erheblich angewachsen. Fahrbereit sind die Mopeds und Motorräder alle. Einige sind restauriert, andere schmückt die Patina arbeitsreicher Jahrzehnte – eine MZ ES 250, Baujahr 1959. Das, sagt Tobias Beyer, solle auch so bleiben. Der Originalzustand sei wichtig, aber vielleicht bekomme die Maschine eines Tages noch den passenden Beiwagen.

Janek Merkel schrubbt wöchentlich 500 bis 800 Kilometer mit seiner Simson, um zur Berufsschule oder zur Arbeit zu kommen. Vor allem aber hat er sich seit vier Jahren dem Motorsport verschrieben. Der Vater, der einst bei der GST, der Gesellschaft für Sport und Technik fuhr, besaß seine S 51 Enduro noch. Inzwischen schmücken mehrere Pokal die Werkstatt, etwa von der Simson-Motocross-Sachsenmeisterschaft, wo Merkel im vergangenen Jahr in Klinga Zweiter wurde – unter 25 Startern. Sitzt er bei Rennen auf dem Bock, dann drücken ihm die Kolbenfresser am Rand der Piste die Daumen: „Zu den Rennen kommt immer das ganze Team.“

Von Ekkehard Schulreich

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