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Es stinkt zum Himmel: Düngung im Landkreis Leipzig endet im April

Agrarwirtschaft Es stinkt zum Himmel: Düngung im Landkreis Leipzig endet im April

Es gibt verschiedene Frühlingsaromen. „Süße, wohlbekannte Düfte“, von denen einst Eduard Möricke schrieb. Und die, die zum Himmel stinken, weil sie von Gülle oder Klärschlamm aufsteigen.

Frühjahrsarbeiten auf einem Acker zwischen Eschefeld und Frohburg.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Grimma. Es gibt verschiedene Frühlingsaromen. „Süße, wohlbekannte Düfte“, von denen einst Eduard Möricke schrieb. Und die, die zum Himmel stinken, weil sie von Gülle oder Klärschlamm aufsteigen. Gerade jetzt in diesen Wochen wieder, weshalb bei Landwirten wie Gerhard Landgraf, Geschäftsführer der Agrarproduktion Elsteraue GmbH Zwenkau, Beschwerden von Anwohnern landen. Allerdings, machen Landgraf sowie Yvonne Kern und Gerhard Rößner, Geschäftsführerin beziehungsweise Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Borna/Geithain/Leipzig, klar, können die Landwirte derzeit gar nicht anders.

Das liegt an der Düngeverordnung, die der Bundesrat kürzlich novelliert hat. Darin ist festgelegt, dass die Landwirte im wesentlichen nur noch in der Zeit von Februar bis Ende April Gülle und Klärschlamm aufbringen dürfen. Bisher, so Landgraf, sei das auch im Dezember und Januar möglich gewesen. Es gelte aber die Maxime, „dass wir nicht düngen dürfen, wen die Pflanzen nicht wachsen“. Die neue Düngeverordnung, die bundesweit gilt, ist ein Reaktion auf die Vorgaben der EU zur Reinhaltung des Trinkwasser.

Das sei in der Tat in manchen Regionen in Deutschland nicht so sauber wie vorgeschrieben, erklärt Landgraf. Heißt: Dort werde der erlaubte Grenzwert von 450 Millilitern Nitrat pro Liter überschritten. „ Bei uns ist das aber nicht so“, macht Landgraf klar. Im Leipziger Land werden Werte von 2,7 Milliliter Nitrat pro Liter Trinkwasser gemessen. Die Nitratbelastung hänge auch von der Bodenbeschaffenheit ab. So sei klar, dass es auf Sandböden, wie sie etwa in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder auch in der Dübener Heide finden, die Bodenbelastung durch Dünger potenziell größer ist als auf den Lehmböden in der Leipziger Tieflandsbucht und damit zwischen Kitzen und Kitzscher.

Als problematisch für die Landwirte erweist sich auch die Vorgabe, dass der Dünger, tierische oder menschliche Fäkalien, binnen vier Stunden verarbeitet, also in die Erde gebracht werden müssen.

Dabei, sagt Elke Zerfeldt, die Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Muldental, helfe aber die Technik – das so genannte Schlitzverfahren, mittels dessen die Düngemittel direkt in den Boden gelangen. Zudem seien viele Landwirte bemüht, ihre Felder in den Abendstunden zu düngen, „weil dann die Luft kälter ist“ und sich der Gestank dadurch eher in Grenzen halte. Zwar hat es auch im Muldental bisweilen schon Beschwerden über Geruchsbelästigungen gegeben, aber das halte sich in Grenzern, sogt Geschäftsführerin Zerfeld. „Wir sind ländlicher geprägt“, weshalb das Verständnis für den alljährlichen Kreislauf in der Landwirtschaft offenkundig etwas größer ist als im Umfeld der Großstadt Leipzig.

Dabei, macht Gerhard Rößner, der Vorsitzende des Borna-Geithain-Leipziger Kreisbauernverbandes deutlich, wird keineswegs jedes Feld im gleichen Maß mit Dünger versorgt. Vielmehr hänge das vom konkreten Nährstoffbedarf der konkreten Fläche ab. „Das wird immer untersucht und ist abhängig vom erreichten Ertrag.“

Ohne Düngung und damit auch ohne eine gewisse olfaktorische Belastung gehe es nicht in der Landwirtschaft, unterstreichen Landgraf, Rößner und Kern. Und damit schließe sich am Ende auch ein Kreislauf, wenn die Überreste tierischer wie menschlicher Verdauung wieder zur Quelle neuer Nahrung werden.

Von Nikos Natsidis

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