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Geithain Eula soll wieder Schwung bekommen
Region Geithain Eula soll wieder Schwung bekommen
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05:24 14.07.2018
Als Peter J. Arnold in Flößberg aufwuchs, hatte die Eula noch einen gewundenen Lauf. In den Siebzigerjahren aber wurde sie begradigt, quasi kanalisiert. Von der Straßenbrücke der B 176 aus ist das deutlich sichtbar. Quelle: Jens Paul Taubert
Geithain/Frohburg

Wer von der Bundesstraße 176 kurz vor Flößberg auf der Höhe des Schafbergs in einen alten Weg abbiegt, muss ein frei im Feld stehendes Haus passieren. Ist man heil daran und den frei laufenden Hunden vorbei, senkt sich der ausgefahrene Weg idyllisch ins Grün und in die Aue der Eula. Stille plötzlich umfängt den Wanderer, allenfalls der Ruf eines Greifs, mit Glück der eines Pirols. Sichtbar ist der Fluss nicht hinter dem hohen Gras der Wiesen, ahnbar sein Verlauf allerdings, weil den vornehmlich Schwarzerlen markieren.

Die Eula bei Flößberg – hier ein abgeklemmte Mäander. Quelle: Ekkehard Schulreich

Zwar mäandert sein Lauf wie in Jahrhunderten, doch hat die Eula hier längst ihren Schwung verloren, an Tempo aber gewonnen: Der kurvenreiche Verlauf wurde gekappt. Seit Jahrzehnten nimmt die Eula geradlinig Kurs auf Beucha. Die Landwirtschaft wollte Boden gut machen. Das Rezept gegen Hochwasser, die immer noch wiederkehren, lautete lange Zeit: Das Wasser muss weg, möglichst schnell. Die verheerenden Fluten seit Beginn des Jahrtausends verschaffen zunehmend jenen Gehör, die sagen: Der Fluss braucht Lebens-Raum – für den Fluss und für die Menschen, die an seinen Ufern siedeln.

Arnold: Geld sollte in Eula investiert werden

„Im Frühling waren die Wiesen voller Schlüsselblumen. Der Fluss teilte sich in mehrere Arme. Es gab einen Graben zur Mühle, es gab Teiche“, sagt Peter J. Arnold über seine Kinderjahre in Flößberg. Aufgewachsen im Gasthof, geht der Wahl-Ballendorfer heute auf den Ruhestand zu – der für ihn, den umtriebigen Naturschützer, alles andere als Ruhe bedeutet. „Wenn wir die Ökosysteme wiederbeleben, tun wir was für die Artenvielfalt.“ Dass das an der Eula geschieht, die seit Mitte der Siebzigerjahre kanalartig eingezwängt ist zwischen Prießnitz, Flößberg und Beucha, hofft er seit Jahr und Tag. Wenn für die Natur-Eingriffe, die der Bau der Autobahn 72 mit sich bringe, ein Ausgleich geschaffen werden müsse, sollte das Geld in die Eula investiert werden.

IHochwasser 2013 rund um das Geithainer Stadion, links hinterm Zaun die Gartenanlage. Sie soll künftig teilweise Ausdehnungsraum für die Eula werden Quelle: Romina Proske

Unmittelbar nach der Wende schien man schon einmal an diesem Punkt: Das Staatliche Umweltfachamt Leipzig, wie es seinerzeit hieß, hatte nach 1990 umfangreiche Pläne, wie die Flussaue wiederhergestellt werden könnte. Die Begradigungen sollten annulliert, die Betongitter aus dem Lauf herausgeholt werden. Zwei Millionen Mark, eine Million Euro also, sollten verfügbar sein. Geschehen ist nichts.

Heinke: Eula ab Prießnitz eher ein Kanal

„Die Auen sind Lebensadern“, sagt Bernd Heinke von der Naturschutzbehörde des Landkreises: „Die Eula ist ab Prießnitz aber eher ein Kanal.“ Bei Hochwasser würden die Altarme kurzzeitig versorgt; sie neu einzubinden, sei eine lohnende Aufgabe – und höchst aktuell.

„Selbstverständlich ist das sinnvoll“, bestätigt Axel Bobbe, Leiter der Landestalsperrenverwaltung in Rötha. Die ist seit 1995 für die Unterhaltung der Eula verantwortlich. Grundsätzlich sei es höchste Zeit, in die Eula zu investieren.

