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Es geht ein Riss durch die Hochzeitspläne

Fremdenverkehrsverband Kohrener Land Es geht ein Riss durch die Hochzeitspläne

Erst das Innenverhältnis zwischen Kohren-Sahlis und dem Fremdenverkehrsverband (FVV) Kohrener Land klären, dann die Fusion mit Frohburg vollziehen: Der Frohburger Stadtrat vertagte am Donnerstag seine Entscheidung zur Zukunft des Verbandes. Der Geithainer Stadtrat soll sich am 15. März mit einem Ausstieg befassen. Borna immerhin bekennt sich weiter zum FVV.

Dreiecksbeziehung mit unklarer Zukunft.

Quelle: Montage: Wolfgang Sens

Frohburg/Kohren-Sahlis. Überraschende Wende in der Frohburger Diskussion um die Zukunft des Fremdenverkehrsverbandes (FVV) Kohrener Land: Nach einer Auszeit, in der sich der Frohburger Stadtrat am Donnerstagabend hinter verschlossene Türen zurückzog, nahm das Parlament den FVV-Beschluss von der Tagesordnung. Und nicht nur das: Es verknüpfte eine Entscheidung darüber mit dem großen Thema der Eingemeindung von Kohren-Sahlis nach Frohburg.

Die Klärung der Zukunft des Fremdenverkehrsverbandes und all der damit verbundenen Aspekte „wird wesentlichen Einfluss auf den Termin der Eingliederung von Kohren-Sahlis haben“, sagte Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). „Wir können nicht die Probleme, die Kohren-Sahlis und der Verband im Innenverhältnis haben, als Rechtsnachfolger übernehmen.“ Es gebe im Stadtrat mehrheitlich den Willen, den Fremdenverkehrsverband in anderer Form, die weniger kostenintensiv sei, zu erhalten. Und damit auch den Fortbestand des Leader-Fördergebietes Land des Roten Porphyrs zu sichern, für das der FVV und der Heimat- und Verkehrsverein Rochlitzer Muldental Verantwortung tragen. Dass das Fördergebiet in die Bredouille komme, sehe er nicht zwingend, so Hiensch: „Es gibt für alles Lösungen, wenn man sie denn will.“

Blick auf das Frohburger Rathaus

Blick auf das Frohburger Rathaus. Die Entscheidung zum Fremdenverkehrsverband hat der Stadtrat vertagt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Ehe der Stadtrat sich zur internen Debatte zurückzog, hatte der Bürgermeister klargestellt, dass niemand die Leistungen des FVV für die Entwicklung des Tourismus im Kohrener Land und in der Leader-Förderung in Zweifel ziehe. Aber es sei offenkundig, dass die Geldprobleme des FVV nicht behoben seien: „Spätestens 2017 dürfte wieder eine Finanzierungslücke entstehen.“ In den bisherigen Beratungen im Verein und auf Vorstandsebene habe man keine tragfähige Lösung gefunden; vielmehr schauten viele erwartungsvoll auf Frohburg. Dieser Erwartung könne man nicht entsprechen. Selbst viele private Mitglieder seien nicht bereit, durch wesentlich erhöhte Beiträge das Finanzloch des Verbandes zu schließen. Die Beschlussvorlage, über die dann nicht abgestimmt wurde, sah vor, das Frohburg künftig maximal 1000 Euro im Jahr als Mitgliedsbeitrag zahle. Würde mehr verlangt, würde man Ende 2016 den FVV verlassen.

„Es wäre wichtig, den Verband zu entwickeln statt ihn kaputt zu machen“, widersprach Michael Franke (CDU). Der FVV leiste eine sehr wichtige Arbeit. Andere Kommunen würden in ihrer Entscheidung dem Beispiel Frohburgs folgen. Das war auf Geithain gemünzt. Der Geithainer Bürgermeister Frank Rudolph (UWG) verfolgte die Ratssitzung von der Besucherbank aus – aus trifftigem Grund: Am 15. März steht im Geithainer Stadtrat genau diese Frage ebenfalls zur Abstimmung. Wolfram Gabler (CDU) unterstützte Frankes Position: Einen Verein, der renommiert sei, auszuhungern, sei nicht nur unredlich. Es führe zu einem Domino-Effekt.

Der Kohrener Marktplatz

Der Kohrener Marktplatz. Die Klärung der Zukunft des Fremdenverkehrsverbandes Kohrener Land beeinflusst den Termin der geplanten Eingliederung von Kohren-Sahlis in die Stadt Frohburg.

