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Geithain Ein Jahr nach Amtsantritt: Interview mit Geithains Bürgermeister Frank Rudolph
Region Geithain Ein Jahr nach Amtsantritt: Interview mit Geithains Bürgermeister Frank Rudolph
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08:00 03.09.2016
Ein Glas Sekt auf die Partnerschaft: Seit dem Frühsommer gibt es in Geithain einen Veitshöchheimer Platz. Die Übergabe fand mit Gästen aus dem Fränkischen statt: Alt-Bürgermeister Rainer Kinzkofer (li.), Bürgermeister Jürgen Götz (re.). In der Mitte Geithains Stadtchef Frank Rudolph. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Der Verkauf eines Großteils der kommunalen Wohnungen soll Geithains Schulden auf einen Schlag halbieren. Ein Vorhaben, das als das zumindest monitär schwerwiegendste gelten darf im ersten Amtsjahr von Bürgermeister Frank Rudolph (UWG). Mehr als anderthalb Jahrzehnte hatte er im Stadtrat ehrenamtlich Kommunalpolitik mitgestaltet, ehe er 2015 sein Dasein als Unternehmer aufgab und in den Chefsessel des Geithainer Rathauses wechselte. Die LVZ sprach mit ihm über eine erste Bilanz.

Lange Stadtrat, plötzlich Bürgermeister: Welches Potenzial liegt in diesem Perspektivwechsel?

Die Arbeit im Stadtrat war der Grundstock für das, was ich seit einem Jahr als Bürgermeister tue. Mir kommt zupass, dass mir viele Abläufe vertraut sind, dass ich viele im Stadtrat, in der Verwaltung, vor allem aber viele Bürger seit langem kenne – und sie kennen mich. Das hat natürlich manches leichter gemacht.

Ins Amt kamen Sie nicht über eine Partei, haben mit der Unabhängigen Wählervereinigung (UWG), der sie angehören, im Stadtrat allerdings eine kleine Hausmacht. Welche Rolle spielen Partei- und Fraktionsinteressen im Stadtrat?

Ich betrachte mich als Bürgermeister ohne eine solche Bindung. In einer Stadt unserer Größe geht es nicht um Parteipolitik, auch wenn manche das vielleicht anders sehen. Es geht um die Interessen der Stadt und der Ortsteile. Natürlich ist es nicht von Nachteil, dass die UWG im Rat stark vertreten ist. Aber auch mit der CDU besteht eine gute Zusammenarbeit Der gesamte Stadtrat macht eine gute Arbeit, auch wenn zur Zeit viele schwere Entscheidungen – aber wichtige – zu treffen sind. Es bereitet manchen schon mal Bauchschmerzen, aber es geht um die Entwicklung unserer Heimatstadt.

Anders als unter Ihrer Vorgängerin Romy Bauer wirkt der Stadtrat geschlossener, werden die meisten Beschlüsse mit klaren Mehrheiten getroffen. Wie gelingt das?

Insgesamt arbeitet der Stadtrat ruhiger, konzentrierter, ohne große Nebengeräusche. Ich bemühe mich, alle Entscheidungsvorschläge ausführlich zu erläutern und Zustimmung zu gewinnen. Die Bereitschaft, sich auf diese Weise einzubringen, spüre ich auf allen Seiten: beim Stadtrat, aber auch in der Verwaltung. Alle haben erkannt, dass etwas passieren muss, wenn Geithain den Anschluss nicht verpassen will.

Der Verkauf der kommunalen Wohnungen, den Sie vor ein paar Monaten in die Wege leiteten, hat bei manchem Ängste und Zweifel geweckt. Warum dieser Schnitt?

Der Sanierungsstau, der in den letzten zehn, 15 Jahren auflief, ist zu groß. Die Stadt kann die Wohnungen nicht sanieren. Das aber ist unverzichtbar, und das wünschen sich die Mieter auch zu recht. Wir haben uns zur Veräußerung entschlossen, um eine Aufwertung zu erreichen.

