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Geithain Ex-Bürgermeister Heinz Herzog ist tot
Region Geithain Ex-Bürgermeister Heinz Herzog ist tot
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15:59 01.06.2018
Geithains früherer Bürgermeister Heinz Herzog. Quelle: Jens Paul Taubert
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Geithain

Dass einer zweimal Bürgermeister derselben Stadt wird, und das obendrein unter konträren gesellschaftspolitischen Vorzeichen, ist selten: Bei Heinz Herzog war es der Fall. Mitte dieser Woche ist er, Jahrgang 1949, in seiner Heimatstadt gestorben.

„Wichtig, dass Stellenwert Geithains nicht wegrutscht“

Aus der Öffentlichkeit hatte sich Herzog, gesundheitlich schwer angeschlagen, seit einem Jahrzehnt zurückgezogen. Dabei war er über Jahre und Jahrzehnte einer, der den Kontakt zu den Menschen suchte, der das Miteinander schätzte, der Konflikten durchaus nicht aus dem Weg ging, dabei aber auf Ausgleich bedacht war.

„Es ist unwahrscheinlich wichtig, dass der Stellenwert Geithains im Ensemble des Leipziger Landes nicht wegrutscht“, hatte Heinz Herzog 1999 gemahnt. Wie berechtigt das war und wie schwer zu realisieren, lässt sich heute ermessen. Damals lag seine Zwei-Systeme-Bürgermeister-Amtsperiode schon hinter ihm. Der Geithainer Bürgermeister hieß inzwischen Rolf Galisch (CDU), und Herzog war Spitzenkandidat der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) für die Stadtratswahl.

Legendäre 800-Jahr-Feier

Gabriele Sporbert, damals wie heute CDU-Stadträtin, hat an ihn „gute und weniger gute Erinnerungen“. Herzog sei freundlich gewesen, einer, mit dem man habe reden können. 1986, als die DDR sich noch weit entfernt wähnte von ihrem Ende, habe Herzog als Bürgermeister der SED eine 800-Jahr-Feier organisiert, die in ihrer Strahlkraft legendär gewesen sei, „ein Aushängeschild“. In den Neunzigerjahren und der Zeit danach aber habe er viele Erwartungen nicht einlösen können.

Für kommunale Selbstverwaltung eingetreten

Heinz Herzog, studierter Jurist, arbeitete beim Rat des Kreises Geithain. 1982 wurde er Bürgermeister, blieb es auch in den Umbruch- und Nachwende-Jahren bis 1992. „Er ist damals vehement für die kommunale Selbstverwaltung der Städte eingetreten“, erinnert sich Bibliothekarin Ramona Kratz an diese Jahre der Umstrukturierung und Neu(er)findung. In diesem Transformationsprozess habe er eine positive Rolle gespielt.

Mitbegründer der UWG

1990 zählte er zu den Mitbegründern der UWG, war für sie auch Mitglied des Kreistages – erst im Kreis Geithain, später im Leipziger Land. Mit Frank Rudolph leitet seit 2016 erneut ein Bürgermeister mit UWG-Mandat die Stadtgeschicke. „Heinz Herzog hatte für die Bürger immer ein offenes Ohr. Er versuchte, unter schwierigen Bedingungen etwas für Geithain zu erreichen“, sagt er. Ein Spaziergang sei das mitnichten gewesen.

Wechselvolle Amtszeiten

1992 trat Herzog nach politischen Zerwürfnissen im Stadtrat zurück. Fortan war er als Rechtsanwalt in Geithain tätig. In der Folge fungierten Eberhard Freiberg (parteilos), dann Rolf Galisch als Bürgermeister. Im Jahr 2001 trat Herzog erneut zur Bürgermeisterwahl an, und die Geithainer wählten ihn wiederum zum Stadtoberhaupt.

Im Februar 2008 schied er kurz vor dem Ende seiner regulären Amtszeit unter Druck aus. Ein geplantes Comeback im Frühsommer 2008 als Einzelbewerber, mit dem er viele Geithainer überraschte, misslang. Romy Bauer (erst CDU, dann parteilos) übernahm in der Konsequenz die Regie im Rathaus.

Von Ekkehard Schulreich

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