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Geithain Elias (3) aus Steinbach macht seiner Familie das schönste Geschenk – sein Lachen
Region Geithain Elias (3) aus Steinbach macht seiner Familie das schönste Geschenk – sein Lachen
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18:59 14.12.2015
Sie halten zusammen, um mit der Behinderung von Elias umzugehen: Jonas Wuttke, Sven Wuttke, Adrian Lawrenz, Suann Lawrenz-Wuttke und Elias Wuttke. Quelle: Jens Paul Taubert
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Bad Lausick/Steinbach

Elias lächelt. Die Beine des Dreijährigen sind nicht mehr verdreht, die Hände nicht mehr verkrampft. Er reagiert, nimmt Anteil. „Jeder noch so kleine Fortschritt ist ein Meilenstein für uns. Jedes Lachen von Elias gibt uns Kraft”, sagt Susann Lawrenz-Wuttke. Uns, das schließt die Söhne Jonas (16) und Adrian (12) ein und ihren Mann Sven (42). Weihnachten, nie war es für die in Steinbach lebende Familie hoffnungsvoller als 2015. Drei Jahre zuvor erreichte die Katastrophe die urplötzlich über sie kam, einen ersten Höhepunkt: Elias, gesund zur Welt gekommen, erlitt eine Neugeborenen-Sepsis. Die durch Bakterien oder Viren hervorgerufene Blutvergiftung brachte ihn beinahe um. Vier Monate später begannen epileptische Anfälle, die beinahe minütlich aufeinander folgten, den kleinen Körper völlig verkrampften, Elias in seiner Entwicklung weit zurückwarfen. Wirkliche Linderung schafft erst eine Therapie, die die Familie im slowakischen Kurort Pistany entdeckte. Sie wenigstens einmal im Jahr finanzieren zu können, ist ein Kraftakt. Doch es gibt Menschen, die der Familie zur Seite stehen.

Sein Leben hing an einem Faden

„Dass Elias jemals laufen lernen wird, davon können wir nicht ausgehen. Aber jetzt kann er sich aufstützen, kann sich bewegen. Vor wenigen Monaten noch schien das völlig undenkbar.” Susann Lawrenz-Wuttke musste lernen, sich einzurichten in einer unvorstellbaren Situation: 48 Stunden nach der Geburt ihres Sohnes war das Leben ganz anders, als ein Mensch es sich ausmalen kann. Kurz zuvor hatte die Familie in Steinbach den Kaufvertrag für ein Einfamilienhaus unterschrieben. Es sollte ein neuer Anfang werden für alle. Doch plötzlich bekam der Säugling ganz hohes Fieber, die Atmung drohte zu versagen. Neugeborenen-Sepsis. Krankenhaus. Künstliches Koma.

Wassereinlagerungen, die das Hirn schädigen. „Elias’ Leben hing an einem Faden”, sagt die 37-Jährige. Eine Situation, die die studierte Psychologin und ausgebildete Notfall-Seelsorgerin vertraut war – bei Fremden, denen sie beizustehen hatte. Wie ein Schlag traf es jetzt sie selbst. Nach drei Wochen in der Klinik Hoffnung: „Säuglinge können sich relativ gut regenerieren. Elias entwickelte sich gut, trotz Hirn-Atrophie.”

Doch mit vier Monaten epileptische Anfälle in rasender Folge: „Wie ein Gewitter im Gehirn.” Die werfen das Baby um Meilen zurück. Susann Lawrenz-Wuttke ist jetzt für lange Zeit meist im Krankenhaus. Jonas und Adrian, die Söhne aus erster Ehe, „mussten zurückstecken, anders ging es nicht. Sie wurden sehr eigenständig.“ Brachten Verständnis auf und sich ein. Sven Wuttke, der als Schweißer in Kraftwerken arbeitet, Schichten, auf Montage, und seine Frau akzeptierten. Setzten neue Prioritäten, ohne Verbitterung. Die Familie zerriss nicht, sie schloss sich fester zusammen. Das schließt die Großeltern ein, nahe Freunde.

Jedes Jahr nach Pistany

Nach seinem ersten Geburtstag, Medikamente hatten die Anfälle reduziert, begann Elias, allmählich seine Umwelt wahrzunehmen, zu reagieren, Schmerz zu zeigen und Freude. Doch Arme und Beine blieben spastisch verdreht, machten as Kind bewegungsunfähig. Eine nachhaltige Verbesserung trat erst ein, als die Familie 2014 nach Pistany reiste. „Wir hatten gehört, dass das Adeli Medical Center eine Therapie anbietet, die die verkrampfte Muskulatur lösen kann.” Ein neurophysiologisches Konzept, das Hirn und Körper wieder in Einklang bringt. Das Geld, das die Familie für den Ausbau des Dachgeschosses auf die hohe Kante gelegt hatte, floss in diese Therapie, mehrere tausend Euro. Mit Schmerzen verbunden war die Therapie, vor allem aber mit Erfolg. Der gründet sich auch darauf, dass die Eltern seither mit Elias intensiv üben, um die Muskulatur locker zu halten. Eine zweite Therapie im zurückliegenden Sommer verstärkte die positiven Effekte nachhaltig, sodass klar ist für alle: „2016 müssen wir wieder nach Pistany fahren.”

Das ist allerdings – auch eine Frage des Geldes. „Die Krankenkasse zahlt grundsätzlich nur für einen geringen Teil”, sagt Susann Lawrenz-Wuttke. Dass man sich ein behindertes Kind muss leisten können, diese Erkenntnis verbittert die Familie nicht. Sie wissen Freunde und Unterstützer an ihrer Seite. Der FSV Kitzscher sammelte zu seinem Vereinsfest Spenden für Elias, richtete ein spezielles Konto ein. Die Feuerwehr Colditz, das Polizeirevier Borna sammelte – und viele andere Menschen taten es ihnen gleich. Menschen, die die Notfall-Seelsorgerin aus ihrer beruflichen Tätigkeit – sie versucht inzwischen, von zu Hause aus als Koordinatorin wieder zu arbeiten – kennen. Menschen, die über soziale Netzwerke von Elias’ Schicksal erfuhren.

Kleine Schritte sind große Schritte

Dafür ist die Familie dankbar. Sie sieht Licht am Horizont. „Man muss seine persönlichen Einstellungen ändern, man muss andere Prioritäten setzen”, sagt die Mutter. Im Alltag herrscht längst so etwas wie Normalität. 40 Stunden im Monat kümmert sich ein Pflegedienst um den Jungen, erleichtert der Familie die Pflege rund um die Uhr. Dann wird mal ein Einkauf möglich, ohne dass der schwere Reha-Buggi mit Elias durch die Regal-Reihen geschoben werden muss. Und einmal im halben Jahr finden Susann und Sven Zeit, mal abends zu zweit für ein paar Stunden aus dem Haus zu gehen. Fortschritte. Ermutigendes.

Prioritäten setzen habe man gemeinsam getan, ermutige sich dazu jeden Tag neu. Und empfinde Glück, wenn Elias lächle: „Das ist ein Geschenk für uns. Das steht über allem.”

Auf einem Blog berichtet die Familie über Elias’ Entwicklung. Wer die Familie mit einer Spende unterstützen möchte, kann das hier tun:.......

 

Von Ekkehard Schulreich

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