Bobbe: Zustand der Wyhra wesentlich besser

„Der Zustand der Wyhra ist wesentlich besser“, sagt Bobbe, meint die Uferzonen, die Naturbelassenheit, die Wasserqualität. „Der Fluss hat in den vergangenen Jahrzehnten gelitten“, sagt er: durch den Flächenverlust in der Aue, durch Dünger-Einträge. Mit dem Hochwasser hätten Generationen irgendwie gelebt: „Jetzt aber ist die Gefährdung eine viel höhere. Deshalb werden neue Prioritäten gesetzt.“

Bislang punktuelle Eula-Renaturierung

Renaturierungen hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten an der Eula punktuell gegeben. Am Niedergräfenhainer Ortsrand in Richtung Geithain hat der Autobahn-Bauer Deges ein Stück naturnah gemacht. Jetzt will man sich einen größeren Abschnitt zwischen Niedergräfenhain und dem Prießnitzer Wald vornehmen, summa summarum fünf Kilometer. Zwar sei man in Zeitverzug, räumt Unternehmenssprecher Lutz Günther ein: „Viele Maßnahmen liefen schon parallel zum Straßen- und Brückenbau, nur an der Eula haben wir das noch nicht geschafft.“

Deges will Ende des Jahres loslegen

Ende des Jahres aber wolle man möglichst loslegen. Eine Hürde: Die Genehmigung stammt aus der Zeit vor 2013. „Durch das Hochwasser seither hat sich der Gewässerlauf verändert. Wir mussten neu vermessen, müssen über Grundstückserwerb sprechen.“ Vor allem aber: „Die hydraulische Methodik ist heute ein andere. Wir müssen die Berechnung für die ganze Eula auf den neuesten Stand der Technik bringen.“

Landesdirektion erwartet Planungen

In der Landesdirektion Sachsen gab es dazu kürzlich ein Gespräch. „Wir gehen davon aus, dass sich Deges und Landestalsperrenverwaltung (LTV) über das Ausbauvorhaben einigen können. Sie sollen uns die Ausführungsplanungen vorlegen“, sagt Ingolf Ulrich, der stellvertretende Behördensprecher. Dann entscheide man, ob ein Planänderungsverfahren nötig sei oder ob die erteilten Genehmigungen ausreichten.

Die verrohrte Eula im Bereich des Geithainer Stadions.. Quelle: Jens Paul Taubert

„Das Hochwasser von 2013 hat die Renaturierung eigentlich eingeleitet“, sagt Bernd Heinke von der Naturschutzbehörde. Diese Dynamik sollte man zugunsten der Eula nutzen. An einem Zufluss, dem Frankenhainer Bach, habe die Deges gezeigt, was möglich sei. Auf 1,2 Kilometern sei das ursprüngliche, später begradigte Bett neu angelegt worden. 160 000 Euro kostete die Neuprofilierung. Jetzt kümmert sich die Deges hier noch um die Pflege.

Am Frankenhainer Bach, einem Eula-Zufluss, hat die Deges auf 1,2 Kilometern das ursprüngliche, später begradigte Bett neu angelegt. Quelle: Landratsamt

Das an der Eula Getane und vor allem das Geplante dient laut Axel Bobbe einem großen Ziel: der Umsetzung der Wasser-Rahmenrichtlinie der EU bis 2027. Gute ökologische Zustände zu erreichen, „davon sind wir hier noch weit weg, und es ist sehr viel Geld notwendig“. Insofern sei das Engagement der Deges höchst willkommen. Aber es müsse passen, denn „mit einer Renaturierung kann man, wenn sie falsch gemacht wird, auch die Hochwassersituation für einen Ort verschlechtern. Das will natürlich keiner.“

Beispiel-Maßnahmen an der Eula

Geithain

Im Bereich des Stadions ist die Eula verrohrt. Die Konsequenzen: Stau und Überflutung. Würde die Stadt das ändern, müsste sie ein langwieriges Planfeststellungsverfahren anstrengen. Schneller zum Ziel wollen Talsperrenverwaltung und Kommune kommen, indem Teile der flutgeschädigten Gartenanlage Alte Heimat dem Fluss als Ausdehnungsraum gegeben werden. Bobbe: „Die Vermessung ist erfolgt. Jetzt können wir an die Eigentümer herantreten.“

Niedergräfenhain

Naturnahe Wiederherstellung der Flussaue

Zwischen Niedergräfenhain und Prießnitzer Wald ist die Renaturierung der Eula durch den Autobahnbauer Deges geplant.

Eula kurz vor der Bundesstraße 95

Ein alter Flussarm wurde im Wiesengelände durch die Landestalsperrenverwaltung wieder eingebunden.

Von Ekkehard Schulreich

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