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Geithain Ein "normaler" Lebensweg
Region Geithain Ein "normaler" Lebensweg
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14:51 19.05.2015
Siegfried Schütze und Petra Erbe beziehen in Kürze eine gemeinsame Wohnung und wollen in diesem Jahr heiraten. Quelle: Jens Paul Taubert

Es sind weitere Schritte auf dem Weg zweier Menschen zu einem normalen, selbstbestimmten Leben.

Beide haben auf diesem Weg schon ein gehöriges Stück Strecke zurückgelegt. Der Leipziger Siegfried Schütze, inzwischen 55 Jahre, kam 2002 in die DRK-Wohnstätte Kohren-Sahlis. Sechs Jahre später konnte er in eine Außenwohngruppe in die Kohren-Sahliser Mühlgasse wechseln. "Dort sind wir fünf Leute. Und dort lernte ich auch Petra kennen - und lieben", ist Schütze zufrieden und genießt die viel größere Eigenständigkeit in vollen Zügen. "Wir müssen ja nun selbst einkaufen, früh und abends selbst für Essen sorgen, Wäsche waschen, die Wohnung sauber halten", zählt er auf. Das aber mache ihm ebenso viel Spaß wie die Arbeit in den DRK-Werkstätten Geithain. Hier ist er in der Schlossmontage

Seine Zukünftige, Petra Erbe, ist genauso zufrieden. Die gebürtige Markranstädterin erblindete in jungen Jahren, besuchte zu DDR-Zeiten in Chemnitz eine Spezialschule für Blinde, arbeitete danach in einem Imprägnierwerk. Nach dem Tod ihrer Mutter kam sie 2004 zunächst in den Wohnbereich II der Kohren-Sahliser Einrichtung, doch schon in Jahr später in die besagte Außenwohngruppe. "Dass ich im September des gleichen Jahres einen Werkstattplatz bekam, hat mich riesig gefreut. Denn es ist schön, etwas Nützliches zu leisten. Ich bin in der Komplettierung und freue mich, dass die Gruppenleiterin mit mir zufrieden ist", berichtet die 52-Jährige stolz. Auch das Aufstehen mache ihr keine Mühe. Verschlafen habe sie noch nie. Dabei liest Erbe in ihrer Freizeit viel, bezieht die Bücher aus der Zentralbibliothek für Blinde. Auch mit Stricken habe sie angefangen, berichtet sie.

Am 2. April werden es fünf Jahre, dass sie sich mit Siegfried Schütze verlobte. "Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass wir lange zusammen und gesund bleiben, beide weiter arbeiten gehen können", wäre ihr wichtig. Ihr Partner nickt dazu bekräftigend und verrät: "Wir wollen noch in diesem Jahr heiraten!" Zunächst steht aber der Umzug in die gemeinsame eigene Wohnung in der Frohburger "Villa" des DRK in der Bahnhofstraße ins Haus.

Sigrid Kraft, die Leiterin der DRK-Wohnstätte Kohren-Sahlis, freut sich über das Geschehen und die Entwicklung der beiden mit. "Die wenigsten Menschen werden ja mit einer Behinderung geboren, die meisten Behinderungen durch Krankheit oder Unfälle verursacht", weiß sie. Jeder könne jederzeit betroffen und damit auf Hilfe angewiesen sein. Eine Form der Hilfe stellten die Wohnheime der Eingliederungshilfe dar, wie es die Kohrener Wohnstätte sei. Die biete neben Wohnheimplätzen das Wohnen in Außenwohngruppen wie auch in den eigenen vier Wänden im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens an. "Damit ermöglichen wir Menschen mit Hilfebedarf die soziale Teilhabe und ein Höchstmaß an Selbstbestimmung. Heilpädagogische, pflegerische, persönlichkeitsfördernde und stabilisierende Maßnahmen werden auf der Grundlage zeitgemäßer Ansätze, pädagogischer Standards, langjähriger Erfahrungen und menschlicher Werte geplant und durchgeführt. Das heißt vor allem: Keine Entmündigung oder Ausgrenzung aus der Gemeinschaft", so Kraft. Denn auch wer anders sei, gehöre dazu. Die Früchte dieses Wirkens wissen auch Siegfried Schütze und Petra Erbe zu schätzen.

© Kommentar Seite 25

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2014
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