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Endlich Frieden: Christa Jaudzims macht sich ihr Bild vom Geithainer Weihnachtsmarkt

Kunst Endlich Frieden: Christa Jaudzims macht sich ihr Bild vom Geithainer Weihnachtsmarkt

Weil Geithain Spuren in ihr hinterließ, finden sich Motive der Stadt immer wieder in ihrem grafischen Werk: Als Zehnjährige fand sie nach dem Trauma Flucht Weihnachten 1944 hier eine neue Heimat. Jahrzehnte später scheint in den Bildern von Christa Jaudzims, die 2014 starb, immer wieder Geithain auf.

Weihnachtsmarkt in Geithain – die Radierung stammt von Christa Jaudzims.

Quelle: Repro LVZ

Geithain. Weihnachtsmarkt vor dem Geithainer Rathaus: Christa Jaudzims hat ihn mehrfach zum Gegenstand ihrer Bilder gemacht. Ihre Radierungen, teils koloriert, entstanden um die Jahrtausendwende. Zu einer Zeit, da die 2014 gestorbene Künstlerin regelmäßig an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrte. An den Ort, der ihr - seit die Familie infolge des Krieges im Spätherbst 1944 vor der vorrückenden Front das Memelland verlassen musste und in der Vorweihnachtszeit in Geithain eine neue Bleibe fand - zu einer Heimat wurde, die prägte, die sie auch nach ihrem Weggang in den Westen nie wirklich losließ. Manche Geithainer Stube, nicht nur die von Gudrun Haberkorn, die mit Christas jüngstem Bruder Armin in die Schule ging, schmücken Bilder der Künstlerin. Das Heimatmuseum, das vor zwei Jahrzehnten Jaudzims eine große Ausstellung widmete, erwarb vier ihrer Werke.

„Geithain war Christas Heimat. Und der Zeichenlehrer Otto Zeising entdeckte, dass sie Talent hatte, und er förderte es“, sagt Gudrun Haberkorn. Die 74-Jährige und ihr Mann hielten vor allem in der Nachwende-Zeit engen Kontakt zu Christa Jaudzims, die in der Nähe von Krefeld lebte und ihr Atelier hatte. Viele Jahre kam sie mitunter für mehrere Wochen mit ihrem Mann nach Geithain, durchstreifte die Winkel der Stadt und das Umland, fotografierte viel als Grundlage für Bilder, die sie dann zu Hause realisierte. Immer wieder waren der Marktplatz, die Nikolaikirche, das Stadttor, der Pulverturm Motive, die sie inspirierten. Darüber hinaus umfasst ihr künstlerisches Werk eine große Bandbreite von der Grafik bis zur Malerei, vom Figürlichen bis zur Gestaltung von Puppen. Ihre Verbundenheit mit Geithain drückte sich nicht zuletzt in Jaudzims Mitgliedschaft im Geithainer Heimatverein aus.

„Christa konnte alles. Sie hatte goldene Hände“, sagt Gudrun Haberkorn, die spät ihr eine Freundin wurde. Zehn Jahre sei Christa gewesen, als sie - durch den Krieg entwurzelt - in Geithain schließlich wieder Grund unter die Füße bekommen habe. Die ersten Jahre des Friedens hätten sie alle geprägt, zusammengeführt, eine Bindekraft entwickelt, die über Grenzen und politische Systeme hinweg gewirkt habe. Christa lernte Technische Zeichnerin im Geithainer Emaillierwerk und folgte in den fünfziger Jahren ihrer Liebe nach Westdeutschland. Ihre ein halbes Jahrhundert später entstandene Radierung vom Geithainer Weihnachtsmarkt zeigt, wie sie die Stadt ihrer Jugendjahre in ihrer Erinnerung bewahrte: kein Ort des Überflusses, der Verklärung, der uneinhaltbaren Versprechen, sondern ein Ort der Bodenständigkeit, einer, auf den sie in den sich nach dem großen Sterben allmählich normalisierenden Zeiten bauen konnte.

Von Ekkehard Schulreich

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