Wie ist der Stand?

Die städtischen Wohnungen im Altneubaugebiet schreiben wir jetzt vorzugsweise Block für Block aus. Es gibt durchaus Interesse von Investoren, auch aus der Region, bei denen wir relativ sicher sein können, dass sie dann auch tatsächlich modernisieren – in einer Weise, dass Mieter keine Angst haben müssen, herausgedrängt zu werden.

Und Geithain-West?

Die wiederholte Ausschreibung ist beendet. Es gibt drei Angebote. Die beiden besten Bieter bitten wir demnächst zum Gespräch, um ihre konkreten Pläne zu erfahren. Der Bieter, von dem wir uns das meiste versprechen, stellt dann im Stadtrat sein Konzept vor. Erst wenn er dort überzeugt, werden wir verkaufen.

Das bringt?

... einen Schuldenabbau von fast zwei Millionen Euro. Unsere Schulden würden sich mehr als halbieren.

Überraschend war der einhellige Erwerb eines großen Gewerbegrundstücks an der Straße der Deutschen Einheit. Wie soll das entwickelt werden?

Wir sind am Beräumen und Entkernen. In den nächsten drei Monaten zieht der Bauhof hierhin um. Musikverein und Karnevalisten haben im Bürogebäude, wo wir die Heizung dringend erneuern müssen, schon eine Bleibe.

Durch Sie angestoßen, will die GDS jetzt die Mehrzweckhalle an den Betreiber der Gymnasien verkaufen. Was bringt das der Stadt?

Erhebliche Einsparungen, weil wir aus dem aktuellen Mietvertrag herauskommen. In Summe werden wir in den nächsten sechs Jahren rund 700 000 Euro sparen – ohne Abstriche beim Schul- und Kinder- und Jugendsport machen zu müssen.

Die plötzliche Trennung der Stadt von der Kindervereinigung Leipzig, Träger der Schulsozialarbeit und des Jugendtreffs R9, hat viele überrascht. Warum dieser Schritt?

Ich kann nichts Neues sagen. Es geschah in beiderseitigem Einvernehmen. Beide Seiten vereinbarten, die Gründe nicht zu kommunizieren.

Wann öffnet das R9 wieder?

Wir wollen den Treff gemeinsam mit dem Jugendamt neu ausschreiben. Allerdings: Vor der Schließung gab es eine Brandschutz-Begehung. Die dort gemachten Auflagen sind erheblich. Die Mängel abzustellen, kostet die Stadt geschätzt mindestens eine Viertelmillion Euro. In der Zwischenzeit gab es ein Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Troost, ob Fördermöglichkeiten bestehen.

Welche großen Investitionen stehen in den nächsten zwei Jahren an?

Wir müssen etwas tun, um das Freibad zu sichern. Die Nikolaistraße muss als letzte in der Innenstadt neu gestaltet werden. Wenn das Landesamt für Straßenbau und Verkehr möglicherweise 2017 die Eisenbahnstraße ausbaut, müssen wir mit ran. Im September schreiben wir die Planungen für die Schillerstraße aus. In die Paul-Guenther-Schule investieren wir kontinuierlich, auch am Gerätehaus der Feuerwehr müssen wir was tun. Und das Zusammengehen mit Narsdorf bringt ebenfalls Kosten mit sich.

Stichwort Bauplätze für Zuzügler und junge Familien...

Wir haben den Südhang, ein privates Projekt. Wir suchen zudem eigene Flächen, die wir als Bauland ausweisen können, sind zudem mit anderen Eigentümern im Gespräch.

Stichwort Tierpark: Wie will die Stadt den Erhalt unterstützen?

Es handelt sich um einen eigenständigen Verein. Es gibt einen Ratsbeschluss über eine finanzielle Unterstützung pro Jahr. Die im Moment bestehenden Probleme zu lösen, ist allerdings Sache des Vereins.

Von Ekkehard Schulreich

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