Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Geithain Engagierte Pflege holt Irma ins Leben zurück
Region Geithain Engagierte Pflege holt Irma ins Leben zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 29.07.2018
Irma Herbst (3.v.li.) ist nicht nur für dieses Foto im Mittelpunkt: Hier das Pflege-Team (v. li.) Sabine Bergmann, Elisabeth Walle und Angela Zander. Irmas Gatte Gottfried Herbst weiß dieses Engagement sehr zu schätzen. Quelle: Jens Paul Taubert
Anzeige
Frohburg/Tautenhain

Für seine schwerstkranke Frau Irma alles irgendwie Mögliche zu erreichen, dazu ist Gottfried Herbst entschlossen. 2011 erlitt die heute 81-Jährige eine Hirnblutung, lag, dem Tod näher als dem Leben, mehrere Wochen im Koma. Dank medizinischer Behandlungen und intensiver Pflege rund um die Uhr ist ihr heute wieder ein Leben möglich, das sie einbezieht in den Alltag.

„Das ist eine Katastrophe“

Bei schönem Wetter kann sie in den Garten, und mit Unterstützung schafft sie es sogar wieder in die Kirche, die gegenüber ihres Hauses auf einer Kuppe über dem Dorf liegt. Gottfried Herbst (80) ist einerseits zutiefst dankbar für „dieses Wunder, wie die Ärzte es nennen“. Andererseits ist er nicht bereit, sich abzufinden mit der Geringschätzung des Pflegeberufs in Deutschland. „Das ist kein Notstand mehr, es ist eine Katastrophe“, sagt er. Auf das Pflege-Team, das seine Frau seit sieben Jahren Tag und Nacht liebevoll umsorgt, lässt er nichts kommen. Das arbeite am Limit, suche dringend Verstärkung. Doch die ist nicht zu finden.

Pflege-Fachkräfte trotz aller Mühe nicht gefunden

„Mir ist kein Berg zu hoch, kein Weg zu weit, dass wir die zwei Leute rankriegen, die wir so dringend brauchen“, sagt der 80-Jährige. In Frohburg, Geithain, Bad Lausick, Rochlitz plakatiert er, dass er zwei Fachkräfte sucht, annonciert in der LVZ, mobilisiert den Freundes- und Bekanntenkreis. „Doch der Markt ist wie leer gefegt. Die Misere liegt darin begründet, dass der Pflegeberuf nicht die Wertschätzung erfährt, die er verdient.“

Alle Verbesserungen der vergangenen Jahre, mit denen sich die Politik so gerne schmücke, seien nichts als Kosmetik. Herbst, einst Lehrer, Gemeinderat, einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, spricht von Staatsversagen. Was seine Frau und er seit Jahren erlebten, lasse keinen anderen Schluss zu.

Manchmal sogar Plätzchen backen

Dabei hätte man Glück. „Dank der Super-Pflege konnte meine Frau viel Lebensqualität zurück gewinnen“, sagt er. Über Jahre habe sich ein Team aus Pflegefachkräften und Therapeuten – Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten – geformt, das alle Kraft für seine Frau verwende. „Wir konnten sie stabilisieren, sie kann wieder aktiv teilhaben am Leben. Manchmal backen wir sogar Plätzchen zusammen“, sagt Altenpflegerin Angela Zander, seit Beginn an dabei. Zwar sei Irma Herbst in ihrer Bewegung und im Sprechen weiter stark eingeschränkt, doch sei viel mehr erreicht worden als angesichts der Diagnose zu erwarten gewesen sei.

„Das Erreichte ist gefährdet“

„All das Erreichte ist jetzt höchst gefährdet, weil es an Fachkräften fehlt“, beschreibt Herbst das Dilemma. Der Pflegedienst aus Brandenburg, der fünf Kräfte stellte, habe auf drei reduziert. Die teilten sich längst in Zwölf-Stunden-Schichten, wo Acht-Stunden-Arbeitstage Standard seien. Zum 1. August habe er deshalb den Anbieter gewechselt, werde nun von Pflege mit Niveau Schmidt aus Gera betreut – von denselben drei Pflegern wie bisher, die ebenfalls dorthin wechselten.

Großer Wunsch: zwei weitere Mitstreiter

„Ein Zeichen, dass wir uns wie eine große Familie fühlen“, sagt Angela Zander: „Das Klima stimmt. Der Pflegebereich im Hause Herbst ist optimal. Wir haben eine ganze Wohnung dafür, teilen uns die Arbeit selbst ein.“ Einziger großer Wunsch: zwei zusätzliche Mitarbeiter.

„Dass es möglich ist, Angehörige zu Hause zu pflegen, ist gut und richtig“, sagt Gottfried Herbst. Fatal aber würde es, wenn Menschen sich aufrieben, ihre Berufstätigkeit aufgeben müssten und dafür noch im Alter schlechter gestellt seien. Das könne doch nicht im Interesse der Gesellschaft sein – einer zumal, in der die Zahl der Pflegebedürftigen wachse, die Zahl der pflegenden Fachkräfte aber schwinde. Hier, sagt Herbst, müsse dringend gegengesteuert werden. Er ist zuversichtlich, für die Pflege seiner Frau die beiden fehlenden Fachleute zu finden.

Wer helfen kann, ruft ihn an unter der Telefonnummer 0152/53617801.

Von Ekkehard Schulreich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Singvögel im heimischen Garten brauchen Wasser – unabhängig davon, ob sie Samen oder Insekten bevorzugen. Die anhaltende Trockenheit setzt ihnen zu. Naturschützer beobachten, dass die Zahl der Bruten geringer ausfällt als sonst. Und das in einer Phase, in der einige Arten bereits bedroht sind.

28.07.2018

Der Geithainer Gewerbeverein bereitet die 12. Auflage des Geithainer Event-Shoppings vor, die Veranstaltung steigt am 7. September. Hunderte Gäste werden wiederum erwartet.

27.07.2018

Wo gebaut wird, sind Sperrungen unverzichtbar: Zwischen Geithain und Bad Lausick allerdings fällt es Autofahrern zurzeit schwer, den Überblick zu behalten, wo es noch langgeht.

26.07.2018
Anzeige