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Endlich auch mal ausschlafen können: Dr. Maria Böhme sagt mit 83 "Tschüss!"

Endlich auch mal ausschlafen können: Dr. Maria Böhme sagt mit 83 "Tschüss!"

Die Vornamen ähneln sich, und auch an der Versorgung der Patienten soll sich nicht viel ändern: Dr. Eva-Maria Streck übernimmt am 1. September jene Hausarzt-Praxis im Geithainer Ärztehaus, die bisher Dr. Maria Böhme (83) leitete.

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Dr. Maria Böhme (vorn) geht mit 83 Jahren in den Ruhestand, Dr. Eva-Maria Streck (Zweite von rechts) ist ab heute ihre Nachfolgerin im Geithainer Ärztehaus. An ihrer Seite arbeiten die Schwestern Regina Büttner und Isabel Ackermann, der Frohburger Allgemeinmediziner Thomas Voigt ist Betreiber der Niederlassung.

Quelle: Jens Paul Taubert

Geithain. Mit diesem Wechsel endet - das ist nicht übertrieben - eine Ära, denn Dr. Böhme, die die damalige Geithainer Poliklinik bis zur Wende leitete und sich später als Ärztin niederließ, war dort seit 45 Jahren - seit 1969! - für ihre Patienten da. Sie darf deshalb für sich getrost in Anspruch nehmen, dienstälteste Allgemeinmedizinerin zu sein weit über Geithain und das Umland hinaus. Was sie jedoch nicht tut, doch ihre lebenslange Maxime bekräftigt: "Menschen helfen, das mache ich leidenschaftlich gern!"

"Die Patienten schätzen Frau Dr. Böhme außerordentlich", sagt Dr. Eva-Maria Streck. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin hat sich in den vergangenen Wochen in die Praxis im Geithainer Ärztehaus eingearbeitet. Sie weiß, wie groß die Fußstapfen sind, in die sie dort tritt. Ab 1. September hält sie Sprechstunden mit Schwester Regina, die viele Jahre mit Dr. Böhme arbeitete, und mit Schwester Isabel, die ebenso neu in Geithain ist, an ihrer Seite. Dr. Streck, gebürtige Münchnerin, die in ihrer Heimatstadt studierte und vor zwölf Jahren in den Leipziger Südraum zog, schätzt es, auf dem Land zu arbeiten. Sie lebt mit ihrer Familie, zu der drei Kinder gehören, in Markkleeberg. Am Krankenhaus Leisnig absolvierte sie ihre Facharzt-Ausbildung, die praktische Ausbildung in Praxen in Böhlen und Kitzscher. "Diese Zeit habe ich sehr genossen. Überhaupt fühle ich mich in Sachsen sehr wohl", sagt sie. Deshalb brauchte sie keine große Bedenkzeit, als der Frohburger Diplom-Mediziner Thomas Voigt ihr anbot, als bei ihm angestellte Ärztin die Böhme-Praxis zu übernehmen.

"Es wird heutzutage immer schwieriger, für eine Einzelpraxis einen Nachfolger zu finden", sagt Voigt, Facharzt für Allgemein- und Notfallmedizin. Gerade im Osten Deutschlands und in ländlichen Regionen sei das kompliziert. Deshalb setzen manche Krankenhäuser auf Medizinische Versorgungszentren, eröffnen niedergelassene Ärzte wie er Zweigniederlassungen. Eine betreibt Voigt bereits in Neukirchen, jetzt kommt Geithain hinzu. Für Maria Streck hat das den Charme, sich mehr um die Patienten und weniger um kassenärztliche Bürokratie kümmern zu können. Ein weiterer Vorteil laut Voigt: "Man ist nicht Einzelkämpfer. Das sorgt für mehr fachliche und mehr Lebensqualität."

"Ich bin froh, dass ich eine hochqualifizierte und hochmotivierte Nachfolgerin habe", sagt Dr. Maria Böhme. Das sei wichtig sowohl für ihre Patienten, die ihr zum Teil über Jahrzehnte die Treue hielten, als auch für die Struktur des Geithainer Ärztehauses, zu dem Fachärzte, vier allgemeinmedizinische Praxen und eine internistische mit hausärztlicher Tätigkeit gehören. Die gebürtige Chemnitzerin und Wahl-Bad Lausickerin, Jahrgang 1932, die nach der Promotion ihre Facharzt-Ausbildung in Borna und Leipzig absolvierte, betrachtet die Geithainer Einrichtung als Baustein ihres Lebens. Dass die kleine Kreisstadt Geithain in den 60er-Jahren überhaupt ein so fundiert ausgestattetes Objekt erhielt, setzte seinerzeit ihr Mann Wolfgang Licht durch. Sie leitete das Haus mit zeitweise 160 Mitarbeitern bis in die Wendezeit; danach führte sie unter demselben Dach ihre eigene Praxis.

Mit Menschen zu arbeiten, das war, das ist ihr Lebenselixier. Dennoch fürchtet sie nicht, jetzt im Ruhestand in ein tiefes Loch zu stürzen. "Natürlich fällt der Abschied schwer. Doch eines Tages muss er ja sein. Und es ist bestimmt schön, jetzt früh ausschlafen zu können", sagt sie. Und sich die umfangreiche Bibliothek ihres Mannes - der Schriftsteller ist und dessen Bücher oft im ärztlichen Milieu verankert sind - vornehmen zu können: "Auf die Lektüre freue ich mich - sie kam bisher leider immer zu kurz."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.09.2015
Ekkehard Schulreich

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