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Elbisbacher Arvedshof kommt in neue Hand: Wieder Hoffnung für Gut mit Geschichte

Frohburg Elbisbacher Arvedshof kommt in neue Hand: Wieder Hoffnung für Gut mit Geschichte

Dass der Elbisbacher Arvedshof einen neuen Besitzer hat, ist für den Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) eine gute Nachricht: Nachdem jener, der die kulturhistorisch wertvolle Immobilie besaß, sie ein Jahrzehnt lang verkommen ließ, sieht er jetzt gute Chancen zu einer Rettung. Der Hof war einst eine Landwirtschaftsschule.

Von der einstigen Schönheit des Anwesens ist nach Jahren der Vernachlässigung nicht viel Substanz geblieben.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Frohburg/Elbisbach.  110 Jahre nach der Eröffnung einer Landfrauenschule in Elbisbach hat der historische Arvedshof einen neuen Besitzer. Darüber informierte der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) den Stadtrat. Die denkmalgeschützte Immobilie, die zuletzt eine Landwirtschaftsschule beherbergte und die nach der Wende sogar abgerissen werden sollte, steht seit zweieinhalb Jahrzehnten leer und verfällt immer augenscheinlicher. Hiensch äußerte sich zuversichtlich, dass dieser Verfall jetzt gestoppt und das architektonisch und historisch interessante Gebäudeensemble doch noch gerettet werden könnte: „Ich sehe für das Grundstück jetzt eine gute Zukunft.“

Ganz anders die Situation Anfang der Neunzigerjahre, als der geharnischte Protest des Prießnitzer Gemeinderates und von geschichtsbewussten Elbisbachern den erwogenen Abriss verhinderte. Seinerzeit hatte das Landratsamt Borna/Geithain schließlich signalisiert, das Gebäude erhalten zu wollen. Diese Bemühungen waren aber über Anfänge nicht hinausgekommen. 2007 schließlich wurde der Komplex bei einer Auktion an zwei Holländer verkauft. Ein Schritt, den Hiensch der Kreisbehörde heute noch vorwirft. Der Kreis habe den wertvollen Hof in private Hände gegeben, ohne dass die finanzielle Leistungskraft der Erwerber geprüft worden sei. Zudem hätten sie kein schlüssiges Nutzungskonzept vorlegen müssen. Die Jahre seither seien verlorene, die bauliche Substanz habe immer stärker gelitten. Der Bürgermeister kündigte an, er werde sich demnächst mit dem neuen Eigentümer treffen, um dessen Vorstellungen und Pläne zu erfahren. Und um seitens der Kommune Unterstützung anzubieten, etwa bei der Beschaffung von Fördermitteln, bei der Herstellung von Kontakten. Der Käufer wolle vor allem das Hauptgebäude selbst nutzen und erhalten.

Die Geschichte des Anwesens ist mit dem Namen des Leipziger Architekten Arwed Roßbach

Der Architekt Arwed Roßbach

Der Architekt Arwed Roßbach.

Quelle: Wikipedia

(1844 bis 1902) verbunden. Er prägte wie kein anderer das öffentliche Bauen in Leipzig während der Gründerzeit-Jahrzehnte 1871 bis zur Jahrhundertwende. Zu den namhaftesten Bauten, die er entwarf, zählen die Universitätsbibliothek, das Uni-Hauptgebäude Augusteum und die neogotische Fassade der benachbarten, 1968 gesprengten Paulinerkirche. Auch der Sitz der Deutschen Bank und die doppeltürmige Taborkirche tragen seine Handschrift. Roßbachs Witwe Therese kaufte 1903 ein großes Bauerngut in Elbisbach, wo sie drei Jahre später eine Schule eröffnete, um junge Frauen für die Landwirtschaft zu qualifizieren. Nach einer Unterbrechung während des Ersten Weltkrieges nahmen Umfang und Qualität der Ausbildung zu. 1931 wurde die Schule um einen Neubau erweitert, so dass 50 Schülerinnen, Maiden genannt, aufgenommen werden konnten. Zwischen 1933 und 1945 fungierte die Einrichtung, die Therese Roßbach an die sächsische Landwirtschaftskammer veräußert hatte, als Hauswirtschaftsschule Elbisbach.

Der Arvedshof, benannt nach dem Architekten, sei eine fortschrittliche Bildungseinrichtung gewesen, sagt der Geithainer Heimatgeschichtler Gottfried Senf, der zur Historie des Hauses recherchierte und zu ihrem 100. Geburtstag 2006 in der LVZ einen aufschlussreichen Beitrag veröffentliche: „Frau Rossbach betrieb die Schule nicht nur nach den Grundsätzen des Reifensteiner Verbandes, zu dem sie von Beginn an gehörte, sondern auch nach der damals sehr populären Lehre des Naturheilarztes Dr. Lahmann.“ Der betrieb in Dresden auf dem Weißen Hirsch ein Sanatorium.

In der DDR-Zeit war der Arvedshof eine Fachschule für Landwirtschaft. Ab 1963 war sie – im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft – erst dem Volkseigenen Gut (VEG) Elbisbach, später dem VEG Kohren-Sahlis angegliedert und fungierte als Betriebsberufsschule. Ab 1971 wurden hier Meliorationstechniker ausgebildet. Nach der Wende stand die Einrichtung vor dem Aus. Bemühungen des damaligen Kreises Geithain, die Bildungseinrichtung im Verbund mit Elbisbacher Schule und Volkshochschule fortzuführen, hatten keine Chance; die Berufsschulausbildung wurde ab 1991 in Borna konzentriert.

www.reifensteiner-verband.de

Von Ekkehard Schulreich

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