Quelle: Jens Paul Taubert

Finanzielle Engpässe hätten sich im FVV seit Langem angedeutet, doch man habe keine Wege gefunden, dieses Problem zu lösen, meinte Erika Lory (BuW). Sie habe aber Zweifel daran, dass der Verein, der seit mehr als zwei Jahrzehnten zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen beschäftige, das selbe Pensum künftig ehrenamtlich werde leisten können. Deutlicher wurde Siegfried Runkwitz (Linke), dem der Beschlussvorschlag schwammig erschien: „Dann sollten wir lieber ehrlich sein und sagen, wir treten aus.“

Der Geithainer Bürgermeister strebt an, dass die Kommune die Mitgliedschaft im Fremdenverkehrsverband „vorsorglich kündigt“. Schließlich sei die Stadt – gedrängt, um lebenserhaltende Zuschüsse des Landkreises für den FVV zu sichern – 2015 zur Probe in den Neuseenland-Verband gewechselt und seit 2016 voll zahlendes Mitglied dort. Für zwei Vereine zu zahlen, komme für ihn nicht in Betracht: „Dazu sind wir aufgrund unserer Haushalt-Situation nicht in der Lage." Die Gefahr, die öffentliche Geithainer Hand und die Privaten könnten durch einen Austritt die Leader-Förderung riskieren, sehe er nicht. „Eine vorsorgliche Kündigung wäre noch nicht das letzte Wort.“ Am Dienstag ist es am Geithainer Parlament, Position zu beziehen.

Der Bornaer Stadtrat hat das am Donnerstagabend bereits getan. Die Stadt Borna steht hinter dem Engagement des Fremdenverkehrsverbandes Kohrener Land. Die Fraktionen sprachen sich für die Mitgliedschaft und die Finanzierung über 2016 hinaus aus. Allerdings forderte die CDU eine Diskussion über die künftige Ausrichtung. Nachdem Borna mit der einzig verbliebenen Tourist-Information zur Drehscheibe geworden sei, müsse die Stadt auch im Verbandsnamen eine Rolle spielen, regte Sylvio Weise (CDU) an. Trotz der Fokussierung auf die Region hält die SPD auch eine Orientierung im Leipziger Neuseenland für wichtig. „Borna muss als Produkt auch im Schaufenster der Leipziger Marketing- und Tourismusgesellschaft liegen“, sagte Oliver Urban (SPD). Der Gewerbeverein von Borna legt den Fokus dagegen konsequent auf die touristische Arbeit in der Region. „Jeder Euro, den wir in das Neuseenland einzahlen, fließt nach Leipzig“, sagte Thomas Lungwitz, Chef des Gewerbevereins und Hotelier in Borna.

Kritik: Vorbereitung der Fusion kommt schwer aus den Startlöchern

Kohren-Sahlis/Frohburg. Ab 1. Januar 2017 wollen Frohburg und Kohren-Sahlis eine gemeinsame Kommune bilden. Das ist der erklärte Wille beider Parlamente, und auch in den beiden Bürgerschaften wird dieser Weg mitgetragen. Allerdings kommt man auf dem, was die Vorarbeiten betrifft, offenbar nicht mit dem nötigen Tempo voran. Das wurde deutlich in der jüngsten Sitzung des Frohburger Stadtrates. Der Freistaat hat den Kommunen in der Haushaltführung die Doppik verordnet. Um die Finanzierung der unverzichtbaren Eröffnungsbilanz für Kohren-Sahlis sollte es gehen. Doch die Debatte stieß schnell auf Grundsätzliches vor.

Jede Kommune in Sachsen braucht eine Eröffnungsbilanz, doch längst nicht jede hat dieses Dokument, das die finanzielle Verfasstheit rückwirkend zum Jahr 2013 aufzeigen soll. Kohren-Sahlis sollte diese Bilanz unbedingt noch bis zur Eingemeindung in eigener Verantwortung erarbeiten – ohne das bis an die Grenzen des Belastbaren eingespannte Frohburger Rathauspersonal, forderte der Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW). Er sehe Handlungsdruck, sonst lande das Thema nach einer Eingemeindung auf dem Frohburger Tisch.

Kohren-Sahlis allerdings fehlten Geld und Kapazitäten. Hiensch schlug dem Stadtrat nach Rücksprache mit dem Kommunalamt des Landkreises vor, dass Frohburg seinerseits – in Abstimmung mit der Töpferstadt – das bereits für die Stadt tätige Büro B&P mit der fachlichen Begleitung der Bilanzierung beauftrage. Risiko: Scheitere eine Eingliederung Kohrens, hätte Frohburg die Sache für einen Fremden bezahlt. Doch einen anderen Weg als den nach Frohburg sehe er für Kohren-Sahlis nicht; dieses Risiko sei deshalb sehr gering.

