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Geithain Eigenständig unter einem Dach im Kirchspiel Geithainer Land
Region Geithain Eigenständig unter einem Dach im Kirchspiel Geithainer Land
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00:28 17.12.2015
Die Geithainer Mini-WM wurde 2014 ein Fußball-Fest, das weit über Geithain hinaus ausstrahlte. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Sieben Gotteshäuser, vier Kirchgemeinden, ein gemeinsames Dach: Das ist das Kirchspiel Geithainer Land. Vor einem Jahrzehnt wurde es von den weiterhin eigenständigen Kirchgemeinden Rathendorf, Jahnshain, Syhra/Niedergräfenhain/Ossa und Geithain/Wickershain gebildet. Eine Struktur, um – so formuliert es Pfarrer Markus Helbig, der das Kirchspiel gemeinsam mit Johannes Möller betreut – Kirche sinnvoll zu organisieren. Eine Struktur aber fern von Zentralismus oder Dirigismus: „Was in den Gemeinden vor Ort geschieht, bestimmen die Gemeinden selbst.“ Nach einem Jahrzehnt des Miteinanders ist absehbar, dass dieses Dach angebaut werden muss: 2019, so will es die Landeskirche, greift die nächste Strukturreform. Das Geithainer Land sei da gut aufgestellt, sagt Helbig: „Kirchspiele gelten als Orientierung. Allerdings sollen die Regionen doppelt so groß werden.“

„Selbstständigkeit ist wichtig. Jede Kirchgemeinde hat ihre Traditionen, ihre Höhepunkte, ihre Ziele. Und bei der Planung der Gottesdienste reden alle Gemeinden mit“, sagt Petra Streicher, Kirchvorsteherin in Geithain/Wickershain. All das sieht sie im Kirchspiel gewahrt. In ihrer Gemeinde seien es zum Beispiel Jubelkonfirmationen, die groß gefeiert würden. Das Kirchenchor-Vergnügen, in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurzelnd, wurde neu belebt (das nächste findet am 27. Dezember statt). Das „Tischlein deck dich“ für Bedürftige ist donnerstags zu einer etablierten Adresse geworden.

Die Ossaer ihrerseits sind dabei, die einstige Kirchschule für die Gemeindearbeit herzurichten. In Jahnshain ist ein Höhepunkt das alljährliche Martinsfest. Rathendorf legt großen Wert auf die enge Verbindung zum evangelischen Naturkindergarten „Wurzelbude“, der im einstigen Pfarrhof sein Domizil hat. Apropos Kindergarten: „Dass in den vergangenen zehn Jahren zwei Kindergärten entstehen könnten, hatte ich so nicht erwartet“, resümiert Johannes Möller und verweist auf die „Kleinen Hirten“ in Niedergräfenhain. Hier sei es gelungen, die Einrichtung für das Dorf zu bewahren und gleichzeitig das alte Pfarrhaus der Nachwelt zu erhalten.

Wenn Möller zurückschaut, denkt er auch an den IKS, den Infokanal Syhra, einen Fernseh-Kanal, den eine kleine Gruppe Enthusiasten – die Fernseh-JG Syhra – dank der alten Gemeinschaftsantennen-Anlage mehrere Jahre betrieb. Das Kirchspiel als Sammelbecken verschiedener, an der Basis entwickelter und vorangetriebener Ideen – so sieht es Möller. Und dass das funktioniere, sei zu einem erheblichen Teil den kirchlichen Mitarbeitern in der Verwaltung und den Kindergärten, den Gemeindepädagogen, dem Kantor, dem Friedhofsmeister und Kirchner zu verdanken: „Hier spürt man eine ganz tolle Gemeinsamkeit.“

„Kirche muss im Dorf bleiben. Deshalb haben wir uns immer sehr stark in der Fläche engagiert“, sagt Markus Helbig, für den „immer die allgemeine geistliche Arbeit“, also Gottesdienste, Seelsorge, Gebete und Bibelstunden, die Klammer ist. Mit Blick auf die unausweichlichen neuen strukturellen Veränderungen – geschuldet der geringer werdenden Zahl an Menschen, die sich zur Kirche gehörig sehen – verweist er auf die Erfahrungen, die das Kirchspiel Geithainer Land gemacht habe – auch in Gesprächen mit Nachbarn und andernorts in Sachsen. Allerdings hüten Möller und er sich davor, den Kirchgemeinden in der Umgebung ungefragt zu nahe zu kommen, wissend, dass solche Veränderungen hochsensible Themen sind. „Wir können nicht sagen: Wir werden wachsen. Das wäre Vereinnahmung, die uns fernliegt. Wir können nur sagen: Wir sollten gemeinsam nachdenken“, bringt es Helbig auf den Punkt.

Gemeinsamkeiten seien über die Jahre viele gewachsen: Projekte, Rüstzeiten, Mini-Fußball-WM. Helbig, der das Prinzip des Kirchspiels gern mit einer Genossenschaft vergleicht, nennt das Geithainer „eines der dezentralsten in Sachsen: Alle vier Kirchgemeinden haben so viel Autonomie wie irgend möglich.“

Von Ekkehard Schulreich

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