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Erinnerungen an Hochwasser 2002 auch in Eschefeld wach

Erinnerungen an Hochwasser 2002 auch in Eschefeld wach

In unserer Reihe „10 Jahre Jahrhundertflut“ blicken auch Eschefelder zurück. „Es war der längste Einsatz, den unsere Eschefelder Wehr in den 72 Jahren ihres Bestehens jemals mitmachen musste“, erinnert sich der damalige Wehrleiter Frank Wermter an die Tage, die mit dem 12. August 2002 begannen.

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12. August 2002: Nachdem zwischen Straße und Gehöften Sperren angelegt waren, versuchten viele, das Wasser aus den Grundstücken zu schöpfen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Eschefeld. Um 2.30 Uhr hielt es ihn nicht mehr im Bett. Das sah er dann drei Tage lang nur stundenweise. „Und dann konnte ich vor Aufregung auch nicht richtig schlafen“, schildert der heute 55-Jährige. Genau um die besagte Uhrzeit war es, als ihm angesichts des prasselnden Regens Schlimmes schwante, er sich aufmachte, um mit Auto und Taschenlampe das Dorf abzufahren. „Da stand das Wasser an manchen Stellen schon zentimeterhoch, bahnte sich eine schmutzig-braune Brühe von den umliegenden Feldern nahezu unwiderstehlich einen Weg ins Dorf. Es verwandelte nach und nach Grundstücke zwischen der B 7 zum Eschefelder Kreuz und der Großen Seite in ein Teichgebiet, drang in Keller ein.“ Wermter informierte die Leitstelle. 3.48 Uhr wurden alle 28 Kameraden alarmiert, wie noch heute das Einsatzbuch von damals belegt. Wenig später begannen die Feuerwehrleute am ersten Grundstück, mit der Pumpe den Wassermassen Paroli zu bieten. „Das war bei Edwin Schmidt. Den erwischt es immer als ersten. Etwa einen halben Meter hoch stand das Wasser vor dessen Haustür“, erinnert sich der Eschefelder. Auch viele Dorfbewohner fassten später mit zu. In viele der alten Bauernhäuser, die einst ohne Fundament gebaut waren, trat das Wasser von unten ein. Auch jene Gehöfte, die tiefer als die Straßen lagen, auf der das Wasser bald aus der Kanalisation sprudelte, hatten das Nachsehen. Die B 7 musste viel Stunden gesperrt werden, weil sie überflutet war. Ähnlich ging es Jürgen Mäder, inzwischen stellvertretender Stadtwehrleiter Frohburgs. „Ich sehe alles noch so vor mir, als wäre es gestern gewesen“, bekundet der. Keller und Brunnen liefen voll, die Teiche über. „Wir versuchten fieberhaft, Sandsäcke zu füllen, um mit ihnen Grundstückseinfahrten und Hauseingänge zu sichern“, benennt er ein weiteres Detail. Etwa 800 Sandsäcke wurden in diesen Tagen im Ort verteilt. Mehrere Pumpen waren im Einsatz. Im Laufe des Vormittags traf Hilfe von den Feuerwehren Roda, Frohburg und Greifenhain ein. Als Mäder nach vielen Stunden geschafft nach Hause kam, wartete der nächste Schock. „In unserem Einfamilienhaus am Dorfteich war das Wasser etwa 20 Zentimeter hoch in die untere Etage eingedrungen. Ein Graben, der das Oberflächenwasser sammelte, lief über unser Grundstück von hinten direkt ins Haus. Das Zimmer unserer großen Tochter sah dementsprechend aus“, steht ihm noch jetzt vor Augen. Mit Unterstützung der Nachbarn brachte er bis Ende September alles wieder in Ordnung. Auch in den folgenden Tagen des August gab es für die Mannen der Eschefelder Wehr keine Verschnaufpause, obwohl im eigenen Ort das Wasser keine Gefahr mehr darstellte. Am 16. August fing bekanntermaßen das Unheil an Mulde und Elbe an. „Wir wurden zum Katastrophenschutz nach Canitz bei Bad Düben beordert, später nach Eilenburg, pumpten Keller zahlreicher Häuser aus“, so der jetzige Wehrleiter Heiko Mühling. Auch diese Bilder gehen dem 37-Jährigen bis heute nicht aus dem Sinn. „Das war vielfach wie nach einem Krieg. Furchtbar. Die Leute taten uns unendlich leid“, ist er sich mit seinen Mitstreitern einig. Alle drei sind froh, dass so etwas wie vor zehn Jahren zumindest in ihrem Heimatort nicht wieder passieren dürfte. „Bei den teilweise auch sehr starken Niederschlägen in den vergangenen Sommerwochen haben wir gespürt, dass die Maßnahmen, die zum Hochwasserschutz seither ergriffen wurden, doch etwas bewirken“, so Wermter. Der dennoch unruhig wird, wenn sich zu viele Regenwolken türmen...

Thomas Lang

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