Während Christopher Martin (CDU) diesen Kurs Hienschs ausdrücklich unterstützte, stellte Andreas Mertin (Linke) den Fusionstermin 1. Januar 2017 in Frage. „Über die wirklich wichtigen Dinge haben wir bisher gar nicht gesprochen“, sagte Mertin, der in der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Räten und Verwaltungen beider Städte mitarbeitet. Kohren habe grundlegende Materialien, etwa zum kommunalen Eigentum, bisher nicht vorgelegt: „Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung nicht auf der Höhe ihrer Aufgaben ist.“ Mertin warnte: „Wir kaufen die Katze im Sack, wir könnten Lehrgeld in Größenordnungen bezahlen“. Frohburg sollte auf Fakten drängen, heißt: auf die Bremse treten.

So zugespitzt wollte es Wolfgang Hiensch nicht formulieren. „Der Termin ist in Gefahr – aber am heutigen Tag kann man nicht den Stab brechen“, warb er für Augenmaß. Richtig aber sei, dass die Zeit davonlaufe. Er griff das Sprachbild von der „Eingemeindung auf Augenhöhe“ auf. Das sei nach wie vor gültig, es gehe aber auch um ein Niveau, das Frohburger Maßstäbe der Verwaltungskompetenz nicht verwässere.

Der Stadtrat folgte Hienschs Linie. Er stimmte der Auftragserteilung für die Kohren-Sahliser Eröffnungsbilanz zu. Die Kosten belaufen sich auf mehrere Zehntausend Euro.

Austritt würde Projekte gefährden

Kohren-Sahlis/Rochlitz. „Im Land des Roten Porphyrs läuft es sehr gut, weil wir diese beiden Basisvereine haben“, sagt Kerstin Kunze. Die Frau aus Langenleuba-Oberhain, aktuell in Elternzeit, war über zwei Förderperioden im Regionalmanagement tätig.

Sie weiß um das eingespielte Miteinander des Fremdenverkehrsverbandes Kohrener Land und des Heimat- und Verkehrsvereins Rochlitzer Muldental als Träger dieses Leader-Gebietes. Die Strukturen seien über Jahre gewachsen, es gebe in Rochlitz, Gnandstein und Borna Anlaufstellen für all jene, die Fördermittel nutzen wollten. Das Porphyrland sei in der aktuellen Förderperiode, die bis 2020 währe, deutlich weiter als andere, sagt Kunze. Kürzlich habe man bereits die zweite Runde absolviert; davon profitierten unter anderem Vorhaben in Geithain, Ossa und Greifenhain. In der zurückliegenden Periode sei eine erhebliche Menge der Mittel Antragstellern im Frohburger Territorium zugute gekommen; aktuell gebe es aus Geithain an die 65 Projektideen.

„Nun wäre es an den Kommunen, aus diesen Ideen Anträge zu entwickeln“, so Kunze. Gerade Frohburg sei „über viele Jahre ein sehr konstruktiver Partner“ gewesen und habe das Bild des Porphyrlandes maßgeblich geprägt. Träte jetzt eine Kommune aus einem der beiden Träger-Vereine aus, käme die gesamte Struktur ins Wanken. Dann würden – zumindest für die Zeit der Neustrukturierung – keine Fördermittel fließen können. Die Leader-Strategie müsste neu geschrieben werden. Das setze viele Projekte aufs Spiel, die dringend auf Förderung hofften.

„Ein Herausziehen aus dem Verband und weiter diese Fördertöpfe nutzen – das geht nicht“, sagt Regina Heinze vom Fremdenverkehrsverband. Es gehe aber nicht nur um Leader, sondern vielmehr um die Arbeit, die der Verband gemeinsam mit seinen Mitgliedern seit mehr als zwei Jahrzehnten für den Tourismus im Kohrener Land leiste – und das für einen Mitgliedsbeitrag, der für Kommunen bei 90 Cent und Einwohner im Jahr liege. Es gehe nicht nur um die Präsentation der Region und ihrer Kommunen auf Messen. Prospekte, Wanderkarten, Ausflugsführer würden gedruckt, Pauschalangebote entwickelt und vermarktet, das touristische Wegesystem ausgeschildert und ausgebaut, die Tourist-Information auf dem Bornaer Markt betrieben.

Von Ekkehard Schulreich

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